Beruf Controller Oh je, ein Buchhalter!

Controller gelten als stets korrekt - und als humorlos, gehemmt und phantasielos. Andreas Hoffjan, Professor für Controlling, hat das Image des Berufsstands untersucht. Stimmen die Klischees?

Interview: J. Göres

Controller und Bilanzbuchhalter sind nicht gerade als Sympathieträger im Unternehmen bekannt, sie gelten eher als langweilige Sparkommissare und schlecht gelaunte Erbsenzähler. Dabei sind ihre Kompetenzen gerade in Krisenzeiten begehrt und hoch geschätzt, sagt Andreas Hoffjan, Professor für Unternehmensrechnung und Controlling an der Technischen Universität Dortmund, der das Image des Berufsstands untersucht hat.

Nur Zahlen im Kopf: Der Controller pocht oft auf seine Zahlen.

(Foto: Foto: iStock)

SZ: Sie haben analysiert, wie Controller und Bilanzbuchhalter in Werbeanzeigen dargestellt werden. Nennen Sie mal ein typisches Beispiel.

Hoffjan: Ein Software-Unternehmen veröffentlichte kürzlich eine ganze Seite in einer Fachzeitschrift mit dem Text: "Wir sind gespannt, wie lange Sie die Anzeige vor Ihrem Controller verbergen können." Im Hintergrund sah man einen bedrohlich wirkenden Mann mit Zigarre. Die Botschaft: Vor dem Controller haben alle Angst, denn er ist es, der das Reisebudget zusammenkürzt und auch sonst immer nur ans Sparen denkt.

SZ: Ist das Image denn nur negativ?

Hoffjan: Der Controller wird als sehr pflichtbewusst dargestellt, immer loyal gegenüber seiner Firma, rund um die Uhr arbeitend, stets korrekt und genau. Gleichzeitig wirkt er distanziert, humorlos, kontaktgehemmt, unflexibel - also einer, der nur an die Geschäftszahlen denkt und die Mitarbeiter mit seinen Sparappellen demotiviert. Das Bild des Bilanzbuchhalters ist ähnlich, aber nicht ganz so negativ. Er gilt als konservativer Mensch, der jedes Risiko ablehnt, aber weniger Konflikte mit den anderen Abteilungen hat, weil er niemandem etwas wegnimmt. Deswegen ist er nicht ganz so unbeliebt. Er wird zudem eher als Opfer dargestellt, das sich mit alter Technik herumschlagen muss. "Retten Sie Ihren Buchhalter mit neuer Software!" lautet zum Beispiel eine Werbeaussage.

SZ: Aber ist nicht auch etwas dran an diesem Image? Schließlich wird genau dieser Eindruck oft bestätigt, wenn man sich in Betrieben umhört.

Hoffjan: Die Werbung vermittelt das Bild, das Untergebene von einem Controller haben. Dabei ist seine nüchterne, emotionslose Art letztlich auch seine Stärke: Er darf sich von phantastischen Visionen der Geschäftsleitung nicht irreführen lassen, sondern muss die exakten Fakten im Blick haben. Die Werbung ist zu schablonenhaft, aber in Klischees steckt immer auch ein Stück Wahrheit. Eine oft berechtigte Kritik lautet, dass Controller und Bilanzbuchhalter vom eigentlichen Geschäft ihrer Firma zu wenig Ahnung haben und nur stur auf ihre Zahlen pochen.

SZ: Wählen eigentlich vor allem Menschen diesen Beruf, die dem Klischee entsprechen und lieber Zahlen betrachten als mit Menschen zu reden?

Hoffjan: Man müsste ihr Persönlichkeitsprofil analysieren, um allgemeine Aussagen treffen zu können. Richtig ist, dass im Controlling Menschen arbeiten, die eine Affinität zu Zahlen haben und gut mit der EDV umgehen können. Dafür hapert es oft an der Kommunikation mit anderen Abteilungen - man nimmt sich nicht genügend Zeit, um anderen die eigenen Erkenntnisse zu vermitteln. Klar ist aber auch, dass man es in diesem Beruf nicht jedem recht machen kann. Man braucht ein dickes Fell und muss mit Penetranz auf Gegenmaßnahmen dringen, wenn die Zahlen aus dem Ruder laufen. In der Praxis ergreifen vor allem Männer den Beruf des Controllers. Frauen zieht es eher in die weicheren Fächer Marketing und Personal, wo menschliche Beziehungen eine stärkere Rolle spielen.

SZ: Müssen sich also die schätzungsweise 52.000 Controller und 10.000 Bilanzbuchhalter in Deutschland damit abfinden, unbeliebte Sonderlinge zu sein?

Hoffjan: Nein, ganz im Gegenteil: Gerade in Krisenzeiten wird auf genaue Zahlen mehr denn je Wert gelegt. Man sieht gegenwärtig ja, wohin es führt, wenn verlässliche Daten fehlen oder lange geschönt wurden. Das Studium ist sehr anspruchsvoll, aber wegen der großen beruflichen Möglichkeiten - zum Beispiel auch in der Unternehmensberatung - nach wie vor beliebt. In den Vorständen der deutschen Dax-Unternehmen gibt es viele Controller. Und auch die Bilanzbuchhalter in Deutschland sind angesichts der Internationalisierung der Rechnungslegung und immer komplizierterer Steuergesetze hochqualifizierte und begehrte Spezialisten.

Image ist alles

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