Luftverschmutzung Feinstaub mindert Überlebenschancen nach Infarkt

Eine Demonstration gegen die Belastung durch Feinstaub in München.

(Foto: lok)

Luftverschmutzung kann nicht nur das Herz krank machen. Wer bereits einen Infarkt hatte, der riskiert in einer Gegend mit hoher Feinstaubbelastung sogar sein Leben.

Von Christina Berndt

Luftverschmutzung verursacht nicht nur Herzkrankheiten. Wer bereits einen Herzinfarkt erlitten hat und in einer Gegend mit hoher Luftverschmutzung lebt, stirbt auch eher, mahnen britische Wissenschaftler (European Heart Journal, online).

Die Epidemiologen um Cathryn Tonne von der London School of Hygiene & Tropical Medicine haben circa 150.000 Patienten nachverfolgt, die wegen eines Herzinfarkts in ein Krankenhaus gebracht wurden. Die Todesrate stieg um 20 Prozent an, wenn sich die Feinstaubbelastung der Luft von zehn Mikrogramm pro Kubikmeter auf 20 verdoppelte.

Wo die Luft wie stark verpestet ist Der SZ-Feinstaub-Atlas

Dabei rechneten die Wissenschaftler unter anderem heraus, wie der Gesundheitszustand der Menschen war, wie alt und welchen Geschlechts sie waren und ob sie rauchten.

Die Todesraten von Herzinfarktpatienten ließen sich um zwölf Prozent senken, wenn diese Menschen keinem Feinstaub aus Auto- und Industrieabgasen ausgesetzt wären, folgert Tonne. Feinstaub ist deshalb so gefährlich, weil die winzigen Teilchen nahezu ungefiltert bis in die kleinsten Verästelungen der Atemwege gelangen können.

Schon früher war aufgefallen, dass Menschen aus niedrigeren sozialen Schichten nach einem Herzinfarkt schlechtere Überlebenschancen haben. Dies war vor allem auf ihren oft weniger gesundheitsbewussten Lebensstil zurückgeführt worden. Doch sozial Schlechtergestellte wohnen auch häufiger an vielbefahrenen Straßen.

"Luftverschmutzung könnte zumindest zum Teil die Unterschiede in der Prognose bei unterschiedlichem sozialen Hintergrund erklären", sagt Tonne.

Die Todesfälle durch verschmutzte Luft ließen sich von derzeit geschätzten 1,34 Millionen jährlich auf eine Million senken, kommentiert Pier Mannucci vom Mailänder Poliklinikum - wenn Regierungen die Feinstaubbelastung in Städten niedrig hielten.