Kita-Streik Eltern zahlen doppelt drauf

Den Kommunen kann der Kita-Streik relativ gleichgültig sein, sie sparen damit sogar noch Geld. Streikgeplagte Eltern sollten deshalb ihre Gebühren zurückfordern.

Kommentar von Annette Zoch

Gestern Streik, heute Streik, morgen Streik - die Deutschen brauchen derzeit starke Nerven. Kaum rollen die Züge wieder, beginnt der Ausstand in den kommunalen Kindertagesstätten.

Die öffentliche Empörung über den Kita-Streik hält sich im Moment dennoch in Grenzen, schließlich geht es nicht wie bei der GDL um einen Machtkampf zwischen Sturköpfen, sondern um das Wohl des eigenen Nachwuchses. Wer könnte dagegen etwas haben? Dass Erzieherinnen für verantwortungsvolle Arbeit besser bezahlt werden müssen, ist ein Satz, den viele sofort unterschreiben würden.

Gleichwohl können die Erzieher noch mehr Solidarität der Eltern vertragen. Denn den Kommunen kann der Streik einigermaßen gleichgültig sein, sie sparen damit sogar noch Geld. Städte und Gemeinden behalten an Streiktagen nicht nur den Lohn der Erzieher, sondern auch die von den Eltern bezahlten Kita-Gebühren. So verdienen die Kommunen indirekt am Arbeitskampf. Einen Rechtsanspruch auf die Rückzahlung ihrer Gebühren haben Eltern bisher nicht.

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Bei den Streiks in den vergangenen Jahren waren Eltern auf das Wohlwollen und die Kulanz der einzelnen Kommunen angewiesen. Vor sechs Jahren, als die Erzieherinnen tageweise über 13 Wochen hinweg die Türen der Kitas verschlossen ließen, zahlten einige Städte den Eltern einen Teil der Gebühren zurück - andere nicht. Für Eltern ist das eine doppelte finanzielle Belastung, schließlich müssen sie auch noch die Ersatz-Betreuung organisieren und teilweise teuer bezahlen.

Die Stadt München versucht nun, in der aktuellen Kita-Krise mit gutem Beispiel voranzugehen. Berufstätige Eltern, die in diesen Tagen sowieso schon an die Grenzen ihrer Organisationsfähigkeit gebracht werden, sollen nicht auch noch unzählige Formulare ausfüllen müssen. Wenn das Kind streikbedingt fünf Tage in Folge nicht zur Kita gehen kann, sollen zu viel gezahlte Gebühren und Essensgeld automatisch zurückgezahlt werden, ohne dass umständlich ein Antrag ausgefüllt werden muss.

Das könnte ein Vorbild sein für andere, zögerliche Kommunen. Die wenigen Notgruppen, die die Städte bundesweit eingerichtet haben, waren am Montag, dem ersten Streiktag, fast überall völlig überbucht. In diesem Streik sind Eltern nicht nur Leidtragende, sondern auch Mitstreiter der Erzieher.

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Was wäre, wenn die Eltern deshalb alle zusammen versuchten, ihr Geld zurückzufordern? Um damit außerdem zusätzlich Druck zu machen auf gleichgültige Kommunen? Denn sonst zahlen Eltern, Kinder und Erzieher langfristig drauf - und zwar im doppelten Sinne.