Wie viel Praxistraining braucht ein angehender Pädagoge? Professoren halten oft nicht viel von Pädagogik, aber Fachwissen allein macht noch keinen Lehrer.
Mehr Praxis. Praxis, Praxis und noch mal Praxis. Das ist das Mantra in Diskussionen über Reformen des Lehramtsstudiums, eine gefühlte Ewigkeit ist das schon so. Lehrer würden zu theoretisch, zu fachlich, zu wenig pädagogisch ausgebildet, heißt es immer wieder. Aber was folgt aus dieser Klage? Sollen angehende Chemielehrer weniger über die Elemente der Natur lernen und dafür mehr über die kindliche Psyche? Sollen die Studenten, statt im Seminar zu sitzen, lieber Praktikum an Praktikum reihen oder direkt nach dem Abi wieder an die Schule gehen?
Der Ratlosigkeit vorbeugen: Manche Professoren vermitteln auch Praxishilfen bei der Lehrerausbildung. (© Foto: iStockphoto)
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Für Maria Fölling-Albers, Grundschulpädagogin an der Universität Regensburg, ist der Praxisbezug des Studiums zwar sehr wichtig. Ja, sie zählt zu den Professoren, die schon seit Jahren viel dafür tun, dass die Studenten so früh wie möglich eine Ahnung davon bekommen, was sie in ihrem Beruf erwartet. Aber die Professorin betont auch, Lehrer müssten vertraut damit sein, wie man wissenschaftlich arbeitet.
Fölling-Albers saß schon in vielen Kommissionen und Gutachtergruppen zur Reform der Lehrerbildung. Sie weiß, dass Pädagogik und Didaktik für manche nur ein läppisches und lästiges Beiwerk der Lehrerausbildung sind. Der Professor hat nicht den künftigen Lehrer vor Augen, sondern den Chemiker, den Physiker, den Germanisten. Fölling-Albers versteht allerdings auch nicht den Hang vieler Studenten, Eltern und Politiker, alles für unnütz zu erklären, was irgendwie mit Theorie und Forschung zusammenhängt. Gerade bei Grund- und Hauptschullehrern heißt es leider oft: Das brauchen die doch alles gar nicht!
In den eigenen Seminaren versucht Fölling-Albers den Studenten beides zu geben, einen Sinn für Theorie, aber auch Hilfen für die Praxis. Wer nur kurz hineinschneit in den Regensburger Uni-Raum PT 2.0.10, erwischt vielleicht gerade einen Augenblick, in dem die Professorin "morphematische" und "phonematische" Prinzipien erklärt (es geht darum, wie der Mensch die Schriftsprache erlernt) und allerlei andere Wortakrobatik aus der Sprachwissenschaft aufführt. Die Studentinnen lernen hier, wie sie den Entwicklungsstand von Kindern beurteilen, wenn sie ihnen lesen und schreiben beibringen. Jedes Kind kommt mit anderen Voraussetzungen in den Unterricht, Lehrer sollen es individuell fördern, wie es so schön heißt. Das ist aber gar nicht leicht, die Lehrer müssen die richtige Diagnose stellen und die passende Förderung anbieten.
In dem Seminar besprechen die Studentinnen nicht nur, welche Übungen für welche Kinder geeignet sind. Für wen ist das Wort "Krokodil" noch zu schwer, weil es mit zwei Konsonanten beginnt? Welches Kind kann Laute und Buchstaben schon richtig verbinden? Die Teilnehmerinnen probieren es aus: Jede Studentin hat während des Semesters ein "Begleitkind", mit dem sie sich außerhalb der Uni trifft.
Unter der Anleitung der angehenden Lehrerinnen reimen die Schul- und Vorschulkinder, sie klatschen Silben und ordnen Laute. Im Seminar folgen Auswertungen, Erfahrungen werden ausgetauscht - eine Teambesprechung, wie sie später auch in den Lehrerzimmern wünschenswert wäre.
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65. Filmfestspiele Cannes
Auszug aus:
Presseinformation des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und
Kunst. - Wiesbaden, 19. Juni 2007. Nr. 98
Beispielhaftes Innovationspotenzial an den hessischen Hochschulen -
Minister Corts gibt die Träger des Preises Exzellenz in der Lehre
bekannt.
[...]
Den zweiten Preis (60.000 Euro) erhalten Prof. Dr. Friederike Heinzel und die Diplom pädagogin Susanne Pietsch für ihr Projekt K Kinder begleiten und verstehen lernen am Fachbereich Erziehungswissenschaft, Humanwissenschaften der Universität Kassel, ein sehr ernsthaft entwickelter Kontakt mit Kindern, der die pädagogische Ausbildung intensiv mit der Praxis rückkoppelt.
Der Versuch, die Lehrer stärker praxisbezogen auszubilden, ist nicht neu. Reformhochschulen wie Oldenburg oder die damalige Gesamthochschule Kassel kannten große Studienanteile in Pädagogik und Didaktik. In Kassel studierte man neben seinen zwei Fächern - mit erheblichen Didaktikanteilen - das sogenannte erziehungs- und gesellschaftswissenschaftliche Kernstudium und absolvierte zwei längere Schulpraktika. Damals war dies konservativen Verbänden und Parteien eher suspekt. In die Krise geriet das Modell in der Zeit der Lehrerarbeitslosigkeit. Angesichts eines leergefgten Lehrerarbeitsmarktes mag man kaum glauben, dass es einmal rund 40.000 arbeitslose Pädagogen gab. Bei sinkender Einstellungsperspektive geriet ein enger Praxisbezug in die Krise und veränderte auch das Studierverhalten. In dieser Situation waren Doppelqualifikationen gefragt, die Beschäftigungsmöglichkeiten auch außerhalb des Schuldienstes eröffneten. Beim Umbau der Studiengänge sollte man dies vorab bedenken.