Eine umfassende Reform brachte den deutschen Studenten Bachelor, Master und viel Ärger. Sogar Professoren klagen, die Universitäten hätten sich in ein Irrenhaus verwandelt.
Wenn Studenten aus ihrem akademischen Leben berichten, bekommen Eltern, deren eigene Studentenzeit Jahre zurückliegt, Ohrensausen. Da ist von Modulen die Rede, von workloads und credit points. Und unvermeidlich: von den neuen Abschlüssen Bachelor und Master. Die Anglizismen sind kaum zu umgehen, sie holen auch Germanistik-Studenten ein.
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Dunkle Wolken über den Bachelor-Absolventen: Viele Hoffnungen, die Politiker mit dem Bologna-Prozess verbinden, haben sich bisher nicht erfüllt. (© Foto: dpa)
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Die Sprache ist aber nur das Symptom eines grundlegenden Wandels. Früher trabte man als Student in eine Vorlesung (oder entschied sich fürs Ausschlafen), heute gibt es vielerorts Anwesenheitskontrollen, und fast jedes Lehrangebot endet mit einer Klausur oder einer Hausarbeit, deren Note in den Abschluss einfließt. Die Studenten sammeln Leistungspunkte (credit points) und besuchen Veranstaltungen, die fachlichen Modulen zugeordnet werden, in die soundso viel Arbeit investiert werden soll (workload).
Unheilvolle Verschulung
Die ständigen Prüfungen haben die Verbindlichkeit des Studiums erhöht, aber auch den Druck auf die Studenten. Selbst in geisteswissenschaftlichen Fächern, die früher sehr frei gestaltet waren, ist das Studium jetzt durchgeplant. Kritiker sprechen von einer unheilvollen Verschulung, heraufbeschworen durch den "Bologna-Prozess".
Bologna: Akademiker denken da kaum noch an die italienische Stadt, sondern an den Uni-Umbau. Vor zehn Jahren trafen sich in Bologna die Bildungsminister aus 29 Staaten und verabredeten, bis 2010 einen "gemeinsamen europäischen Hochschulraum" zu schaffen. An diesem Dienstag treffen sich die Minister im belgischen Löwen zu einer Bologna-Folgekonferenz, um den Stand der Reformen zu begutachten und sie voranzutreiben. Mittlerweile sind 46 Länder beteiligt, von Albanien bis Norwegen, von Frankreich bis Russland.
Keine Harmonisierung
Die Bologna-Vereinbarung war rechtlich unverbindlich, die Wirkung dennoch enorm. Nach und nach haben die Hochschulen ihre Studiengänge auf die zweistufige Struktur von Bachelor und Master umgestellt. Nach zumeist sechs Semestern machen Studenten nun den Bachelor-Abschluss, dieses Studium soll "berufsqualifizierend" sein. Einen Master können sie anschließend in zumeist vier Semestern erwerben.
Drei Viertel aller Studiengänge vergeben bereits statt Diplom oder Magister die neuen Bachelor- und Master-Titel, wie sie in den USA und Großbritannien seit langem üblich sind. Doch nur weil die Abschlüsse gleich heißen, steckt nicht auch das Gleiche dahinter. In den USA brauchen die Studenten in der Regel vier Jahre bis zum Bachelor, in Deutschland sollen drei Jahre reichen. Bei den Studieninhalten gibt es erst recht keine Harmonisierung, die Anrechnung von Leistungen, die an anderen Hochschulen erbracht wurden, bleibt kompliziert. Viele Hoffnungen, die Politiker mit Bologna verbinden, haben sich bisher nicht erfüllt.
Geringe Mobilität: Derzeit sammelt etwa jeder vierte deutsche Student Erfahrungen im Ausland, in den Bachelor-Studiengängen ist der Anteil mit 15 Prozent jedoch geringer. Den Studenten fällt es schwer, Auslandssemester in ihren Studienplänen unterzubringen.
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- Bachelor-Reform Qualität - wo bist du? 23.04.2009
- Bachelor und Master Gut gedacht - schlecht gemacht 14.04.2009
- Bachelor-Abschluss "In Nieten investieren?" 12.04.2009
- Bachelor-Studium Die Leistungsfalle 28.12.2008
- Studienreform Der Bachelor-Bankrott 01.10.2008
- Laptops in der Vorlesung Klappe zu, Student allein 20.05.2010
- Bologna-Konferenz Randale während der "Schavan-Show" 17.05.2010
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Der derzeitige einheitliche Hochschulraum ist eine Illusion. Der Bachelor der USA geht zwar 4 Jahre, ist aber nicht dem 3 Jahres-Bachelor aus Dtl. ebenbürdig. In manchen Ländern bekommt man einen Bachelor für das, was bei uns einem Fachschulabschluß entspricht (Krankenschwester, Erzieher).
Richtig wäre eine Reform ähnlich der Gesamthochschule gewesen.
Diplom 1, das FH-Diplom, nach 4 Jahren als Erstabschluß
Diplom 2, das Unidiplom, nach 5 Jahren als Zweitabschluß
Beide Abschlüsse versehen mit ECTS-Punkten und einheitliche Übergangsregeln.
Wenn man den Bachelor unbednigt haben wollte, warum hat man ihn nicht auf 4 Jahre festgelegt, wie das frühere FH-Diplom? DIeser Bachelor hätte dann keine Anerkennungsprobleme in den USA und würde immerhin noch ein Jahr mehr Bildung bringen, als der Bachelor heute.
Ich halte den Bc/Mst wie er hier umgesetzt worden ist, für den größten Schwachsinn aller Zeiten.
Berufsqualifiziert ist ein Bc mitnichten, jedenfalls nicht in meiner Branche und wer braucht den halbe Geologen? Die vorallem von allem nur ein wenig wissen und von dem was sie wissen sollen nicht genug.
Ich habe immer zu hören bekommen, daß das ja auch gut ist für internationale Bewerbungen. Super: In den USA erlangt man nach zwei Jahren einen Associate Degree und nach 4 Jahren eine Bc, der ungefähr dem Gesellen hier entspricht, denn in die Lehre gehen ist drüben etwas anders als hier, da z.b. Krankenschwestern auf der Med-School einen Bc machen und keine äquivalente Ausbildung.
Hier ist der Bc nix wert, allerhöchstens um halbausgebildete Ja-sager für lau in den Arbeitsprozess aufzunehmen. Totaler B.lödsinn mal wieder. Bin ich froh, daß ich ncoh ein Diplom gemacht habe, was im Übrigen z.B. in den USA als hochqualifizierter Abschluss angesehen war. Ob ich das jetzt so oder so in GPA umwandeln muss (die Noten transcribieren ins amerikanische System), ist mir eigentlcih total egal...
Im Zuge der grundlegenden Studienreform wurden die Ziele Mobilität, nationale und internationale Vergleichbarkeit & Transparenz und erleichterte Anerkennung von Studienleistungen sicherlich weit verfehlt. Die Freiheit von Studierenden wurde durch die Verschulung massiv eingeschränkt, wodurch nicht nur ganz andere Typen von Studierenden das System erfolgreich oder erfolglos durchlaufen, sondern auch die so finde ich sehr wichtige Phase der Selbstfindung abgeschafft wird. Früher war insbesondere bis zum Vordiplom/Zwischenprüfung Zeit, sich etwas auszuprobieren und sich an das Studienfach, ggf. den neuen Studienort, die Abnabelung vom Elternhaus und vieles mehr zu gewöhnen. Falls sie nicht fest im Studienprogramm integriert sind, sind auch Auslandssemester nun schwieriger. Wie sollen diese ohne Studienzeitverlängerung in einem gestrafften Stundenplan unterkommen? Wann sonst sollen junge Menschen ein Auslandsjahr verbringen können, wenn schon die Schulzeit von 13 auf 12 Jahre verkürzt wurde und somit die früher hierfür gerne genutzte Einführungsphase ins Kurssystem wegfällt? Dies geht nur noch als Zwischenjahr oder gar nicht.
Folgen des Bologna-Prozesses sind jedoch nicht nur negativer Natur. So ist es z.B. bei Bewerbungen im Ausland einfacher, zu erklären, man hätte einen Master in Business Administration als einen Abschluss der sich Dipl.-Kfm. oder Dipl.-Kffr. nennt. Einige Studiengänge hatten sicherlich auch eine Reform dringend nötig und durch Bologna wurde hier ein Anschub gegeben.
Zur Rettung des Rufs der Bologna-Reform muss man auch deutlich hervorheben, dass viele Änderungen der Studienordnungen über die Bologna-Inhalte hinausgehen. Das Deckmättelchen "Das müssen wir wegen Bologna machen und steht daher auch nicht zur Diskussion" wurde von der einen oder anderen Uni genutzt, um Pläne, die man schon vorher in der Schublade hatte, mit den Inhalten der Bologna-Reform zu verbinden.
"Bundesweit bricht etwa jeder fünfte Student sein Studium ab, beim Bachelor sind es sogar 30 Prozent."
Verstehe ich nicht; der Bachelor ist doch Studienabbruch mit staatlicher Vorgabe. Oder wäre früher jemand auf die Idee gekommen, ein Student mit Vordiplom habe auch nur in Ansätzen einen Abschluß.
Ist genauso wie die Einführung des Diplom-Juristen bem Referendarsexamen. Wer zu dämlich für den Assessor ist bekomt noch einen coolen Titel dazu.
Das Thema Verschulung des Studiums kommt noch hinzu. Wie soll man denn Eigenverantwortung und Selbstdisziplin lernen und entwickeln, wenn man nie persönliche Freiheit kennenlernt?
Ich habe mein Studium ausgiebig genossen; bin viel rumgereist und habe in der Tat über Corpsbrüder Inhalte anderer Studiengänge erfahren können. In den entscheidenden Phasen musste ich mich dann hinsetzen und lernen, so wie Generationen zuvor auch - kein Problem.
Armes Deutschland, aber man musste je politisch korrekt den Unsinn mitmachen.
und schreibt weiter gegen Bachelor und Master an:
Nichts bleibt wie frueher, es gibt nun sogar Anglizismen im Germanistik-Studium (schauder), und es ist nicht alles genau gleich im Bologna-Raum.
Dazu noch ein ziemlich schraeger Vergleich: In den USA dauert der Bachelor 4 Jahre aber in der BRD nur 3! Dass die High School in den USA nur 12 Jahre dauert koennet damit zu tun habe, oder dass das Gymnasium in Durchschnitt mehr Stoff vermittelt as die High School, aber nein: Der Bachelor ist eine Blamage! Weil die Studieninhlalte in der BRD und den USA naemlich nicht "harmonisiert" sind. Wozu das gut sein sollte laesst der Autor dann wohlweislich unbeantwortet.
Aber dann: "Die Studienpläne sind oft starr und dicht gepackt; für Sonderwege und zeitintensives Forschen fehlen Freiräume. " Sonderwege? Was sollen diese "Sonderwege" sein? Und warum soll sich ein Studiengang nach einem "Sonderweg" ausrichten?
"Studenten klagen über Probleme, Jobs oder ein Ehrenamt mit dem straff organisierten Studium zu vereinbaren."
Stimmt, das war einfacher als man noch rund 8 Monate "Semesterferien" im Jahr hatte. Es dauerte dann halt oft 16 Semester bis zum Abschluss, aber das war ja egal. Akademische Freiheit, sie wissen schon.
"Viele Professoren standen den Reformen von Beginn an skeptisch gegenüber..." und da ist dann auch erstaunlich dass sie jetzt vom "Narrenturm" (ist das eigentluch ein Wort?) reden. Der Prof aus Giessen kann es ja seinem Kollegen aus Mainz nachtun und die Professur zurueckgeben wenn das Leben mit Bologna zu hart ist.
"Heute wird manchmal so getan, als hätten die Studenten in früheren Zeiten viel wissenschaftlicher studiert und dabei auch über die Grenzen ihres Faches geblickt."
Siehst du SZ, es geht doch! Danke dafuer...
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