Ein "kleiner Doktor" aus Bratislava

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Lange galt zum Beispiel die Slowakei als günstige Adresse für Doktoranden. Dort gibt es neben dem wissenschaftlichen Doktor ein weniger mühseliges "Berufsdoktorat", das nach internationalen Standards eher einem Master-Abschluss entspricht. Wer diesen "kleinen Doktor" allerdings vor 2007 etwa in Bratislava erworben hat, genießt in Bayern und Berlin nach wie vor Vertrauensschutz für den vollwertigen Namenszusatz "Dr.".

Davon profitiert beispielsweise auch ein bayerischer Bundestagsabgeordneter. Nach einem noch nicht rechtskräftigen Urteil des Landgerichts Düsseldorf von diesem Februar ist die Titelführung jedoch außerhalb der beiden verständnisvollen Bundesländer oder auch im Internet unzulässig (Az. 12 O 284/06).

Womöglich wird aber auch die deutsche Promotion überschätzt. Denn laut wiederholter Kritik des Wissenschaftsrates ist zumindest der deutsche "Dr. med.", also der Doktor der Medizin, oft auch nur ein Berufsdoktorat mit Studien, die eher "Diplomarbeiten in naturwissenschaftlichen Fächern entsprechen als den dort üblichen Dissertationen". Der Titel diene weniger der Wissenschaft als der beruflichen und gesellschaftlichen Anerkennung oder der Eitelkeit.

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(SZ vom 27.4.2009/bön)