Böses Erwachen
Anzeige
Studenten hadern dennoch mit den Anforderungen der Latinum-Kurse an den Universitäten. Sie kritisieren vor allem die fehlende praktische Anwendung im Studium. Problematisch ist aber auch der Zeitaufwand. "Das ist fast schon ein Vollstudium, wenn man in nur drei Semestern das gesamte Latinum nachholen muss", sagt Oberstudienrat Walfried Schubert aus Mönchengladbach. Er war 14 Jahre lang Dozent für Latinum-Kurse an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. "Fast jeder Zweite scheitert", sagt er. "Das ist eine sehr große Hürde, die da zu nehmen ist."
Dennoch gibt es dem Altphilologenverband zufolge durchaus gute Gründe für das Latinum. "Es bietet eine wichtige sprachliche Allgemeinbildung, ist zudem ein Schlüsselfach der europäischen Tradition und Grundlage kultureller Identitätsbildung", sagt Professor Kipf. Viele schieben die unangenehmen Sprachkurse im Studium trotzdem gerne auf und erleben dann ein böses Erwachen. "Es gibt auch Fälle, bei denen dadurch das Studium abgebrochen werden muss", so Schubert.
Privatleben wird abgestellt
Eine Alternative bieten sogenannte Crash-Kurse in den Ferien. Für 500 bis 1500 Euro können Studenten mehrwöchige Intensivkurse bei privaten Anbietern in den Ferien absolvieren - und so zum Latinum gelangen. Täglich wird etwa in der Academica Linguae Sprachschule in Frankfurt am Main in Gruppen acht Stunden lang Latein gepaukt - auch samstags. "Das erfordert von den Kursteilnehmern eine sehr hohe Motivation. Das Privatleben muss in dieser Zeit quasi abgestellt werden", sagt Schulleiterin Claudia Sentürk.
Der Altphilologenverband steht diesen Angeboten jedoch skeptisch gegenüber. "Ferienkurse sind oft reines Mittel zum Zweck, sagt Kipf. Zwar können Studenten in kurzer Zeit ihre Latinum-Verpflichtungen erfüllen, doch bald darauf sei alles wieder vergessen. "Die Sprache selbst fällt da völlig hinten runter", kritisiert der Professor. Problematisch sei zudem, dass solche Kurse nicht zertifiziert sind. "Die Qualität ist erstens nicht überall gleich, und zweitens ist nicht sicher, ob der bestandene Kurs auch von der Universität anerkannt wird."
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Latein versus Informatik Humboldts Vermächtnis 02.07.2007
- Sprachunterricht Latein ist trendy 04.09.2007
- Auslandsaufenthalt Sprachkenntnisse allein reichen nicht 27.08.2008
- Uni-Test Germanisten scheitern an Grammatik 18.04.2007
- Laptops in der Vorlesung Klappe zu, Student allein 20.05.2010
- Bologna-Konferenz Randale während der "Schavan-Show" 17.05.2010
- Schulmanagement Ein Assessment-Center für Schulleiter 17.05.2010
(dpa/Andreas Thieme/bön)
DFB-Pleite gegen die Schweiz
Ich habe sie noch im Ohr, die Klagen, wie wenige junge Menschen in Deutschland nach
ihren Schulabschluss mit ihrer doch wohl hierzulande sehr lebendigen Deutschen Sprache
umgehen können.
Ist man sich wenigstens sicher, dass die neu immatrikulierten Studenten richtig deutsch
lesen und schreiben können.
Oder ist nur diese tote Sprache von Interesse.
Vielleicht ist es noch schlimmer und man möchte damit ganz einfach die Zahl der Studenten
in Grenzen halten.
warum sollte es ein Märchen sein, dass Latein logisches Denken fördert?
Bei mir stimmt es jedenfalls. Bin Informatiker(in).
Und bei einigen anderen ebenso.
Gut, wenn man schlecht war in Latein, dann stimmt es vielleicht nicht. Aber sonst...
Das kommt davon, wenn man, wie in Deutschland, das Schulsystem über JAhrzehne hinweg aufweicht. Wenn man den Teenagern am Gymnasium nicht die mit 14 oder 15 Jahren die Wahl ließe, statt Latein so einen Unsinn wie Französisch, Spanisch oder was weiß ich was zu lernen, gäbe es diese Probleme überhaupt nicht. Aber vernünftige Bildung gilt ja in diesem Land mittlerweile sogar als Schande.
zumindest in bayern hat das km die latinumspflicht für die lehrämter rückwirkend abgeschafft. gesicherte kenntnisse sind inzwischen ausreichend (außer für altgriechisch und latein selbst)
das märchen von "latein fördert das logische denken" stirbt wohl nie aus...
Man sollte die Studiengänge darauf hin überprüfen ob ein LAtinum zweckmäßig ist, dann bleiben nicht viele übrig.
Die Krönung des Unfugs fand ich übrigens, dass eine Taiwanesische Magisterstudentin der Anglistik für ihre Magisterarbeit als SPrache zwischen Deutsch und Latein auswählen konnte, Magisterarbeit auf Englisch war naheliegend aber nicht zulässig.
Paging