Sie finden einfach keine neue Arbeit? Vielleicht sollten sie mal ein anderes Parfum versuchen. Denn den Entscheidungen von Personalern liegen oft erschreckend banale Kriterien zugrunde.
Chefs, die es mit der Suche nach dem idealen Bewerber ernst meinen, sollten sich vor dem nächsten Vorstellungsgespräch eine Wäscheklammer auf die Nase setzen.
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Erfolg im Vorstellungsgespräch: Oft entscheidet das Bauchgefühl - oder die Nase. (© endostock - Fotolia)
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Wie die beiden Wissenschaftlerinnen Sabine Sczesny und Dagmar Stahlberg von der Universität Mannheim in einem Experiment herausgefunden haben, beeinflusst das Parfum der Kandidaten in Bewerbungssituationen die Personalentscheidung. Egal, was die Versuchsteilnehmer auch antworteten: sobald sie einen blumigen Duft trugen, hatten sie deutlich schlechtere Chancen auf den Job.
Willkommen in der Welt der Bewerbungswissenschaft. Bewerber zu sein zählt zu den ganz großen Herausforderungen im Berufsleben. Der Status ist so anspruchsvoll, dass Ratgeber zu diesem Thema mehrere Regalmeter in Buchhandlungen füllen und die Arbeitsagenturen mehrwöchige Fortbildungskurse mit dem Abschluss Dipl. Bewerber h.c. dazu anbieten.
Dennoch machen Jobsuchende so viele Fehler bei ihren Bewerbungen, dass die Internet-Suchmaschine mehr als eine Million Treffer dafür anzeigt. Sogar von "Todsünden" ist da die Rede.
Tatsächlich können erfahrene Personalverantwortliche von manch seltsamen Erlebnissen erzählen: von Zwillingen etwa, die sich grundsätzlich nur im Doppel vorstellen, oder von Bewerbern, die unvermittelt aufspringen und Gedichte vortragen.
"Die nächste Frage, bitte"
Als besonders ergiebiger Forschungsgegenstand in der Bewerbungswissenschaft gelten Frauen in Vorstellungsgesprächen. Sie machen nämlich manches, na ja, falsch - anders als ihre männlichen Konkurrenten.
Während zum Beispiel eine Frau noch darüber nachdenkt, ob sie nun wirklich ehrlicherweise behaupten kann, dass ihr Englisch sehr gut und nicht nur gut ist, hat der männliche Bewerber nach einem "Mein Englisch ist ausgezeichnet", schon längst gefordert "Die nächste Frage, bitte." (Das Beispiel stammt aus einer kulturwissenschaftlichen Dissertation.)
Und dann die Sache mit dem Duft: Allein, wenn sich Frauen für ein typisch männlich herbes Parfüm entscheiden würden, könnten sie ihre Jobchancen enorm steigern, wie das Experiment an der Uni Mannheim gezeigt hat. Das ist immerhin ebenso ernüchternd - wie einfach zu ändern.
Seit längerem gibt es bereits einen Testlauf für die anonyme Bewerbung, aus der zwar die Qualifikationen, aber weder Geschlecht noch Alter des Bewerbers hervorgehen. Wie eine Umfrage der Jobbörse Monster zeigt, sind nur wenige Jobsuchende davon überzeugt.
Sie wissen wohl, dass spätestens im Vorstellungsgespräch der Moment kommt, wo klar wird, wer und wie alt man ist. Pech, wenn der Personalentscheider dann den falschen Riecher hat. Dass auch Arbeitgeber Nachhilfe-Bedarf in Sachen Bewerbung haben, weiß jeder, der schon einmal in dem einen oder anderen Vorstellungsgespräch oder gar Assessment Center sitzen durfte.
Manche Unternehmen überlassen die Personalauswahl Profis, die mit ausgetüftelten, angeblich objektiven Verfahren die am besten passenden Kandidaten auswählen - nur, um dann im letzten Moment doch nach Bauchgefühl zu entscheiden.
Dipl. Bewerber h.c. freuen sich derweil über jede Nachricht zum Fachkräftemangel. Schließlich könnten dann bald sie am längeren Hebel sitzen. Die Wäscheklammer, um den idealen Arbeitgeber für sich auszuwählen, haben sie schon eingepackt.
(SZ vom 10.10.2011/gal)
Abholzungen im Amazonas-Gebiet
Vielleicht könnte eine Lösung des Problems "süßliches Parfüm" ja darin bestehen, dass in Zukunft gar keines aufgelegt wird bei Vorstellungsgesprächen, sondern dass sich der Aspirant auf ganz normales Waschen konzentriert und inkauf nimmt, eventuell sogar ein wenig zu transpirieren.
Dann kommt der "Personaler" ohne größere Umwege auf das, was hinter der Sache steckt: "niedere" archaische Muster im Sinne , von "Ich kann die riechen" oder "Die kann ich nicht riechen".
Man glaubt gar nicht, wie sehr das eine Rolle spielt in allen Bereichen des Lebens, obwohl wir uns dessen kaum bewusst sind.
So einen Blödsinn zu einer Wissenschaft zu erheben...
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zB der heutige Journalismus hat einen enormen Fachkräftemangel, wollen Sie dafür etwa Belege ? ;-))
"Woran Jobsuchende wirklich scheitern".
Sollte das nicht eher heissen: "Woran Personaler wirklich scheitern"?
Es geht in dem Artikel doch um einen elementaren Fehler von Seiten vieler *Personaler*, nämlich: Sich von irrelevanten und banalen Äußerlichkeiten blenden lassen (wie z.B. dem Parfum), und dabei schnell in die Falle zu laufen anstatt eines fachlich geeigneten Kandidaten einen oberflächlichen Blender einzustellen.
Es liegt doch der Fehler eindeutig auf Seiten des Personalers, wenn er jemanden bevorzugt, der ohne groß nachzudenken sagt "Klar ist mein Englisch ausgezeichnet", anstatt jemand einzustellen, der auch mal ein paar Sekunden innegeht um zu reflektieren und nachzudenken.
Aber wie leider seit längerer Zeit so üblich, wird im Artikel das alles so dargestellt, daß die Schuld einzig und alleine auf Seiten des Bewerbers liegt. Es ist überfällig, daß hier dringend der Spieß umgedreht wird. Wenn jemand im Bewerbungsgespräch auf eine Frage erstmal kurz nachdenken will, dann spricht das für ihn und *nicht* gegen ihn. Wenn ein Personaler ihn deshalb abblitzen lässt, dann ist es der *Personaler*, der für seinen Job ungeeignet ist und eigentlich sofort entlassen gehört.
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