Plagiatsaffäre Guttenberg setzt sein Blendwerk fort

Anfangs hat Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg alle Vorwürfe zu seiner Doktorarbeit als "abstrus" beiseite gewischt - inzwischen scheint bewiesen, dass er mit Vorsatz abschrieb. Nun kommen die Anwälte ins Spiel.

Ein Kommentar von Tanjev Schultz

Die Collage aus Plagiaten, die Karl-Theodor zu Guttenberg als Doktorarbeit verkauft hat, war schon unverfroren genug. Kaum weniger dreist ist, wie er in der Affäre mit der Öffentlichkeit umgeht. Anfangs hat er alle Vorwürfe als "abstrus" beiseite gewischt. Später hat er dann "handwerkliche Fehler" eingeräumt und sich entschuldigt. Zu dem Zeitpunkt war seine Abschreiberitis längst dokumentiert und nicht mehr zu leugnen.

Jetzt versucht er offenbar zu verhindern, dass die Universität Bayreuth offiziell festhält, was ohnehin alle sagen, die sich mit Plagiaten auskennen: Guttenberg hat keinen Fehler gemacht, der aus Versehen passiert ist.

Es war weit mehr als nur Schlampigkeit. Es war bewusste Täuschung. Wer so viele Passagen aus anderen Arbeiten kopiert und sie auch noch geschickt abwandelt, muss planmäßig gehandelt haben - so haben die Gerichte in ähnlichen Fällen immer wieder geurteilt.

Es ist natürlich Guttenbergs Recht, sich nicht selbst zu belasten und der Öffentlichkeit weiter die Geschichte des Familienvaters aufzutischen, der in "mühevollster Kleinarbeit" seine Dissertation schrieb und dabei mit den Texten nur ein bisschen durcheinander gekommen ist.

Glaubwürdig ist es nicht. Guttenberg setzt sein Blendwerk fort. Guttenberg hat stets seinen besonders hohen moralischen Anspruch betont. Eingelöst hat er ihn nicht. Noch in seiner Rücktrittserklärung hat er behauptet, es sei sein "aufrichtiges Anliegen", zur Aufklärung des Falls beizutragen. Und nun soll die Universität Bayreuth nicht einmal ihr Gutachten veröffentlichen dürfen?

Aufklärung sieht anders aus.