Immer weniger Deutsche haben einen Vollzeitjob. Befristete Verträge, Zeitarbeit und Minijobs prägen den Berufseinstieg der Jugend - das sollte alarmieren.
Das Statistische Bundesamt steht nicht im Ruf, mit Zahlen zu jonglieren. Es steht auch nicht im Verdacht, interessengetriebene Ergebnisse zu präsentieren. Im Gegenteil: Die Behörde wertet - mit Staatsauftrag - brav alle Daten und Quellen aus, die ihr zur Verfügung stehen. Beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) könnte man da schon anderes unterstellen, weil er der Lobbyist der Arbeitnehmer ist.
Minijob im Callcenter: Damit kann kein junger Mensch seine Familie ernähren. (© Foto: dpa)
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Nun bestätigt aber die trockene Statistik aus Wiesbaden die Ergebnisse einer Jugend-Studie des DGB: Überdurchschnittlich viele junge Menschen haben keine normale Vollzeitstelle mehr. Befristete Arbeitsverträge, Teilzeitarbeit, Zeitarbeit und Minijobs prägen in Deutschland den Berufseinstieg der Jugend. Das ist die Realität - und die sollte alarmieren.
Schwierige Lebens-, Familien- und Berufsplanung
Natürlich können Teilzeitarbeit oder Minijobs auch absichtlich gewählt sein, weil sich damit persönliche Interessen besser kombinieren lassen. Doch Teilzeitarbeit und Minijobs wie auch andere nicht typische Arbeitsverhältnisse muss man sich leisten können. Eine Familie ernähren kann ein junger Mensch als Alleinverdiener damit kaum.
Den Arbeitsmarkt mögen manche Reformen flexibler gemacht haben, stabile Beschäftigungsverhältnisse sind dadurch nicht entstanden. Flexibilität heißt für die Firmen, Mitarbeiter schneller als früher loszuwerden. Die so verstandene Anpassungsfähigkeit erschwert den Arbeitnehmern aber die Lebens-, Familien- und Berufsplanung. Eine Gesellschaft, die ihren potentiellen Leistungsträgern die Entwicklungschancen verwehrt, hat es deshalb nicht anders verdient, als dass diese ins Ausland abwandern. Der Fachkräftemangel sollte als Indiz dafür ernst genommen werden.
- Arbeitsmarkt Mehr Jobs, weniger Sicherheit 10.09.2008
- Einkommen Putzen, kellnern und verkaufen 14.12.2007
- Mehrfach-Jobber Eine Stelle reicht nicht zum Leben 08.12.2006
- Zeitarbeit Umstrittener Klebeeffekt 06.06.2008
- Zeitarbeit Gelobt, geschätzt und abserviert 27.02.2007
(SZ vom 10.9.2008)
Unnütze Hygienemaßnahmen
werden von der Politik auch noch eiskalt verhöhnt, indem man ihnen nicht nur jegliche Lebensperspektive vorenthält, sondern auch noch gleichzeitig von ihnen fordert, sie sollen gefälligst selber für ihr Alter vorsorgen, mehr Kinder in die Welt setzen, mobil und flexibel sein...............
Man kann wohl getrost ausschließen, daß irgendjemand freiwillig Minijobs macht - für 4-6 pro Stunde.
Mit der "Modernisierung" des Arbeitsmarktes haben Schröder, Steinmeier, Clement und Müntefering (mit den Grünen - wer hätte das vorher gedacht?) die Schleusen für prekäre Arbeitsverhältnisse geöffnet und damit die marktradikalen Albträume von FDP und Union erfüllt.
Konsequenzen u.a.:
- unplanbare Karrieren verhindern Familiengründungen und Geburten (bei 1,34 Kindern pro Elternpaar fehlt pro Generation ein Drittel!)
- ständig sinkende Lebensqualität
- ständig sinkende Akzeptanz von Marktwirtschaft und Demokratie
- usw.
Union, SPD, Grüne und FDP vernichten in einem schleichenden Prozess unsere Gesellschaft. Die Linkspartei ist auch nicht besser, wenn sie mitregiert - siehe ihre Sozialkürzungen in der Wowereit-Koalition.
Nur noch 75% aller Beschäftigten gehen einer sozialversicherungspflichtigen, unbefristeten Vollzeitarbeit nach. Anderswo war auch zu lesen, dass sich in der Zeit der Studien die Anzahl der verrichteten Arbeitsstunden nicht verändert hat. Das wäre dann aber doch ein Signal, das "normale" Arbeitsverhältnisse durch "moderne" Arbeitsverhältnisse ausgetauscht wurden. Die Arbeit ist einfach nur auf mehr Schultern und über verschiedene Arbeitsverhältnisse verteilt worden. Allerdings hat sie auch nicht abgenommen, was in Zeiten der Globalisierung wohl schon als Teilerfolg gewertet werden kann.
Der Politik scheinen einfach die Ideen zu fehlen, wie der breite Wohlstand unserer Gesellschaft erhalten werden kann. Heute sind es in einer Studie eben 25% "irregulär" Beschäftigte, woanders 26% der Bevölkerung die unterhalb oder knapp oberhalb der Armutsgrenze liegen (aber auch nur weil ein sehr niedrige EU-Schwellenwert genommen wurde), in einer anderen Studien lesen wir, dass sich mittem im Aufschwung (!!) die Sozialkosten um 3.9% erhöht haben, etc.