"Ich habe doch keine Zeit!", lautet die häufigste Klage im Büro. Dabei haben wir alle viel mehr Zeit, als wir behaupten - und sind deshalb gar nicht so gestresst.
Treffen wir Verabredungen, sprechen wir von "Zeitfenstern", die wir vielleicht in zwei Wochen wieder frei hätten. Bittet der Chef um den Einsatz für ein Sonderprojekt, stöhnen wir über den zusätzlichen Stress. Und kündigt sich ein guter Freund übers Wochenende an, heißt es: "Sorry, keine Zeit."
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Stress und Zeitnot im Büro: Nur wer immer viel zu tun hat, wird von seiner Umgebung ernst genommen. (© Foto: iStock)
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Aktuelle Studien scheinen zu belegen, dass die Deutschen unter Zeitnot leiden: Laut einer Untersuchung der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung beklagt jeder zweite Beschäftige, er habe generell zu wenig Zeit. Nur knapp 20 Prozent der Befragten haben demnach genügend davon. Und der verbleibende Rest war vermutlich zu beschäftigt, um überhaupt zu antworten.
Auch das Überangebot an Seminaren mit Titeln wie "Zeit - aufmerksam im Hier und Jetzt", Medienberichte über gestresste Manager, die in Burn-out-Therapien wieder zu sich selbst finden wollen, oder die unzähligen Ratgeber zum Thema Zeitmanagement haben den Tenor: Wir arbeiten zu viel, nehmen uns keine Zeit mehr für das Wesentliche und stehen deshalb enorm unter Stress.
Zeit lässt sich nicht managen
Dabei sind sich Experten, die sich wissenschaftlich mit dem Thema Zeit auseinandersetzen, längst darüber einig, dass sich Zeit nicht managen lässt: Sie ist kein Gegenstand, den man verändern kann, sie lässt sich weder durch minutiöse Zeitpläne oder in Leder gebundene Timer beherrschen. Der renommierte Zeitforscher Karlheinz Geißler glaubt gar, dass sich durch den Verzicht auf Zeitmanagement eine Menge Zeit einsparen ließe. Und eine bewusste "Entschleunigung" hält er als Strategie für schlicht nicht realisierbar.
Doch vielleicht ist eine solche Entschleunigung auch gar nicht nötig. Das legen zumindest Forschungsergebnisse der Soziologin Nadine Schöneck nahe. Die Zeitforscherin hat an der Fernuniversität Hagen zum Thema Zeitempfinden von Erwerbstätigen promoviert und kratzt in ihrer Doktorarbeit am Mythos Zeitstress. Denn ihr wichtigstes Ergebnis lautet: So gestresst, wie die meisten Berufstätigen vorgeben zu sein, sind sie gar nicht.
Ein wertvolles Statussymbol
Gaben die Befragten in der schriftlichen Befragung mit geschlossenen Fragen noch an, ständig unter Strom zu stehen und unter Zeitnot zu leiden, stellten sie ihre Situation in einem persönlichen Intensivinterview plötzlich ganz anders dar. "Die Zeitnot war dann kein großes Thema mehr", sagt Schöneck. "Gerieten die Menschen ins erzählen, stellte sich heraus, dass der Stress bei den meisten Befragten bei Weitem nicht so groß ist wie zuvor angegeben."
Dabei ist dieser Gegensatz den Betroffenen nicht klar, glaubt die Soziologin. "Es geht meistens nicht um eine bewusste Lüge. Diese Menschen haben tatsächlich das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben."
Für das Phänomen macht Schöneck vor allem einen Grund aus: "Zeitknappheit ist ein immaterielles Statussymbol. Sie signalisiert, wichtig und bedeutend zu sein." Wer keine Zeit habe, zeige, dass er geschätzt werde und kostbar sei. Wer dagegen immer erreichbar und immer verfügbar sei, der mache sich in unserer Gesellschaft automatisch verdächtig.
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Den Nagel auf den Kopf getroffen! Genau das ist auch meine Beobachtung. Die reine Menge an Arbeit ist wahrscheinlich gar nicht gestiegen, jedoch wird die Belastung durch beschleunigten Informationsfluß und Kleinteiligkeit langsam, aber sicher grenzwertig.
Glücklich kann sein, wer 'das eine' Projekt hat. In der Praxis sind es aber unendlich viele Projekte und dann auch noch sehr heterogene Aufgaben, die heutzutage von einem Wissensarbeiter zu erfüllen sind.
Und ich kann "Tilimaus" nur zustimmen.
Zudem:
Natürlich kann man Zeit nicht managen - wohl aber Vereinbarungen. Vereinbarungen mit anderen Menschen und mit sich selbst wann ich was tue - oder auch lasse. Das ist dann Selbstmanagement und Arbeitsorganisation, ein sehr guter Ansatz ist GTD von David Allen.
"Sie empfinden die Aspekte bei weitem nicht so dramatisch wie in den Medien dargestellt." wird Frau Schöneck zitiert.
Bei meinen Coachings zur Verbesserung ihrer Arbeitsorganisation mit Menschen an ihrem Schreibtisch erlebe ich eine andere Realität: immer mehr und komplexere Arbeit, hohe Anforderungen an die Flexibilität und maximal sehr kurzfristige Planungshorizonte. Die richtigen Aufgaben auszuwählen, zu erkennen zu welchem Prozentsatz sie wirklich erfüllt werden müssen (sehr häufig eben nicht zu 100 Prozent) und welche man "aussitzen" kann und sollte wird zur zentralen Qualifikation um dem Arbeitsanfall überhaupt noch gerecht zu werden.
Zudem frage ich mich, wie es bei diesen Erkenntnissen von Frau Schöneck sein kann, dass sie auf Ihrer Website ausgerechnet ein - Zeitmanagement-Seminar anbietet!
Zum einen stimme ich 'Coffeeshop' zu: Dieser Artikel ist grundsätzlich eine Frechheit.
Zum anderen: Wo "moderne" Manager und Controller regieren, muß man auf die Frage "Was machen Sie eigentlich den ganzen Tag?" stets eine passende Antwort parat haben oder es gar nicht erst zu dieser Frage kommen lassen. Gerade im Bereich hochqualifizierter Arbeit sind komplexe Arbeitsinhalte bzw. Aufwände zur Erreichung bestimmter Arbeitsergebnisse den vielen fachlich nicht kompetenten Führungskräften und schon gar nicht irgendwelchen Controller-Erbsenzählern vermittelbar. Also besser die Schutzschilde hochfahren - zu Gunsten der Produktivität und zum Wohl der Firma.
die psychischen Erkrankungen durch Arbeit in den letzten Jahren exorbitant an,..... Weil der Schaffer so faul ist und dazu zu bekloppt, seine Zeit einzuteilen.... Der Anstieg der geleisteten Arbeitsstunden ist in Deutschland im europäischen Vergleich ja auch absolute Spitze, während Kinderbetreung unterirdisch organisiert wird. Dieser Artikel ist eine bodenlose Frechheit.
Typisch deutsch? In wie vielen Büros in anderen Ländern haben Sie denn schon Erfahrungen gesammelt?
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