Mikroben in der Mundhöhle Wie Parodontitis entsteht

Erst langsam beginnen Forscher die Vorgänge zu verstehen, die zu Parodontitis führen. Die Entzündung wird von einem komplexen Zusammenspiel vieler verschiedener Bakterienarten ausgelöst.

Von Thomas Wagner-Nagy

Wenn sich Parodontitis bildet, ist dafür das Zusammenspiel vieler verschiedener Bakterienarten verantwortlich. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Universitäten Bielefeld und Münster in einer Studie im Online-Fachmagazin PloS One. Um die Entstehung der Krankheit besser zu verstehen, müsse man das Mikrobiom der Mundhöhlealso die Gesamtheit der dort lebenden Mikroorganismen, berücksichtigen.

Statt wie in bisherigen Ansätzen nur fünf oder sechs Bakterienarten zu betrachten, wählten die Forscher einen sogenannten metagenomischen Ansatz. Die molekulargenetische Methode ermöglicht es, das Erbgut aller im Mund lebenden Organismen durch eine DNA-Sequenzierung zu analysieren. Im menschlichen Mund leben bis zu 700 verschiedene Bakterienarten. Die meisten von ihnen sind harmlos oder sogar wichtig für die Verdauung.

Das Team um Sebastian Jünemann untersuchte vier Patienten mit schwerer chronischer Parodontitis. Alle Probanden erhielten eine Zahnreinigung, bei der bakterielle Beläge entfernt wurden. Anschließend erhielten zwei Patienten zusätzlich Antibiotika. Wie wirksam diese Behandlung ist, sei häufig unklar, schreiben die Autoren in ihrer Studie. Die Analyse des Mikrobioms nach erfolgreicher Behandlung ergab, dass sich mit und ohne Antibiotika-Gabe bei allen vier Probanden etwa gleich viele harmlose Bakterienarten in der Mundhöhle befanden.

Um die großen Datenmengen auswerten zu können, musste das Team eigens ein automatisches Analysesystem entwickeln. "Es ist nötig, alle Mikroorganismen im Mundraum zu erfassen und zu beobachten, wie diese Lebensgemeinschaft auf die Behandlung reagiert. Nur so kann man verstehen, ob und weshalb eine Behandlung wirkt", sagt Dag Harmsen von der Poliklinik für Parodontologie der Universität Münster. "Parodontitis ist eine komplexe Erkrankung die sich nicht auf einige wenige Bakterienarten reduzieren lässt."

Die Erforschung von Mikrobiomen entwickelt sich derzeit zum biomedizinischen Trend. Erst kürzlich hatten Forscher in einem Großprojekt den Mikrokosmos von 18 Körperstellen bei 242 Freiwilligen untersucht.