Fehlerhafte Bewerbungsfotos Diese Bilder versauen jede Bewerbung

Gezwungenes Lächeln, strubbelige Frisur oder tiefes Dekolleté: Bei Bewerbungsfotos wird eine Menge falsch gemacht. Eine Auswahl an Fehlern.

Die Experten sind sich einig: Das Bewerbungsfoto ist entscheidend. "Schließlich will der Verantwortliche in der Personalabteilung wissen, ob der Bewerber ins Team passt. Durch das Foto erhält er schon mal einen subjektiven Eindruck", sagt Christian Püttjer, Bewerbungsspezialist aus Bredenbek bei Kiel. Daher gilt es, einige grundlegende Dinge zu beachten.

Große Unternehmen schauen in der Regel genau hin. "Fotos aus dem Automaten am Bahnhof sind bei Bewerbungen um qualifizierte Positionen nicht angemessen - ebenso keine Ganzkörperfotos, Urlaubsfotos oder Modeaufnahmen", sagt zum Beispiel Jürgen Homeyer, Sprecher bei Metro in Düsseldorf.

Besser ist es daher, auf professionelle Aufnahmen aus dem Fotostudio zurückgreifen. Um festzustellen, ob der Fotograf gute Bewerbungsfotos macht, sollten sich Interessenten zunächst einige Referenzfotos zeigen lassen. "Wir führen grundsätzlich ein Beratungsgespräch, bei dem wir Tipps bezüglich Kleidung, Frisur und Make-up geben", sagt Carmen Jasmyn Hoffmann, Fotografin in Leipzig.

Empfehlenswert sei es auch, die Bewerbungsmappe zum Fototermin mitzubringen, damit die Fotos perfekt auf die Bewerbung abgestimmt werden können.

"Zu bedenken ist, dass man sich auf dem Bewerbungsfoto so präsentiert, wie man die Firma dann auch nach außen repräsentieren würde", sagt Püttjer. Daher ist zum Beispiel Vorsicht im Umgang mit Kleidung und Make-up geboten.

Der Bewerbungsfachmann rät Bewerbern, einfach auf der Homepage des betreffenden Unternehmens nachzusehen, wie die Mitarbeiter auftreten. So lässt sich leicht der Dresscode der Firma ermitteln.

Frauen sollten sich nur dezent schminken und auf grell lackierte Fingernägel verzichten.

Einen Tipp für weibliche Bewerber hat Anke von Rennenkampff parat. Die Sozialwissenschaftlerin hat sich in ihrer Doktorarbeit mit dem Thema Bewerbungsfoto auseinander gesetzt. Sie fand heraus, dass Bewerber, die auf den Fotos allzu feminin wirkten, schlechtere Chancen bei den Personalern hatten.

Bei Führungspositionen sind offenbar männliche Attribute wie Durchsetzungsfähigkeit, Zielorientierung und ein gewisses Maß an Aggressivität gefragt. "Frauen, die sich auf eine Führungsposition bewerben, sollten versuchen, ihre femininen Züge etwas zu kaschieren", sagt von Rennenkampff. Oft helfe wohl schon, wenn Frauen ihre langen Haare zurückkämmten oder hochsteckten, so die Wissenschaftlerin.

Entscheidend ist auch, wie der Bewerber auf dem Foto guckt. Ein verkrampftes Lächeln wirkt ebenso abschreckend wie ein grimmiger Gesichtsausdruck. "Man sollte mit offenem Blick und freundlichem Ausdruck direkt in die Kamera gucken. Auf jeden Fall sollte der Hintergrund hell sein und keine störenden Lichtreflexe auf dem Foto zu sehen sein", sagt Bewerbungsspezialist Püttjer. Er empfiehlt ein größeres Format als bei Passfotos, etwa sechs mal vier Zentimeter.

Farbe oder Schwarz-weiß

Ob Schwarz-weiß- oder Farbfotos besser geeignet sind, lässt sich nicht so einfach sagen. Laut Fotografin Hoffmann ist das eine Frage des Typs. Püttjer hat die Erfahrung gemacht, dass weibliche Personaler eher Schwarz-Weiß-Aufnahmen bevorzugen, während die männlichen Kollegen Farbfotos vorziehen. "Ich denke, das liegt daran, dass Frauen eher eine künstlerische Ader haben", sagt Püttjer.

Auch wo der Bewerber das Foto platzieren soll, ist nicht fest vorgegeben. Standardmäßig wird es rechts oben auf dem Lebenslauf befestigt. Allerdings rät Püttjer dann, auf dem Bild auch nach links zu blicken, weil einige Personaler sonst irritiert reagierten, wenn der Bewerber aus dem Blatt herausblickt. Metro dagegen zieht ein gesondertes Blatt mit Foto und Kontaktdaten des Bewerbers vor. Zur Befestigung empfiehlt Spezialist Püttjer Montagekleber oder Fototapes. Beides hält sehr gut und schlägt keine störende Wellen wie Flüssigkleber.

Derartige Sorgen müssen sich Bewerber bei Siemens nicht machen. Das Unternehmen verlangt keine Fotos - im Gegenteil: "Wir drehen den Spieß bald um. Wir haben vor, in Zukunft einen kleinen Film über die Abteilung zu drehen, die gerade einen neuen Mitarbeiter sucht", sagt Hans-Christoph Kürn, Leiter des E-Recruiting bei Siemens in München. So könne der Bewerber sich gleich einen Eindruck vom neuen Umfeld und den zukünftigen Kollegen machen.