Physiologie Hormonfabrik Schilddrüse

Die Form der Schilddrüse erinnert an einen Schmetterling.

(Foto: Illustration: Jessy Asmus/SZ.de)

Die kleine Schilddrüse leistet Großes: Ihre Botenstoffe regeln den Energieumsatz, sorgen für normales Wachstum, stabile Knochen und eine gesunde Gehirnentwicklung.

Von Nina Buschek

Die Schilddrüse liegt unterhalb des Kehlkopfs. Sie besteht aus zwei miteinander verbundenen Lappen, die sich wie ein teigiger Schmetterling rechts und links an die Luftröhre schmiegen. Die kleine Drüse, bei gesunden Erwachsenen ist sie kaum so groß wie eine Walnuss, füllt den Platz zwischen den großen Blutgefäßen des Halses. Ein unscheinbares Organ, aber lebenswichtig.

Die Aufgaben

Die Botenstoffe der Schilddrüse wirken auf fast alle wichtigen Organe und Funktionen des Körpers. Sie steuern den Energieumsatz, bestimmen, ob der Stoffwechsel auf Hochtouren oder auf Sparflamme läuft. Abhängig davon ändert sich der Grundumsatz, werden Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße schneller oder langsamer verstoffwechselt. Auch die Körpertemperatur, der Mineralstoff- und Wasserhaushalt hängen von der Schilddrüsenfunktion ab.

Für das Körperwachstum und die Entwicklung von Zellen und Organen ist die Hormonfabrik im Hals besonders wichtig. Schon im Mutterleib steuern Schilddrüsenhormone die Reifung des Ungeborenen. Auch später, in der Kindheit und Jugend, sind sie für ein gesundes Heranwachsen von Körper und Geist unverzichtbar.

Schilddrüsenhormone lassen das Herz schneller und kräftiger schlagen, erhöhen den Blutdruck und beschleunigen die Atmung. Auch Magen und Darm, Nerven und Muskeln sind auf eine gesunde Schilddrüse angewiesen. Sie beeinflusst sogar das Gedächtnis, das Schlafbedürfnis, die sexuelle Lust, die Fruchtbarkeit und das Wachstum von Haut, Haaren und Nägeln.

Die Hormone

Die Schilddrüse bildet zwei Hormone: Trijodthyronin und Tetrajodthyronin (Thyroxin), kurz T3 und T4. Sie bestehen aus Jod und Eiweißbausteinen und unterscheiden sich nur in der Anzahl der Jod-Atome. T3 enthält drei Jodteilchen, T4 vier.

Das Spurenelement Jod wird mit der Nahrung aufgenommen. Fehlt Jod, kann die Schilddrüse nicht ordnungsgemäß arbeiten. Der Bedarf ändert sich den verschiedenen Lebensphasen. Besonders viel Jod brauchen Schwangere und Stillende, denn sie müssen das Baby mitversorgen. Heimische Lebensmittel sind in Deutschland oft jodarm. Die Einführung von Jodsalz hat die Versorgung verbessert, sodass die Weltgesundheitsorganisation Deutschland heute nicht mehr als Jodmangelgebiet einstuft. Schwangere und Stillende sollten trotzdem zusätzlich Jod in Tablettenform einnehmen.

So viel Jod braucht der Mensch pro Tag

Säuglinge bis 4 Monate: 40 µg

Säuglinge 4 Monate bis 12 Monate: 80 µg

Kinder 1 bis 4 Jahre: 100 µg

Kinder 4 bis 7 Jahre: 120 µg

Kinder 7 bis 10 Jahre: 140 µg

Kinder 10 bis 13 Jahre: 180 µg

Jugendliche und Erwachsene 13 bis 51 Jahre: 200 µg

Erwachsene ab 51 Jahre: 180 µg

Schwangere: 230 µg

Stillende: 260 µg

(Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung)

Mehr über den Nährstoffbedarf für werdende Mütter lesen Sie auch in unserem Ratgeber Schwangerschaft.

Die Schilddrüse speichert T3 und T4 und gibt die Hormone bei Bedarf in den Kreislauf ab. Auf dem Blutweg gelangen sie zu den Organen des Körpers. T3 ist das biologisch wirksame Schilddrüsenhormon, T4 seine Speicher- und Transportform. Es wird im Zielgewebe in T3 umgewandelt.

Der Regelkreis

Dass im Blut exakt die Menge an Schilddrüsenhormonen verfügbar ist, die der Organismus gerade braucht, regeln übergeordnete Bereiche im Gehirn. Der Hypothalamus, die zentrale Stoffwechsel-Schaltstelle im Zwischenhirn, verwaltet Informationen über Körpertemperatur, Nahrungsaufnahme und Stoffwechsel und bildet Steuerhormone, darunter TRH (Thyreotropin Releasinghormon). Dieser Botenstoff erreicht die Hirnanhangsdrüse (auch Hypophyse genannt), eine weitete Steuerzentrale des Hormonhaushalts, und stimuliert die Freisetzung von TSH (Thyreoideastimulierendes Hormon oder Thyreotropin). TSH gelangt auf dem Blutweg zur Schilddrüse und sorgt dafür, dass die Schilddrüse Jod aufnimmt, die Hormonproduktion ankurbelt und T3 und T4 aus den Speichern ausschüttet. Mit steigender Konzentration freier Schilddrüsenhormone im Blut drosseln die aktivierenden Zentren im Gehirn ihre Aktivität.

Ratgeber Schilddrüse