Bewerben ohne Erfahrung Nichts geht über Kontakte

Wichtig sei, sich davon nicht verunsichern zu lassen: "Man ist kein Loser, weil man ein halbes Jahr nichts findet." Mangelnde Berufserfahrung mit einem Praktikum nach dem Studienabschluss nachzuholen, hält Prof. Blickle nicht für sinnvoll. Das geht nur, wenn das Praktikum gut begründet werden kann - etwa, weil es bei einem namhaften Arbeitgeber gemacht wird. "Man darf sich nicht leichtfertig zum Dauerpraktikanten machen", sagt auch Karriereberater Hesse. Aber er findet auch, dass eine Hospitanz besser sei, als nur zu Hause zu sitzen und Bewerbungen zu schreiben. Außerdem biete ein Praktikum die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen.

Uni-Abgängerin Schramm machte nach der Abgabe ihrer Magisterarbeit noch ein Auslandspraktikum in China. Es folgte ein Stipendium der EU, das mit einem weiteren bezahlten Praktikum verbunden war. Bis zur ersten festen Stelle dauerte es fast zwei Jahre: "Solange habe ich mich mit teilweise prekären Jobs über Wasser gehalten." Das sei den meisten ihrer Freunde so ergangen, berichtet Schramm. "Irgendwann geht einem das Vagabundenleben auf den Geist und man sehnt sich nach einer Perspektive."

"Festanstellungen direkt nach dem Studium sind seltener geworden", stellt Karl-Heinz Minks, Absolventenforscher beim Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover, fest. Selbst bei Ingenieuren und Wirtschaftswissenschaftlern habe die private Wirtschaft mittlerweile die Vorteile von Zeitverträgen und Leiharbeit entdeckt. Das sei aber meistens nur vorübergehend: "Nach fünf Jahren beginnt die Konsolidierungsphase, spätestens nach zehn Jahren haben eigentlich alle Hochschulabsolventen eine unbefristete Festanstellung."

Anders als bei Geringqualifizierten sei die Leiharbeit bei Akademikern auch nicht mit Lohndumping verbunden. "Für Absolventen kann es anfangs durchaus interessant sein, auf diese Weise Erfahrungen in verschiedenen Firmen zu sammeln", sagt Minks.

Eine gute Gelegenheit, mangelnde Berufserfahrung auszugleichen, sei auch die Bachelor- oder Masterarbeit. Bei der Abschlussarbeit sollten Studenten sich fragen: "Kann ich mir durch das Thema eine spezielle Zusatzqualifikation verschaffen." Eine andere Möglichkeit sind Studentenjobs mit Praxisbezug. "Man sollte nicht kellnern, sondern sich lieber mit einer fachnahen Tätigkeit, etwa als Werksstudent oder Hilfswissenschaftler, etwas dazuverdienen", sagt Absolventenforscher Minks.

Vorstellungsgespräch Dürfen Sie bei diesen Fragen lügen?

Die wichtigste Einstiegshilfe bei fehlender Berufserfahrung bleiben jedoch Kontakte: "Jede vierte Stelle wird intern vergeben." Daher solle man möglichst vielen von der Arbeitssuche erzählen. Annette Schramm kam schließlich auf Umwegen zur Festanstellung. "Mein späterer Arbeitgeber hat meinen Blog gelesen und mich daraufhin angeschrieben", erinnert sie sich. "In meinem Twitter-Profil stand damals noch: ewige Praktikantin." Das ist nun seit zwei Jahren Geschichte.