Homöopathie Hilfe, ein Wirkstoff im Kügelchen

Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnt vor homöopathischen Mitteln gegen Infektionen, weil darin Penicillin entdeckt wurde. Das könnte sie zwar zu wirksamen Medikamenten machen. Aber Homöopathika sind sie so eben nicht mehr.

Von Markus C. Schulte von Drach

Skeptiker werden sich ein Grinsen nicht verkneifen können, wenn sie auf die Ironie dieser Meldung stoßen: Die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA hat einen Rückruf für sechs homöopathische Mittel der Firma Terra-Medica veröffentlicht, weil diese offenbar Wirkstoffe enthalten.

Normalerweise zeichnen sich Homöopathika gerade dadurch aus, dass sie so stark verdünnt werden, bis keine oder kaum noch Wirkstoffe enthalten sind. Homöopathen gehen davon aus, dass gerade dies ihren Effekt verstärkt. Wie das funktionieren soll, ist völlig unklar. Auch würden die Mittel demnach nicht den Naturgesetzen unterliegen.

Trotzdem sind viele Menschen von ihrer Wirksamkeit überzeugt, was sich auf einen Placeboeffekt und die intensive Betreuung der Patienten durch die Homöopathen zurückführen lässt.

Aus Sicht der Gesundheitsbehörden besitzen homöopathische Mittel einen Sonderstatus, gerade weil sie eigentlich ohne Wirkstoffe auskommen und demnach harmlos sind. Sie bestehen lediglich aus wässrigen oder leicht alkoholischen Lösungen oder Milchzucker. Sie müssen deshalb - anders als echte Medikamente - auch keinen Wirksamkeitsnachweis erbringen.

Terra-Medica bewirbt die nun betroffenen Produkte eigentlich damit, dass sie gegen Entzündungen und Infektionen helfen, ohne "traditionelle Antibiotika" zu enthalten. Doch der FDA zufolge können ausgerechnet in einigen Mitteln der sogenannten Pleo-Sanum-Reihe Penicillin oder Penicillin-Derivate enthalten sein. Vermutlich sind diese bei der Herstellung durch unerwünschte Gärungsprozesse entstanden.

Das Unternehmen ruft nun "freiwillig" 56 Chargen zurück, darunter Tropfen, Tabletten, Kapseln und Salben. Denn zum einen sollen die Mittel zwar wie Antibiotika wirken - aber eben ohne Antibiotika zu sein. Zudem sind sie gefährlich für Menschen mit Penicillin- bzw. β-Lactam-Allergie. Ihnen drohten allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock, warnt die FDA.

Es ist nicht das erste Mal, dass homöopathische Mittel Substanzen enthalten, die gefährlich sein können. So hatte die FDA 2009 vor einigen Produkten der Firma Zicam gewarnt. Die zinkhaltigen Mittel zur Anwendung über die Nase hatten bei etlichen Menschen zum Verlust des Geruchssinns geführt. Und 2010 musste die Firma Hyland Tabletten für zahnende Kinder zurückrufen, die Belladonna enthielten, einen gefährlichen Wirkstoff der Tollkirsche. Die FDA hatte Berichte über Symptome bei Kindern erhalten, die zu einer Vergiftung mit der Substanz passten.

Für Skeptiker wie den Briten Michael Marshal ist es schon gefährlich genug, dass manche Patienten auf wirkungslose Mittel setzen statt auf echte Medizin. Dass Homöopathika zurückgerufen werden müssten, weil sie tatsächlich Wirkstoffe enthalten, sei zwar irgendwie lustig, sagte er dem Magazin Wired. Doch die Fehler bei der Produktion stellen ein weiteres Risiko für die Patienten dar.

Sein Rat ist deshalb: "Lasst die Zuckerpillen im 19. Jahrhundert, wo sie hingehören."

Alles nur Einbildung?

Kaum ein Thema in der Medizin ist ideologisch so umstritten wie die Homöopathie. Helfen Globuli und Co. wirklich über den Placebo-Effekt hinaus? Ein reicher Amerikaner hat nun sogar ein Preisgeld in Millionenhöhe ausgelobt, wenn endlich der Beweis angetreten wird, dass die Mittel tatsächlich wirken. Eine Videokolumne. mehr ...