Bayern und Niedersachsen halten derzeit als einzige Bundesländer noch an Studiengebühren fest - doch in München mobilisiert die Opposition wieder verstärkt dagegen. Doch ist, was nichts kostet, nichts wert? Oder offenbaren die Gebühren die Hohlheit des Geredes von der Bildungsrepublik? Unsere Autoren sind da unterschiedlicher Meinung.
Pro Studiengebühren
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Streik gegen Studiengebühren im Jahr 2009: Inzwischen hat sich die Frage der Gebühren in dem meisten Bundesländern wieder erübrigt. Ursprünglich führten sieben Bundesländer die Gebühren ein - inzwischen müssen Studenten nur noch in Bayern und Niedersachen fürs Studium zahlen. Und in Bayern gibt es deutliche Bestrebungen für ein Volksbegehren gegen die ungeliebten Gebühren. (© ddp)
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Im Sparen sind die Deutschen groß. Sie legen Geld zurück für den Urlaub, für ein neues Auto, für Smartphone oder Flachbild-TV. Und wer meint, etwas oder alles davon sofort zu brauchen, nimmt einen Kredit auf. Nur eines finden viele undenkbar: Sparen fürs Studium.
Während zum Beispiel viele amerikanischen Eltern schon bei der Geburt eines Kindes damit beginnen, für die Ausbildung des Sohnes oder der Tochter zu sparen, denken Mütter und Väter in Deutschland in der Kategorie finanzielles Opfer bei dieser Gelegenheit erst einmal an den Umzug in eine größere Wohnung.
Das mit dem Studium später, das soll im Falle des Falles der Staat richten, befinden sie. Schließlich zahlt der deutsche Mittelverdiener, anders als der Amerikaner, auch reichlich in des Staates Kasse ein. Das ist aber auch schon das einzige Argument, das ein Studium zum Nulltarif rechtfertigen könnte.
Alles andere spricht dafür, die universitäre Ausbildung mit einem Preisschild zu versehen. Um es kurz zu sagen: Studiengebühren sind sozial gerecht, dienen der Wertschätzung und sollten von denen ersehnt werden, die sich bessere Lehre und Arbeitsbedingungen an den Universitäten erhoffen.
Wohlgemerkt: Dies ist ein Plädoyer für Studiengebühren, nicht für eine Art Studiersteuer. Es geht um Gebühren, die von den Universitäten erhoben werden und ihnen direkt zugutekommen, also nicht in ständiger Gefahr sind, zum Stopfen von Haushaltslöchern abgegriffen zu werden.
Geld in frühe Bildung stecken
Im Einzelnen: Studiengebühren tragen zur sozialen Gerechtigkeit bei, weil von einem hoch subventionierten Studium nur ein kleiner Teil der Bevölkerung profitiert. Die Weichen dafür, ob es einer auf die Hochschule schafft, werden schon in den ersten Schuljahren, ja zuweilen bereits im Kindergarten gestellt.
Wenn der Staat für Chancengleichheit sorgen möchte, muss er das Geld in diesem frühen Stadium der Bildung einsetzen. Subventioniert er dagegen die Universitäten voll, kommt das überwiegend denjenigen zugute, die ohnehin bessere Startchancen hatten.
Die so großzügig geförderten Studenten werden dann als Hochschulabsolventen später auch noch diejenigen sein, die im Durchschnitt deutlich höhere Gehälter heimbringen als ihre nichtakademisch ausgebildeten Kollegen. Facharbeiter und Handwerker sorgen also mit ihren Steuern dafür, dass Uni-Abgänger sie in der Regel später in den Einkommenstabellen übertrumpfen.
Auch gilt das Argument nicht, dass kostenpflichtige Hochschulen jungen Erwachsenen aus weniger begüterten Familien versperrt bleiben. Jeder kann einen Studienkredit aufnehmen oder sich ein leistungsabhängiges Stipendium erarbeiten. Mehr als Urlaub oder Auto sollte einem die eigene Ausbildung bedeuten.
Was zum Thema Wertschätzung führt. Was nichts kostet, ist nichts wert - dieser zugegeben überstrapazierte Spruch enthält Wahrheiten. Wer Geld für den Besuch einer Hochschule zahlt, wird weniger geneigt sein, sein Studium zu vertrödeln oder mehrfach Fächer zu wechseln. Und er wird sich schneller melden, wenn die Qualität von Lehre und Ausbildungsstätten Wünsche offenlässt.
Wer zahlt, setzt sich in der Regel intensiver dafür ein, dass er eine gute Betreuung bekommt, dass die Öffnungszeiten von Bibliothek und Mensa stimmen. Kurz, er wird eher Verantwortung übernehmen. Er erwirbt sich ein Recht darauf, Ansprüche zu stellen, und die Professoren stehen stärker unter Druck, diese Ansprüche zu erfüllen.
Der Student ist Kunde, der Hochschullehrer Dienstleister. Wer gebührenfrei studiert, fühlt sich dagegen leicht in die Rolle des Almosenempfängers gedrängt, jenes Studierenden, der dankbar sein darf, wenn er im Seminarraum einen Platz auf dem Fußboden und einen Termin beim Dozenten bekommt.
Persönliche Reife, ja - doch nicht zum Nulltarif
Studiengebühren helfen außerdem dabei, jene Studenten ein wenig abzuschrecken, die nicht mit Blick auf einen Beruf studieren, sondern wegen des Unterhaltungswerts oder in Erwartung sonstiger psychosozialer Belohnungen. Dort, wo es kostenpflichtig wird, gibt es weniger Senioren, die aus reinem Interesse Scheine machen und dabei im schlimmsten Fall junge Menschen am Sammeln wichtiger Leistungsnachweise hindern.
Und es gibt weniger Kartei-Studenten, die sich nur wegen der Monatskarte immatrikulieren oder den Studentenstatus brauchen, um sich nicht eingestehen zu müssen, dass sie längst anderes aus ihrem Leben hätten machen sollen - eine Erkenntnis, die für alle Seiten umso vorteilhafter ist, je früher sie dem Betroffenen kommt.
Freilich, das Studium dient auch der Persönlichkeits- und Geistesbildung, und auch beim Ausprobieren verschiedener Fächer bildet sich die akademische Reife aus. Doch warum sollte es diese Reife zum Nulltarif geben?
Der Autofahrer trägt über Benzin- und Kfz-Steuer, in manchen Ländern über eine Maut dazu bei, dass das Straßennetz in Schuss gehalten wird. Ebenso sollte der Student über Gebühren dafür Sorge tragen, dass die akademischen Einrichtungen nicht nur instand gehalten werden, sondern im besten Fall aufblühen können.
Ideal ist es deshalb, wenn die Studiengebühren direkt an die Uni fließen, an der die Studierenden eingeschrieben sind. Denn dies setzt die Hochschulen unter Wettbewerbsdruck. Jede Institution wird sich bemühen, für Studenten besonders attraktiv zu werden, die besten Professoren anzuziehen, die angenehmste Lernumgebung zu schaffen. Und ist dies erreicht, zahlt sich das für alle aus.
(Alexandra Borchardt)
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Moderne Verwaltung
Wer etwas studiert was auch wirtschaftlich relevant ist, der wird, falls er die 1000 Euro pro Studienjahr tatsächlich selbst finanzieren muss, das mit links schon im ersten Berufsjahr zurückzahlen können. Ein odrentlicher Ingenieur steigt mit über 40.000 Euro ein, da ist das ja wohl noch drin. Der Autor beklagt, dass das für viele Geisteswissenschaftler nicht so ist. Ja warum studieren sie es dann? Es ist bekannt dass von den Kunsthistorikern nur jeder zehnte bis zwanzigste einen adäquaten Job bekommt. Müssen Facharbeiter, Meister,Ingenieure usw. über ihre Steuern Hobbies anderer finanzieren? Es ist grundfalsch Bildung grundsätzlich für förderungswürdig zu halten. Spass-und-Hobby-Bildung will ich mit meinen Steuern nicht fördern. Die ist Privatsache. Die wird uns auch im wirtschaftlichen Wettbewerb beispielsweise mit den Chinesen nicht die Bohne nützen. Wer nichts anderes studieren kann als das was man nicht braucht, der soll eben nicht studieren und lieber eine Lehre machen. Intelligente Handwerker und Gastronomen sind gesucht.
Ob Studiengebühren gut oder schlecht sind ist ansichtssache.. auch einzellne Agumente mögen ansichtssache sein.
Was eindeutig nicht stimmt ist das Argument dass "Jeder einen Kredit zur Finanzierung der Studiengebühren bekommt"
Richtig ist, dass es einen Bonitätsunabhängigen Kredit gibt (z.B. in Bayern). Allerdings bekommt den nicht jeder. Personen über 40 , sowie nicht EU Bürger die nicht ihr Abitur in DE/EU gemacht haben bekommen nicht den Kredit dem Bayern dafür vorsieht. Und ein 42 jähriger ist auch ein Jeder
Was dazu kommt , das ist allerdings durchaus Ansichtssache:
Es ist verantwortungslos einen Kredit ungeprüft an bestimmten Personengruppen zu vergeben, nämlich die Personengruppen die durch eigene Schuld oder einfach nur dummen Umständen (z.B. fehlgeschlagene Selbsständigkeit) schon zahlungsunfähig sind.
Dieser schöne Kredit den es zwar Bonitätsunabhängig gibt, aber dafür an Alter gebunden ist, ist kein Kredit für jedermann.
Der Leistungs und Wettbewerbsdruck der Hochschulen dürfe wohl kaum bemerkbar sein wenn alle staatlichen Hochschulen 500 Euro verlangen. Damit sowas funktioniert müssen Hochschulen die Summe selbst festlegen können.. so wie die privaten Hochschulen.. damit man wirklich was ausrichten kann sind 500 Euro immer noch zu wenig...
Sozial gerecht?Auch ein Gymnasium kommt nur einem kleinen Teil der Schüler zu Gute, und ist hochsubventioniert, kostet aber keine Gebühren.
Die Bildung ist das höchste Gut. Das darf nichts kosten. Damit baut man unnötige Hürden..
Auch die Qualität lässt sich mit Gebühren nicht verändern. Entscheidend ist die finanzielleAusstattung der Hochschule, nicht die Art u. Weise der Finanzierung.
Im Übrigen, derjenige der selbst nicht von der kostenlosen Hochschulbildung profitiert, hat vielleicht einmal Kinder die davon profitieren.
Im Übrigen profitiere ich auch nicht von der kostenlosen Straßennutzung in Bayern, weil ich nicht dort lebe und nur selten dorthin reise. Bezahlen muss ich sie über Steuergelder trotzdem... Gerecht oder nicht?
Auch wenn Studenten für ihr Studium bezahlen, haben sie noch lange nicht die Möglichkeit Missstände abzustellen, ihre brechtigte Kritik läuft meistens ins Leere.
Studiengebühren können nur begrenzt zur Verbesserung der Situation beitragen wenn die Grundausstattung (zu wenig Räume, Mensa) unzureichend ist.
Die Betreuung an einer Uni ohne Studiengebühren fand ich deutlich besser als an der TU München mit.
Studiengebühren schrecken nicht nur 'Bummelstudenten' ab, sondern auch solche die nur Teilzeit studieren könnten, weil sie sich bereits um ihre hilfsbedürftigen Eltern kümmern müssen.
Die versprochenen neuen Stipendien wurden nur zu einem geringen Teil eingerichtet.
Es geht nicht um persönliche Wertschätzung...
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