Auf der anderen Seite aber lauert die obere Mittelschicht, bereit, sich auf jeden wirklichen und vermeintlichen Fehler des Lehrers zu stürzen. Das sind die Eltern, die sich wegen ihres eigenen Bildungsabschlusses einbilden, einen möglichst guten Schulerfolg ihres Nachwuchses notfalls mit dem Rechtsanwalt erzwingen zu können; Eltern, deren Kinder dem Lehrer mit der Schulordnung in der Hand vorhalten, er dürfe jetzt keinen Vokabeltest schreiben lassen, weil er diesen eine Woche vorher hätte ankündigen müssen - was in einigen Bundesländern tatsächlich der Fall ist, so dass pädagogisches Ermessen durch semantische Verrenkungen wie "Schriftliche Hausaufgabenkontrolle" ersetzt wird; Eltern, die sich grundsätzlich gleich bei einer höheren Hierarchiestufe beschweren, anstatt die Sprechstunde des Lehrers aufzusuchen, und so das Schulklima eifrig vergiften. Bis sich die Feigen unter den Lehrern nicht mehr trauen, eine Sechs zu geben, wo die Leistung des Schülers keine andere Note zulässt.
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Es fällt beinahe schon schwer, zwischen dieser Zweiteilung der Elternhäuser noch die Normalität einer konstruktiven Anteilnahme an einem Bildungsgang zu entdecken, der ja im Rahmen der Schulpflicht notwendig auch ein kollektiver, gemeinschaftlicher ist. Welche grotesken Formen die Verregelung der Schule und damit ihr Autoritätsmangel angenommen hat, lässt sich an neuen Rechtsratgebern ablesen wie dem gerade erschienenen Buch "Elternrechte in der Schule. So machen Sie sich stark für Ihr Kind" von Thomas Böhm (Ernst Reinhardt Verlag, 2007). Der Autor unterrichtet zwar Schulrecht an einem Institut für Lehrerfortbildung und streut daher durchaus Warnungen an die Eltern ein, das Gespräch mit den Pädagogen nicht komplett der Rechthaberei zu opfern; aber die Fälle, die er zusammenträgt, und die Tipps, die er zu "Dienstaufsichtsbeschwerden" und Anwaltsgebühren gibt, künden vom Gegenteil.
Da ist die Mahnung, kein Klassenfoto auf der Homepage der Schule ohne individuelle Einwilligung einzustellen. Die Mutter einer Schülerin der sechsten Klasse erstattete Anzeige gegen eine Lehrerin wegen Körperverletzung, weil diese keine generelle Erlaubnis erteilte, während des Unterrichts zur Toilette zu gehen: "Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein, da jeder Schüler, der eine fünfte oder sechste Klasse besucht, in der Lage sein müsse, seinen Harndrang bis zu den Pausenzeiten zu kontrollieren." Wer einen Schüler, der gestört hat, vor die Tür stellen will, hat wegen der Aufsichtspflicht inzwischen schwere Rechtsprobleme - er muss entweder die Tür offen stehen lassen, um den gemaßregelten Schüler aus dem Augenwinkel beobachten zu können, oder sicherstellen, dass dieser davon ausgeht, dass seine Anwesenheit im Flur regelmäßig kontrolliert oder er zwischendurch wieder hereingerufen wird. Und so weiter.
Ein weiterer Indikator für das Eindringen des Rechtsdenkens in die Sphäre der Bildung sind "Erziehungsverträge", die gerade in Problemschulen neuerdings häufig, und in bester Absicht, geschlossen werden: Also Vereinbarungen, in denen die Schüler geloben, die Hausaufgaben zu machen oder kein Schuleigentum zu vandalisieren, oder die Lehrer zusagen, bei Schwierigkeiten das Gespräch mit den Eltern zu suchen. Hier handelt es sich, wie der Schulrechtler richtig feststellt, "um pädagogische Hilfsmittel zur Verdeutlichung und Konkretisierung der ohnehin bestehenden Rechte und Pflichten im Schulverhältnis".
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Natürlich gibt es viele schlechte Lehrer und auch manche furchtbare. Viele genügen weder ihrem fachlichen noch ihrem erzieherischen Auftrag. Aber die Kombination aus Ignoranz und wachsendem Beschwerdewesen auf Seiten der Eltern ist bestimmt nicht geeignet, diese Lage in irgendeiner Hinsicht besser zu machen.
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(SZ vom 19.4.2007)
DFB-Pleite gegen die Schweiz
Ich kann dem Inhalt des Artikels nur beipflichten...
Ich kenne selbst sehr das Engagement der Eltern sehr gut, sowohl das produktive, das zur Entwicklung und zum Lernprozess aller führt, als auch das negative, das schlechte Stimmung, Reibung und unnötige Konflikte verursacht. Als Schülersprecher stehe ich öfters in Kontakt mit Eltern und auch SChülern, die gerne über dies und jenes an der Schule - inkl. Lehrer, Direktor, Hausmeister, System... - meckern und teilweise auch richtig sauer werden. Meist zu unrecht.
Vor allem ist mir wichtig, dass den LEuten klar wird, das Schule kein Wirtschaftsunternehmen ist. NIEMAND zahlt Steuergelder für die direkte Gegenleistung der Bildung. Wer mit erhobenem Zeigefinger an Schulen etwas einfordern will, "für das er bezahlt habe", der soll bitte seine Kinder auf eine Privatschule schicken.
Ganz ehrlich: aus Erfahrung weiß ich, dass ca 80% der Beschwerden, die vom Murmeln zum lauten Aufrschrei werden, entweder reine Stimmungsmache, Neid oder Trauer über eigenes Versagen oder bloße Launen als Auslöser haben.
Wer einfordert, muss VORHER gegeben haben. Wenn ich meine Hausaufgaben nicht mache, kann ich keinen Anspruch darauf haben, den Stoff des Unterrichts voll zu verstehen und erklärt zu bekommen.
So noch als Abschluss:
Seid doch eindlich nett zu einander, seid dankbar, macht das Beste draus, für euch, für eure Zukunft, für eure Lehrer, für eure Schüler, für deren Eltern, für eure Kinder (und und und...) und für mich :D, danke.
über lehrerInnen meckern ist wie fußbal schauen: jeder meckert, wie schlecht die spielerInnen gerade spielen; was man an des spielers stelle getan hätte, aber selber SPIELEN, -ha- die meisten können nen volleyball doch nur von nem fußball unterscheinden, weil zwischen "Sonderangebot" und "9.99EUR" dick und fett "Fußball" steht...
Ich finde den Artikel sehr gut. Auch wenn er einseitig ist. Er hatte ja nicht den Anspruch, eine Reportage zu sein.
Es gab mal irgendwo die These, daß wir mittlerweile in einer Neidgesellschaft leben. Das würde den überall fehlenden Respekt gegenüber den Anderen erklären.
Das Problem ist, daß immer alle ganz toll sein müssen. Die Möglichkleit, daß einer leistungsmäßig Mittelmaß ist und TROTZDEM Anerkennung erfährt, ist überhaupt nicht mehr vorgesehen. Deshalb "zählt" auch nur noch das Abi, obwohl bekannt sein dürfte, daß selbst das Abi keine Garantie für nichts mehr ist.
Die ELTERN müssen sich im Sozialdarwinismus selbst "bewähren" und haben in den allermeisten Fällen nicht die Zeit, um sich ihren KIndern ausreichend zu widmen. Darum haben sie (hoffentlich) ein permanent schlechtes Gewissen, das irgendwie kompensiert werden muß. Und sei es mit Hilfe der Rechtsschutzversicherung.
Die LEHRER übernehmen mittlerweile unbezahlt die von den Eltern vernachlässigten Erziehungspflichten und können diese verständlicherweise nicht annäherungsweise kompensieren. Als Sündenböcke haben sie darüber hinaus ein extremely bad image ("Lehrer =faule Säcke").
Die KINDER sind, wenn sie SCHÜLER und an einer staatlichen Schule sind, in der Regel (!) mit einem Stoffpensum konfrontiert, welches sich nur mit maximaler Disziplin bewältigen läßt und noch immer quantitativ im Ansteigen begriffen ist. Die wenigsten Kinder bringen von sich aus (und DA sollte es herkommen) diese Kraft auf.
Die NOTEN sind hinsichtlich ihrer Aussagekraft absolut überbewertet.
Die ARBEITGEBER orientieren sich trotzdem am "objektiven" Kriterium: Notendurchschnitt.
Noch zwei Beispiele: Gestern (19. April) lief im WDR eine Reportage mit dem Titel "Beruf Lehrer", der die Aussagen des Schloemann-Artikels mit schmerzhafter Deutlichkeit bestätigte.
Ich finde den Artikel sehr gut. Weil er von einer Seite (warum nicht?) den Finger in die Wunde legt. Und das heißt m.E., daß die völlig falschen Basisannahmen (für das "Leben" lernen heißt: für den Job lernen) hinterfragt werden müssen, deretwegen alle Beteiligten
ein Aggressionspotential vor sich herschieben, das sich auf dem Schulhof, vorm Verwaltungsgericht und in innerkollegialen Mobbingprozessen (Lehrer-burnout) bemerkbar ma
Wenn die Eltern mit gleichem Fleiß, Energie und Liebe kontinuierlich über's Schuljahr ihr Kind begleiten, wie sie auch im nötigen Fall Gespräche mit Lehrern suchen und sorgfältig führen, im Sinne einer Pädagogik, die den Menschen im Zentrum sieht und nicht nur seine Berufschancen, dann gibt's weniger Probleme. Alle 3 Parteien können sich dann entwickeln - Einsicht braucht länger und Verhaltensänderung noch länger.
Es ist ein höchst kompliziertes Kommunikations-Dreieck (Schüler, Sorgenmach-Berechtigte, Lehrer). Natürlich müssen Schulen hier gesprächsbereit sein - in Grenzen. Wie überall beherrscht ein bestimmter Prozentsatz seine Arbeit nicht - und Eskalationen können manchmal exemplarisch notwendig sein - wie im sonstigen Berufsleben: the right man on the right job.
Das Elend sind höchsten Rechtsschutzversicherungen. Pauschalisierungen sind nicht angebracht.
Warum sind die Eltern immer so Überrascht,wenn ihr Filius im Zeugniss oder
in einer Probe eine schlechte Note haben?
Nehmen sie nicht an den Elternabende,sowie an den Sprechzeiten der Lehrer teil?
Tatsache ist,es liegt zum grossen teil sehr wohl an den Eltern.
Leider auch an die verlogenheit der Kids (leider)
Gruss Karin.S
Paging