Jánszky: Ja. In Manageretagen wird es zum normalen Ton gehören, diese Dinge zu nehmen. Alles unter dem Vorbehalt, dass nicht jemand in den nächsten Jahren krasse Abhängigkeitsgefahren feststellt. Aber darauf deutet momentan nichts hin.

Anzeige

sueddeutsche.de: Was machen die Medikamente mit gesunden Menschen? Gibt es Nebenwirkungen?

Jánszky: Mir ist noch keine Studie begegnet, die über Nebenwirkungen und Langzeitwirkungen berichtet. Die Studien der Pharmaindustrie gehen über Jahre, deshalb gibt es noch keine Ergebnisse. Aber die üblichen Gehirndoping-Medikamente sind alle zugelassen.

sueddeutsche.de: Haben sie den Verdacht, dass sich die Pharmaindustrie auf den Markt der "Gehirndoper" vorbereitet?

Jánszky: Ich denke nicht, dass die Pharmakonzerne das offiziell zugeben würden. Aber tatsächlich wird relativ viel Geld der Unternehmen in die Demenz- und Schlaganfallforschung gesteckt. Das Thema Demenz ist zwar aktuell - aber letztendlich ist das auch kein Wahnsinnsmarkt. Eine Erklärung für die starke Forschung ist deshalb tatsächlich das Interesse daran, was diese Mittel bei Gesunden bewirken.

Auf dieser Basis sind Produkte denkbar, die gar nicht mehr Pillenform besitzen: Margarine, die ihr Kind klüger macht, oder der Joghurt, der sie für 24 Stunden kreativer macht. Das Geschäftspotential steckt gar nicht unbedingt nur in Pillen, sondern in Produkten der Food-Industrie.

sueddeutsche.de: Haben Sie die Mittel bereits selbst ausprobiert?

Jánszky: Nein, aber ich bin mir sicher, dass ich Sie als Student genommen hätte und nehmen werde, sobald solche Mittel im normalen Angebot sind. Natürlich werden die Prüfungssituationen in der Berufswelt weniger. Aber: Wenn es den Joghurt gibt, der nachweislich die Hirnleistung verbessert, warum sollte ich den nicht frühstücken, wenn ich mittags ein wichtiges Gespräch habe?

Sven Gábor Jánszky, Trendforscher und Chef der Leipziger Beraterfirma Forward2Business, organisiert einmal im Jahr einen Zukunftskongress, bei dem sich die Innovationschefs großer Unternehmen über künftige Trends austauschen. Jánszky studierte Journalismus und Politik in Leipzig, Berlin und Budapest und arbeitete dann als Journalist und als Programmdirektor der Universität Leipzig.

Sie sind jetzt auf Seite 3 von 3

  1. "Jeder sollte mit Pillen seine Intelligenz steigern dürfen"
  2. "Jeder sollte mit Pillen seine Intelligenz steigern dürfen"
  3. Sie lesen jetzt "Jeder sollte mit Pillen seine Intelligenz steigern dürfen"
Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/bön)