Pflegeheime Kontrolle, bitte

Die Noten von Altenheimen können leicht geschönt werden. Trotzdem haben die Kontrollen etwas gebracht.

(Foto: dpa)

Die Einführung von Noten für Pflegeheime war eine riesige Enttäuschung. Und doch hatte sie auch ihr Gutes: die Kontrollen, die den Noten vorausgehen. Dadurch hat sich einiges gebessert. Wichtiger als Prüfer wäre aber eine ganz andere Sache.

Kommentar von Nina von Hardenberg

Kaum je hat ein Gesetz so enttäuscht wie die Einführung der Noten für Pflegeheime. Gigantische Hoffnungen hingen an dieser Lieblingsforderung der Pflegekritiker: Schlechte Heime sollten gekennzeichnet, alte Menschen geschützt werden. Nichts davon hat das wachsweiche Notensystem erreicht. Zu leicht können Heime schlechte Pflege aufwiegen, indem sie etwa mit einem schön gestalteten Speiseplan punkten. Und trotzdem zeigt sich, dass das Gesetz wichtig war. Die Notengebung ist zwar unsinnig - segensreich aber sind die Kontrollen, die den Noten vorausgehen.

In mehr als 12 000 Heimen und 11 000 Pflegediensten tauchen die Prüfer jedes Jahr unangemeldet auf. Waren diese Besuche anfangs verhasst, so haben die Kontrolleure inzwischen gelernt, konstruktiv aufzutreten und Anregungen zur Verbesserung zu geben. Die Zahlen sprechen für einen Erfolg: Alte Menschen werden in der Pflege inzwischen seltener festgegurtet oder hinter Bettgitter gesperrt. Sie liegen sich auch seltener wund. Kontrolle ist also gut. Wo viele Menschen leben, die sich nicht selbst gegen Übergriffe wehren können, wird sie immer nötig sein.

Wichtiger als die Besuche der Prüfer wäre allerdings eine gesellschaftliche Kontrolle. Erst wenn sich Heime dem Stadtteil öffnen, wenn Angehörige und Nachbarn selbstverständlich vorbeikommen, wird es von selber seltener zu Missständen kommen.

Ergebnisse des vierten Pflege-Qualitätsberichtes des MDS

(Foto: SZ-Grafik: Hanna Eiden)