Mäßige Leistungen, frühe Erschöpfung, wenig Engagement? Urteile über Pädagogen sind oft zu pauschal, um wahr zu sein.
Wird über den Beruf des Lehrers diskutiert, erinnert das immer ein wenig an Gespräche über Fußball. Alle haben eine starke Meinung, klare Sympathien und Antipathien, Fakten sind nicht so wichtig. Wissenschaftliche Studien könnten die Debatte versachlichen, ihre Ergebnisse sind allerdings auch nicht immer eindeutig, ihre Aussagekraft ist meist begrenzt. Dennoch können sie helfen, Pauschalurteile zu überwinden.
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Beruf Lehrer: Für ein Viertel der Lehramtsstudenten ist der Job eine Verlegenheitslösung. (© Foto: dpa)
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Vorurteil 1: Nur mittelmäßige Schüler werden später Lehrer, die Leistungsstarken meiden den Beruf.
Es stimmt, dass die Abiturnote angehender Grund-, Haupt- und Realschullehrer im Schnitt schlechter ist als die anderer Akademiker. Eine entsprechende Studie des Münchner Bildungsökonomen Ludger Wößmann machte vor kurzem Schlagzeilen. Sie beruhte allerdings auf Daten, die vor mehr als zehn Jahren erhoben wurden. Und sie zeigte auch: Gymnasiallehrer hatten im Abitur genauso gute Noten wie andere Akademiker. Dies bestätigt eine neue Untersuchung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung mit dem Titel "Eingangsvoraussetzungen beim Studienbeginn: Werden Lehramtskandidaten unterschätzt?"
Das Autorenteam Uta Klusmann, Ulrich Trautwein, Oliver Lüdtke, Mareike Kunter und Jürgen Baumert nutzt eine Abiturienten-Stichprobe aus Baden-Württemberg und vergleicht 328 Lehramtsstudenten mit etwa 1400 Studenten anderer Fächer. Sie werten nicht nur die Schulnoten aus, der Datensatz umfasst auch zusätzliche Tests zu den allgemeinen kognitiven Kompetenzen und den Fähigkeiten in Mathematik und Englisch. Das Ergebnis: Die Abiturnote angehender Lehrer der Grundschule und Sekundarstufe I ist um etwa eine halbe Note schlechter als bei Anwärtern für das gymnasiale Lehramt. Schwächer sind zudem die gemessenen kognitiven Fähigkeiten und die Leistungen in Englisch und Mathematik. Gymnasiallehrer sind so leistungsstark wie andere Akademiker. Die These einer "generellen Negativ-Selektion in Bezug auf die kognitiven Voraussetzungen" könne für den Lehrerberuf nicht bestätigt werden. Ein Gefälle besteht indes zwischen den Lehrämtern.
Unklar bleibt, wie sich die kognitiven Voraussetzungen später auf die Arbeit der Lehrer auswirken. Die Studie des Max-Planck-Instituts betont die hohe Bedeutung der Ausbildung in Studium und Referendariat: Art und Qualität der Lehrerausbildung seien vermutlich der entscheidende Faktor für die professionelle Kompetenz der Pädagogen.
Vorurteil 2: Lehrer arbeiten wenig, haben viel Freizeit und haben sich deshalb für diesen Beruf entschieden.
Der Frankfurter Schulforscher Udo Rauin rechnet mehr als ein Drittel der angehenden Lehrer zu den "Engagierten"; viele Leistungsstarke würden allerdings schon während des Studiums aussteigen - angeblich aus Unterforderung. Mehr als ein Viertel wähle das Lehramt nur "aus Verlegenheit", der Beruf sei für sie eine Notlösung. Rauin hat den Berufsweg mehrerer Hundert Studenten verfolgt, die an Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg begannen. Verlegenheitsstudenten hätten hedonistische und pragmatische Motive. Die Hedonisten würden sich ein leichtes Studium wünschen und "für später genug Zeit, um ihren Hobbys nachzugehen". Die Pragmatiker achteten auf einen sicheren Job. Pragmatisches Kalkül (wie der Wunsch, Familie und Beruf miteinander vereinbaren zu können) schließen pädagogisches Ethos und hohe professionelle Kompetenz aber nicht unbedingt aus.
Die Expertise des Max-Planck-Instituts verweist auf Untersuchungen, denen zufolge der Umgang mit Kindern und Jugendlichen, das fachliche Interesse und der gesellschaftliche Beitrag die Hauptmotive für das Ergreifen des Lehrerberufs sind. Auch die eigene neue Studie zeige: Lehramtsstudenten folgen vor allem einem beruflichen Interesse; sie zeigen dabei ein größeres "soziales Interesse" als andere Akademiker.
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Na, aber immer gerne.
DANKE für diesen Beitrag!
ein recht kurioser Beitrag!
Sie finden also, dass sich die Vorurteile Lehrern gegenüber doch zum größten Teil bewahrheiten und begründen dieses offensichtlich durch die Meinung einer Bekannten und die Erfahrung aus der Perspektive des Schülers (!!) an der eigenen Schule.
Das ist ja unglaublich objektiv. Ferner differenzieren sie (nur) drei Gruppen von Lehrern, um dann auf einen davon (den Hauptschullehrer) nicht einmal einzugehen. Dort scheint wohl kein Bekannter beschäftigt zu sein.
Wie kann man denn (gerade als Gymnasiast) so naiv sein, sich nur aufgrund der Aussage einer Bekannten ein Bild vom Beruf eines (in diesem Fall) Grundschullehrers zu machen.
Wenn sich die berufliche Situation ihrer Bekannten tatsächlich so darstellt, dass sie noch während der Unterrichtszeit dazu kommt, Arbeiten zu korrigieren, dann sollte man sich viell für diese einfach nur freuen. Denn so etwas ist doch nur recht selten der Fall, dass kann ich ihnen als Fachleiter versichern. Im übrigen beschreibt dieser Umstand nicht, dass SuS dadurch vernachlässigt werden! Aber einen Einzelfall dafür zu nutzen, um daraus verallgemeinernd über einen Berufsstand zu urteilen?
Des weiteren scheinen sie ja aufgrund ihrer reichhaltigen Berufserfahrung genau zu wissen, dass Gymnasiallehrer einen sehr harten Beruf haben können, dass vielen das Wohl ihrer SuS aber völlig egal ist. Woraus leiten sie dieses ab?
Auch der Einwand, dass viele von Pädagogik keine Ahnung haben, scheint mir ( evtl aufgrund eines G- oder L- Kurses Pädagogik) sehr fundiert!!!!
Und noch etwas zum Verständnis: Meistens verkriechen sich LuL nicht im Lehrerzimmer. Dieses ist u.a. auch ein Pausenraum. Auch Lehrer brauchen mal eine Pause!
Und wo liegt ihrer Meinung nach der besondere Reiz einer Privatschule? Ich kenne genausoviele Vor- wie Nachteile. Sie auch?
Vielleicht beenden sie erst einmal ihre Schullaufbahn, mit etwas Glück mit dem Abitur. Und dann, in ein paar Jahren, mit etwas mehr Erfahrung und Know-How, äußern sie sich noch einmal etwas dezidierter zu der Thematik.
Mit besten Grüßen!;-)
Ich besuche ein Gymnasium 13 Klasse und finde, dass sich die Vorurteile Lehrern gegenüber doch zum größten Teil bewahrheiten.
Zu erst einmal muss man aber differenzieren zwischen Grundschullehrer, Hauptschullehrer und Gymnsasiallehrer.
Ich habe mich letzens mit einer Bekannten unterhalten, noch sehr jung und gerade Grundschullehrerin geworden. Sie sagt, dass man als Grundschullehrer sehr wenig Arbeit hat und das alles doch sehr einfach und entspannt ist. Arbeiten könne sie sogar noch während des Unterrichts bewerten, dh. dass sie wirklich zu Hause frei hat. Außerdem sagt sie, dass der Beruf perfekt für Familie ist, viel Ferien und man ist finanziell gut abgesichert. Selbst einer meiner Lehrer lacht, wenn man Gymnasiallehrer mit Grundschullehrer vergleicht.
So, jetzt geht es zu den Gymnasiallehrern. Gymnasiallehrer kann ein sehr harter Beruf sein, wenn man sich die Probleme der Schüler zu Herzen nimmt und wirklich Lehrer aus Überzeugung ist. Und davon gibt es leider nicht mehr all zu viele. Dann gibt es die Lehrer, denen es egal ist, ob Schüler es schaffen, denen Schule eigentlich egal ist.
Von Pädagogik haben die meisten eh keine Ahnung, die Lehrer verkriechen sich im Lehrerzimmer in den Pausen, egal ob ein Schüler noch Fragen hat oder nicht.
Vorwerfen kann man es Leherern aber nicht, denn es gibt ja auch nicht wirklich Anreize Leistung zu vollbringen. Außnahme sind Privatschulen.
wawerka hat durchaus recht.
Ich halte immer mal wieder Schulungen zu technischen Themen. Meine Kunden bezahlen entweder relativ viel Geld für die Teilnahme an diesen Workshops oder es handelt sich um freiwillige Zusatzveranstaltungen an Hochschulen. Entsprechend motiviert sind die Teilnehmer.
Vor ein paar Jahren bekam ich das Angebot auch mal eine Veranstaltung an einem Gymnasium (Oberstufe) abzuhalten. Das muss man sich einfach mal reintun; es ist eine durchaus interessante Erfahrung: Schule ist ANDERS.
Statt vor einem Dutzend motivierter Teilnehmer, die alle für Ihren Einsatz (Geld oder Zeit) auch etwas haben wollen (Wissen) steht man vor knapp dreißig Figuren von denen sich ca. fünf bis sechs aktiv am Unterricht beteiligen, einem großen Mittelfeld das einfach nur konsumiert (da würde Schulfernsehen genauso reichen) und das letzte Drittel zeigt offensives Desinteresse.
Diese Mischung muss man erstmal aushalten.
Daher gilt mein Respekt Allen, die sich diesen Cocktail tagtäglich reinziehen.
"Hut ab" sagt der jazzbert.
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