Jobsuche Wie eine gute Bewerbungsmappe aussieht

Bei einer Bewerbung ist es wie bei einer Steuererklärung: Man muss die Gestaltungsmöglichkeiten kennen und nutzen. Jobcoach Irene Schegk weiß, was eine gute Bewerbungsmappe ausmacht - und wie man Klarheit darüber bekommt, was man machen möchte.

Interview: Beate Wild

Irene Schegk ist Jobcoach und unterrichtet unter anderem für die Deutsche Angestellten Akademie. Ohne perfekte Bewerbung kein Traumjob, sagt die 59-Jährige.

Irene Schegk

Trainerin für professionelles Bewerben nennt sich Irene Schegk. Die Münchnerin arbeitet seit 25 Jahren freiberuflich als Jobcoach.

(Foto: oh)

SZ: Frau Schegk, in welcher Verfassung kommen die Teilnehmer zu Ihnen?

Irene Schegk: Die meisten stehen regelrecht unter Schock. Sie sind plötzlich arbeitslos geworden, auf den ersten Blick sieht es für viele aus, als wäre ihr Fall völlig hoffnungslos. Nach zehn oder zwanzig Jahren im selben Job lebt man in einer anderen Realität. Da hat man starre Denkmuster, die es erst aufzubrechen gilt.

Den Teilnehmern fehlt also das nötige Selbstvertrauen?

Genau, die psychosoziale Komponente spielt bei der Arbeitslosigkeit eine große Rolle. Als erstes muss der Bewerber lernen, wie er sich selbst aus dem Loch zieht. Viele denken: Ich kann ja gar nichts mehr - eine Verengung der Realität.

Bevor Sie also mit den Teilnehmern das Bewerbungsschreiben üben, müssen diese herausfinden, was sie wollen und können?

Ja, und jeder muss sich fragen, wozu er bereit ist. Das Umdenken ist eine Sache, die Änderung des Verhaltens die andere. Der Prozess von der alten zu einer neuen Identität ist oft steinig.

Und der Schlüssel zum neuen Job ist eine perfekte Bewerbung?

Absolut. Nicht nur ein Manager, auch ein Bauarbeiter braucht heute einen mit Computer geschriebenen Lebenslauf.

Was muss noch rein in die ideale Bewerbungsmappe?

Ein Anschreiben sowie Zeugnisse. Wichtig ist auch, dass sich in den vergangenen Jahren die Form der Bewerbung stark gewandelt hat. Barocke Mappen sind aus der Mode gekommen. Heute wünscht man sich schlichte Bewerbungen, die auf den ersten Blick Interesse wecken. Verschickt wird eine Bewerbung heute meistens per E-Mail.

Und letztendlich kommt es auf die richtigen Formulierungen an?

Eine Bewerbung hat zwar eine bestimmte Form, aber es ist wie bei einer Steuererklärung: Man muss die Gestaltungsmöglichkeiten kennen und nutzen. Das genau vermitteln wir unseren Seminarteilnehmern: eine Mischung aus Standard und individueller Darstellung.

Soll der Bewerber ein Foto mitschicken oder macht man das heute nicht mehr?

In den USA bewirbt man sich ja schon länger ohne Bild, doch bei uns hat sich das noch nicht durchgesetzt. Ich empfehle unbedingt ein Bild, und zwar eines, das ein Fachmann für Bewerbungsfotos gemacht hat. Schicken Sie um Himmels Willen kein Urlaubsfoto mit!

Und wo soll sich der Arbeitssuchende nach Jobs umschauen?

Die Datenbank des Arbeitsamtes hat neben den vielen Jobportalen an Stellenwert verloren und ist oft nicht aktualisiert. Am besten schaut man bei Jobbörsen im Internet oder bei Zeitarbeitsfirmen. Für Hilfstätigkeiten und Teilzeitjobs empfehle ich meinestadt.de. Und mein Tipp: Schicken Sie unbedingt Initiativbewerbungen raus.

Wie viele Teilnehmer bekommen nach einem Bewerbertraining einen neuen Job?

Etwa 60 bis 70 Prozent. Es ist wichtig, im ersten Jahr der Arbeitslosigkeit was Neues zu finden. Wer mal in Hartz IV landet, hat es schwerer. Da finden nur noch 30 bis 40 Prozent einen Job. Und besser ein Übergangsjob als gar keiner. Den idealen Job gibt es eh nicht.