Hohe Leidensfähigkeit
Anzeige
Besonders prekär scheint laut Studie die Situation der Frauen zu sein: 43 Prozent haben aufgrund der unsicheren beruflichen Situation die Erfüllung ihres Kinderwunsches aufgeschoben. "Kein Wunder", sagt Barbara Ludwig, "wer nicht weiß, ob er in einem Jahr noch Geld verdienen wird, überlegt sich dreimal, ob er eine Familie gründen kann."
Trotz ihrer unsicheren finanziellen Situation und der schlechten Zukunftsaussichten sind die Promovierenden erstaunlich motiviert: Fast drei Viertel der wissenschaftlichen Mitarbeiter würde wieder einen Arbeitsplatz an der Hochschule wählen. Grund für diese Leidensfähigkeit ist die hohe Identifikation mit den Inhalten der wissenschaftlichen Arbeit. Wer promoviert, dem liegt in erster Linie daran, sich intensiv mit den Inhalten seines Faches auseinanderzusetzen. Eine Karriere an der Hochschule steht für viele Befragte erst an zweiter Stelle.
Dennoch strafen für die Gewerkschaft Verdi die Studienergebnisse die hehren Worte der Bildungspolitiker vom "Wissenschaftsstandort Deutschland" Lügen. "Der wissenschaftliche Nachwuchs wird alleingelassen", resümiert Hans-Jürgen Sattler, bei Verdi verantwortlich für den Fachbereich Bildung, Wissenschaft und Forschung.
Ein Leben außerhalb der Uni
Er fordert, dass befristete Stellen an Hochschulen die Ausnahme werden sollen. Um einen Anreiz für die Universitäten zu schaffen, in unbefristete Stellen zu investieren, schlägt Verdi die Einrichtung eines Risikofonds vor: Jeder befristet Angestellte soll demnach einen Risikozuschlag auf sein Gehalt bekommen. Diesen Zuschlag bekommt er jedoch nicht ausbezahlt, stattdessen legt die Universität ihn in einen Fonds an. Läuft der befristete Vertrag aus, erhält der Wissenschaftler das angelegte Kapital als Übergangsgeld. Erhält er aber doch eine feste Stelle an der Hochschule, verbleibt das Geld im Fonds. "So wird es auch für die Universitäten attraktiv, unbefristete Stellen zu schaffen", erklärt Sattler.
Darüber hinaus plädiert Verdi für die Einrichtung sogenannter Career Center, in denen der wissenschaftliche Nachwuchs auf ein Leben außerhalb der Hochschulen vorbereitet werden soll. "Wer sich mit Mitte 30 plötzlich das erste Mal auf dem Arbeitsmarkt umsehen muss, ist häufig überfordert", sagt Sattler. Die Angebote in den Career Centern sollten deshalb vom Assessment-Center-Training bis hin zu Gründungshilfen reichen.
Barbara Ludwig hält das für eine gute Idee. Viele ihrer Kollegen lassen sich tatsächlich völlig von der Uni vereinnahmen. "Wer an meinem Lehrstuhl erzählt, er lese gerade einen Roman, wird schon schräg angeschaut", erzählt sie. "'Wie, dafür hast du Muße?', heißt es dann? Es gibt nur den Mikrokosmos Uni. Da hat niemand Zeit, sich mit dem wahren Leben zu beschäftigen."
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Deutsche Hochschulen Hallo, ist hier irgendwo ein Professor? 21.08.2007
- Wissenschaftliche Plagiate Wenn Professoren kopieren 23.07.2007
- Prof auf dem Prüfstand Von faulen und fleißigen Professoren 05.03.2007
- Elite-Unis Akademischer Besuchszirkus 15.11.2008
- Laptops in der Vorlesung Klappe zu, Student allein 20.05.2010
- Bologna-Konferenz Randale während der "Schavan-Show" 17.05.2010
- Schulmanagement Ein Assessment-Center für Schulleiter 17.05.2010
(sueddeutsche.de/mri)
Doktoranden sind die modernen rechtlosen Sklaven.
die passenden Studenten klonen lassen.
(Ist aber trotzdem keine Arbeit da.)
@Wht:
Ein Glück dass unsere Kultur nicht nur aus BWL'ern, VWL'ern, Ingenieuren und Naturwissenschaftlerner (zu denen ich als Physiker selber gehöre) besteht. Ich frag mich, wie man mit einer solchen Einstellung wie Sie durchs Leben rennen kann. Herzlich willkommen in der kulturellen Einöde.
Im übrigen denk ich, dass das Geld in erster Linie ohne diejenigen Arbeitskräfte an der Werkbank oder am Fließband nicht da wäre. BWL'er und VWL'er sind nix weiter als ein Glied in der Kette der Wertschöpfung, auch wenn man sich in diesen Kreisen wohl gern als sakrosankt betrachtet.
Promoviert man im "richtigen" Fach, kann ein Doktortitel zu stark erhoehten Berufschancen und einem ueberdurchschnittlichen Einkommen fuehren. In anderen Faechern eben nicht. Nur muss man sich anschauen, wer so endet wie im Artikel beschrieben und wer Karriere macht. Wenn ich etwas studiere auf Diplom/Master/Staatsexamen/Magister, in dem Absolventen eh gesucht sind und anstaendig verdienen, dann wird sich der Dr. auf die Karriere und das Einkommen i.d.R. auch positiv auswirken. Studiere ich aber etwas, wo ich schon mit meinem Diplom/Master/Staatsexamen/Magister schlechte Chancen habe, wird sich diese Situation durch eine Promotion nicht so grossartig aendern.
An einem Beispiel: Der Diplom-Wirtschaftsingenieur hat nach seinem guten Abschluss beste Chancen auf einen hervorragenden Job; promoviert er, werden die Chancen wohl noch steigen - zuallermindest hat er aber nach wie vor eben jene guten Chancen, die er auch ohne den Dr. vorm Namen "nur" als Diplom-Wirtschaftsingenieur hatte. Der Magister in Medienwissenschaften, altjapanischer Dichtung und vorderasiatischer Kunstgeschichte (mal ueberspitzt dargestellt...) hat nach seinem ersten Abschluss recht miese Chancen auf eine grosse Karriere - und da aendert sich halt auch nix dran, nur weil er den - volkswirtschaftlich gesehen - ueberfluessigen Schmarrn auch noch in einer Promotion fortsetzt...
Es gibt sicher in beiden Gruppen Ausnahmen, dass will ich nicht bestreiten. Aber man sollte schonmal ueberlegen, dass ein enger Zusammenhang besteht zwischen der Wahl des Studiengangs/Forschungsbereichs und der Wahrscheinlichkeit, zur "Unterschicht mit Doktortitel" zu gehoeren. Und bei dieser Entscheidung, was man studieren/forschen will ist jeder fuer sich selbst verantwortlich und soll sich hernach nicht beschweren! Ist ja nicht so, dass die Dame aus dem Artikel deswegen sich einer unbefriedigenden Joblage gegenueber sieht, weil sie an einer deutschen Uni promoviert - sondern doch wohl, weil sie sich aus freien Stuecken fuer ein Magisterstudium der Romanistik entschieden hat. Damit saehe ihre berufliche Lage auf dem Jobmarkt ausserhalb der Uni wahrscheinlich noch mieser aus!
Zu welchen schöpferischen Höhenflügen diese profunde Debatte hier doch anregt.
Jetzt mutieren schon die Romanisten zu "Romanistikern".
Paging