Doctor of Business Administration Hoch, höher, DBA

Der MBA-Titel kann noch übertrumpft werden: Karrierebewusste Praktiker bevorzugen den britischen "DBA".

Von Christine Demmer

Christian Euteneuer ist ein Mann der Tat. Mit grauer Theorie und akademischem l'art pour l'art konnte der 28-Jährige noch nie sonderlich viel anfangen. Trotzdem wird der zupackende Praktiker im nächsten Jahr ein Doktor der Betriebswirtschaftslehre sein. Möglich macht das ein aus England und Amerika importiertes Studienmodell, das auch in Deutschland immer mehr Freunde findet. Denn der Doctor of Business Administration (DBA) ist der höchste Titelgewinn für lösungsorientierte Manager und Unternehmer. Er kann nebenberuflich erworben werden und verlangt keine hartnäckigen Kratzfüße vor deutschen Professoren. Der Preis dafür ist Verzicht auf Freizeit und Konsum. Und Unterrichtskosten von gut 30.000 Euro, zu denen noch einmal ungefähr dieselbe Summe für Flüge und Hotelübernachtungen kommt.

"Ich sehe das als gute Investition", sagt Euteneuer. "Außerdem wollte ich nicht jahrelang der Sklave eines Profs sein und für ihn Kopien machen." Dafür hat der junge Betriebswirt überhaupt keine Zeit. Zusammen mit seinem Vater besitzt und betreibt er einige Seniorenheime in der Nähe von Neuwied. Wenn er nicht gerade im Geschäft arbeitet, hat er ein Buch vor der Nase oder schreibt an einer von mehreren 40- bis 50-seitigen Hausarbeiten namens "Electric Management Report", die geradewegs zum Thema seiner Dissertation führen werden.

Das dafür notwendige betriebswirtschaftliche Grundwissen hat sich Euteneuer an der European Business School im hessischen Oestrich-Winkel geholt. Im Anschluss daran erwarb er berufsbegleitend den MBA, und seit September 2004 nimmt er am DBA-Programm der niederländischen Universität Nimbas Teil, die den britischen DBA anbieten darf. Nach den Beschlüssen der Kultusministerkonferenz über die Führung ausländischer Hochschulgrade vom 14. April 2000 darf nur ein britischer DBA in der Form "Dr." ohne Fachzusatz in Deutschland geführt werden. Angesichts der Flut höchst obskurer Titel aus den USA und Osteuropa legen die deutschen Doctores in spe genau hierauf größten Wert.

Sehnsucht nach dem Titel

In Amerika und Großbritannien steht der DBA seit Jahren gleichberechtigt und gleichermaßen anerkannt neben dem Doctor of Philosophy (PhD). Während der PhD die Spezialisierung auf ein enges Fachgebiet fordert und daher meist in die akademische Forschung und Lehre führt, zeugt der DBA von breiter und bereichsübergreifender Managementausbildung. Er ist der höchste akademische Grad im angelsächsischen universitären Executive Development. Die Zulassungsvoraussetzungen sind in den Promotionsordnungen der Universitäten geregelt. Vorausgesetzt werden ein sehr guter Mastergrad (Master of Business Administration, MBA, oder Master of Science, MSc), mehrjährige Führungspraxis sowie durch Publikationen nachgewiesene Beschäftigung mit der wirtschaftswissenschaftlichen Theorie. Diese Forderung steht freilich hinter der nach praktischer Führungserfahrung zurück. Das macht es Managern leichter, die Brücke zwischen lange zurückliegender Theorie und alltäglicher Praxis zu schlagen.