Probezeit im neuen Job Schwierigkeiten verstärken sich eher

Konkret heißt das: Man sollte sich schon reinhängen und abends nicht als Erster nach Hause gehen. Aber man sollte auch nicht der Allerletzte sein, der abends Feierabend macht - oder am nächsten Morgen damit auftrumpft, dass man den ganzen Abend noch zu Hause gearbeitet hat.

Vor allem braucht man möglichst schnell ein Netzwerk. "Wer es wirklich gut machen will, der legt eine Kollegen- und Chefdatei an", sagt Christian Püttjer, Karriereberater in Bredenbek in Schleswig-Holstein. "Wichtig ist es, das System und seine Strukturen zu durchschauen. Von wem kriege ich Informationen? Wer trifft die Entscheidungen? Wer passt in mein Netzwerk? Bei welchen Kungeleien sollte ich mich lieber raushalten?" Diese Orientierung im neuen Team ergebe sich nicht von alleine, mahnt der Coach. "Das muss man sich erarbeiten." Ein solches Netzwerk helfe auch dabei, sich regelmäßig Feedback geben zu lassen und so Probleme früh zu erkennen.

Allerdings kann in der Probezeit nicht nur der Arbeitgeber kurzfristig kündigen - man selbst kann auch relativ kurzfristig die Sachen hinwerfen. Das komme gar nicht selten vor und könne manchmal sinnvoll sein, sagen die Experten. "Man muss sich klarmachen: Schwierigkeiten, die schon in der Probezeit auftreten, die werden sich im Laufe der Jahre noch massiv verstärken", sagt Wehrle.

Schon nach ein paar Monaten wieder auf der Straße zu stehen, macht sich aber nicht gut im Lebenslauf. Wenn es tatsächlich nur ein paar Wochen waren, kann man diese Episode noch geflissentlich verschweigen, sagt Püttjer. Aber wenn ein Arbeitsverhältnis erst nach sechs Monaten am Ende der Probezeit scheitert, wird das schwierig. "Wenn man selbst merkt, dass es mit der neuen Firma gar nicht klappt, sollte man deshalb überlegen, möglichst schnell wieder auszusteigen", rät er.

Aber auch das sollte überlegt sein. "Ganz wichtig ist dann, nicht einfach wutentbrannt alles hinzuschmeißen - das rächt sich immer. Man darf keine verbrannte Erde hinterlassen." Sonst ist der Ruf in der Branche schnell ruiniert. Hesse empfiehlt, in einer solchen Situation möglichst früh den Kontakt mit dem Vorgesetzten zu suchen. "Auch Arbeitgeber sind nicht alle aus Stein und reiben sich die Hände, wenn sie wieder jemanden in der Probezeit abgeschossen haben", sagt er.

Oft wisse auch der Chef, dass die Einarbeitung aus verschiedenen Gründen nicht gut gelaufen ist. Und manchmal könne man dann im gegenseitigen Einverständnis das Arbeitsverhältnis in einen Projektvertrag abändern, der plangemäß endet - ein wohlwollendes Arbeitszeugnis inklusive. Ansonsten rät Hesse, bei späteren Bewerbungen offen mit dem Thema umzugehen und zu signalisieren, dass man aus den Fehlern von damals gelernt hat. Da sei es wie in der Liebe. "Viele waren schon mal bis über beide Ohren verliebt - und nach dem dritten Rendezvous war es dann schon wieder aus."