Seit der Bologna-Reform ist das Latinum Voraussetzung für viele Master-Studiengänge. Studenten, die die Prüfung an der Uni nachholen müssen, erleben oft die reinste Lernhölle - fast jeder zweite scheitert.
Asterix-Fans könnte im Studium der Spaß an Latein-Sprüchen aus dem Comic über dem kleinen gallischen Helden schnell vergehen. Denn viele Studenten, die das Latinum in der Schulzeit nicht erworben haben, müssen es an der Universität in kurzer Zeit nachholen. Nicht alle wissen aber, worauf sie sich einlassen, wenn sie ein Studienfach mit Latinum-Voraussetzung wählen.
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Die spinnen, die Römer: Studenten hadern mit den Anforderungen der Latinum-Kurse an den Unis und kritisieren die fehlende praktische Anwendung im Studium. (© Foto: dpa)
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In semesterbegleitenden Sprachkursen bis zu 80 Teilnehmern pauken die Studenten Grammatik, lernen Vokabeln - und lesen Julius Caesars "De bello Gallico". Daran führt oft kein Weg vorbei, denn in vielen Fächern ist Latein nach wie vor Studienvoraussetzung.
Betroffen sind vor allem Geisteswissenschaftler wie Anglisten und Historiker oder Anwärter für das Lehramt. Vor der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge waren laut dem Deutschen Altphilologenverband in Berlin annähernd 120 Studienfächer betroffen.
Latinum für den Master
"Früher musste man das Latinum meist bei Eintritt ins Hauptstudium nachweisen, nun ist der Bachelor weitestgehend frei von Latinum-Anforderungen", sagt Peter Schott, Leiter der Zentralen Studienberatung der Universität Münster. Die Tendenz gehe aber dahin, dass das Latinum nach der Reform der Studiengänge eher in den Masterstudiengängen angesiedelt ist.
"Zum Teil ist das Latinum auch Zugangsvoraussetzung für die neuen Master-Studiengänge", sagt Sprachreferent Robert Gieser vom Lehrzentrum Sprachen und Kulturen der Technischen Universität Dresden. Studenten könnten so ihr Bachelor-Studium abschließen, ohne das Latinum abzulegen und den Sprachnachweis theoretisch auch erst später erbingen. "In vielen Fächern ist das aber noch nicht geklärt", sagt er.
Studienordnung gibt Auskunft
Eine genaue Übersicht sei deshalb schwierig, erklärt Jan Rathjen von der Hochschulrektorenkonferenz in Bonn. Grundsätzlich seien die Fakultäten frei darin, die Latinum-Bestimmungen für die jeweiligen Fächer zu gestalten. Studenten schauen deshalb besser in der Studienordnung ihres Fachs nach, rät Gieser.
Als sicher gilt indes, dass das Latinum an deutschen Universitäten erhalten bleibt. Das hat sich auch nach Einführung der neuen Studiengänge nicht geändert. "Letztlich findet nur eine Verschiebung statt. Der Zeitpunkt der Erbringung hat sich geändert, nicht die Pflicht zur Erbringung an sich", sagt Studienberater Schott.
Positiv wirkt sich aus, dass sich mit Umstellung auf die neuen Studiengänge universitäre Lateinkurse in das eigentliche Studium über das Credit-Point-System eingliedern lassen. "Die Motivation für Studenten und der Wert des Kurses steigen dadurch", sagt Professor Stefan Kipf, Bundesvorstand des Deutschen Altphilologenverbands.
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