Das Risiko an Burnout zu erkranken, nimmt dramatisch zu. Besonders gefährdet sind die engagierten Mitarbeiter, die mit Spaß bei der Arbeit sind.
David Ruß arbeit viel. Zu viel, vielleicht. Tag für Tag kommen mehr als zehn Stunden zusammen. Danach eilt er nach Hause zu seiner jungen Familie. Dort wird häufig gestritten, weil er soviel Zeit im Job verbringt. "Ich fühle mich wie fremdbestimmt", sagt der 38-Jährige, der den Anforderungen, die an ihn gestellt werden, nur noch hinterherhechelt. Er ist müde, ausgelaugt. Vielleicht schläft er einfach zu wenig. Vielleicht steht er aber auch kurz vor dem Burnout. Hilfe sucht er deswegen nicht.
Völlig ausgebrannt: Burnout ist ein Verschleißprozess. Die Betroffenen sind zunehmend schlapp, zynisch, zu nichts mehr zu gebrauchen. (© Foto: iStockphoto)
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Für Michael Zaudig von der Psychosomatischen Klinik in Windach bei München könnte Ruß, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will, ein typischer Fall werden. "Burnout-Patienten fühlen sich wie im Hamsterrad. Sie kommen da nicht heraus - bis es zu spät ist", sagt der Klinik-Chef. Wenn sie den Weg zu ihm gefunden haben, sind sie schon ein Häufchen Elend.
Zaudig beobachtet mit Sorge, dass die Burnout-Fälle "extrem zunehmen". Daten, die das schwarz auf weiß belegen, gibt es noch nicht. Einen Anhaltspunkt bieten Erhebungen über die Krankheitsbilder der Deutschen. Burnout fällt als Depression unter die psychischen Erkrankungen - und die haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen.
Auch mehrere Studien über die Arbeitssituation in verschiedenen Berufen deuten darauf hin, dass das Risiko auszubrennen, sehr hoch ist.
Ulf Kieschke vom Lehrstuhl für Psychologie der Uni Potsdam sagt, dass vor allem Beschäftigte in sozialkommunikativen Tätigkeiten gefährdet sind. Am höchsten ist das Burnout-Risiko in Berufen, wo ein hohes Maß an Idealismus nötig ist und intensive persönliche Zuwendungen zum Alltag gehören. Wie eine Studie der Uni zeigt, haben die Lehrer im Berufsvergleich die höchste Erkrankungsrate. 60 Prozent zeigen Anzeichen von Burnout. Aber auch Mitarbeiter in Sozialämtern, Polizisten, Erzieher, Pflegepersonal in Kliniken trifft es überdurchschnittlich häufig.
Zunehmend erwischt es sogar die Ärzte selbst, weiß Klinik-Chef Zaudig.
Bei Existenzgründern ist fast jeder Zweite akut gefährdet wie die Studie der Uni-Potsdam zeigt. Ihnen gelingt es häufig nicht, die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit zu ziehen. Viele Selbstständige neigen zudem dazu, sich permanent zu überfordern, sagt Kieschke.
Die Tendenz zur Selbstausbeutung lässt sich jedoch auch in Unternehmen beobachten. Beschäftigte in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen, zum Beispiel mit befristeten Verträgen, setzen sich massiv selbst unter Druck. Sogar unter den Festangestellten steigt die Burnout-Gefahr. Mangelhafte Arbeitsbedingungen wie Zeitdruck und zu hohe Arbeitsbelastung führen dazu, dass sich fast jeder Zweite abends leer und ausgebrannt fühlt. 40 Prozent haben sogar Schwierigkeiten, sich in der Freizeit wieder richtig zu erholen. Das zeigt eine Umfrage von "Inqa", einer Initiative für gute Arbeit von Bundesregierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften.
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Wie schon in einem früheren Beitrag zu einem ähnlichen Thema möchte ich nochmals zu bedenken geben, dass es beim Erleben und Ertragen von beruflichem Stress stark auf die Faktoren gerechte Arbeitsverteilung und vor allem Anerkennung ankommt. Ich kann dies sagen, weil ich beides kenne : Starke Belastung, die aber vom Chef geleugnet wird (Andere haben noch viel mehr Arbeit). So etwas macht natürlich krank. Und auf der anderen Seite eine Situation, in der Chef und Kollegen eine hohe Arbeitslast sehen und entsprechend anerkennen (Ich könnte das nicht. Wie schaffst du das ?) Im letzteren Fall wird man sicher nicht so leicht krank !
Der Betreffende weiß ja, dass er irgendwann kürzer treten kann, ohne Nachteile zu erleiden, denn man hat ihm ja attestiert, dass er ein Übersoll erfüllt.
(Es gibt allerdings auch Workoholics, die sich mit oder ohne Anerkennung zu Tode arbeiten, das ist dann wieder eine andere Sache)