Physiologie Das weiße Riechen

Ob Kaffee, verschwitzte Hemden oder Parfüm: Normalerweise hat alles seinen charakteristischen Geruch. Doch es gibt Umstände, unter denen für den Menschen alles gleich duftet.

Von Sebastian Herrmann

Wenn alle drei Zapfentypen auf der Netzhaut im Auge mit ähnlicher Intensität angeregt werden, da nimmt ein Mensch das Licht als weiß wahr. Und wenn er viele Geräusche mit verschiedenen Frequenzen hört, dann fügen sich diese zum sogenannten Weißen Rauschen zusammen. Neurobiologen um Tali Weiss vom israelischen Weizmann Institut berichten nun in den Proceedings of the National Academy of Sciences (online), dass es auch bei Gerüchen einen vergleichbaren Effekt gebe, das olfaktorische Weiß.

Die Wissenschaftler ließen ihre Probanden an insgesamt 86 verschiedenen Duftstoffen schnuppern, deren Noten von grässlich bis sehr angenehm reichte. Schließlich verdünnten Weiss und ihre Kollegen die einzelnen Stoffe so weit, dass sie jeweils mit der gleichen Intensität dufteten. Dann stellten sie damit Mischungen her, die bis zu 43 einzelne Substanzen enthielten. Schließlich ließen sie ihre Probanden an verschiedenen Mischungen schnuppern und baten sie, diese zu vergleichen.

Enthielten die Mixturen weniger als 20 einzelne Substanzen, konnten die Testpersonen diese anhand des Geruchs unterscheiden. Mit mehr als 20 Stoffen fiel ihnen dies deutlich schwerer. Und sobald sich die Duftmischungen aus 30 und mehr einzelnen Komponenten zusammensetzten, rochen sie für alle gleich: Die Probanden konnten sie selbst dann nicht mehr unterscheiden, wenn kein einziger Stoff in beiden Mischungen enthalten war.

In der Natur sei dieses olfaktorische Weiß wahrscheinlich nicht zu finden, schreiben die Forscher. Denn in der Regel haben alle Düfte - wie etwa Kaffee, verschwitzte Hemden oder Parfums - eine, beziehungsweise wenige sehr dominante Komponenten. Deshalb sind diese Düfte stets sehr charakteristisch, obwohl sie sich teils aus Hunderten Stoffen zusammensetzen.