England Rauchverbot erspart jährlich 11 000 Kindern einen Krankenhausbesuch

Seit 2007 gilt in England ein öffentliches Rauchverbot. Die Folgen für die Gesundheit der Kinder von Rauchern sind unübersehbar.

Von Christopher Schrader

Englische Pubs ohne Tabakschwaden - das konnte sich kaum jemand vorstellen, bis die Engländer 2007 ein Nichtraucherschutzgesetz erließen. Es gilt nicht nur in Kneipen, sondern in allen öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln. Seit es in Kraft ist, bleibt jedes Jahr 11 000 Kindern ein Krankenhausaufenthalt wegen akuter Atemwegsbeschwerden erspart. Die Rate an Aufnahmen in die Klinik sank um 3,5 Prozent, berichtet das Forscherteam um Jasper Been von der University of Edinburgh. Bei gefährlichen Infektion des unteren Atemtrakts, Bronchitis oder Lungenentzündung, ging die Quote, bezogen auf 1000 Kinder, um fast 14 Prozent zurück.

Insgesamt haben die Forscher mehr als 1,6 Millionen Krankenhausbesuche zwischen 2001 und 2012 ausgewertet. Sie bestimmten zunächst das Muster der Erkrankungen im Jahresverlauf: Am häufigsten kamen Eltern mit Kindern im November und Dezember ins Krankenhaus. Danach fiel die Zahl bis Juli langsam ab. Das Muster änderte sich, nachdem das Rauchverbot in England am 1. Juli 2007 in Kraft getreten war. Zwar blieben die Spitzenwerte im Herbst unverändert, aber zwischen Januar und Mai sanken die Aufnahmezahlen (European Respiratory Journal, online).

Anteil der Raucher an der Bevölkerung weltweit

Öffentliches Rauchverbot verändert Gewohnheiten

Der Nichtraucherschutz zeigte also die größte Wirkung, wenn die Erkältungssaison ihren Höhepunkt überschritten hatte. "Passivrauchen führt ja meist nicht selbst zu einer Infektion, sondern erhöht die Anfälligkeit für Erreger und verschärft den Krankheitsverlauf", sagt Jasper Been. Werden Kinder vor Qualm geschützt, kann ihr Körper besser mit Keimen fertigwerden. "Aus dem Tabakrauch geraten ultrafeine Partikel bis in die Lungen der Kinder", bestätigt Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg: "Es ergibt viel Sinn, dass die schöne und valide Studie einen größeren Effekt bei Infektionen der unteren Atemwege zeigt."

Geholfen hat vermutlich, dass das öffentliche Rauchverbot auch die Elternhäuser der Kinder verändert hat. Statt zu Hause umso mehr zu qualmen, weil sie es bei der Arbeit und im Pub nicht mehr durften, hätten viele Erwachsene den Konsum in der Wohnung eingeschränkt, schreiben die Forscher. Das gelte auch für Deutschland, sagt Pötschke-Langer: "Mit dem öffentlichen Nichtraucherschutz ab 2008 hat sich die soziale Akzeptanz für das Rauchen in Anwesenheit Dritter deutlich verringert." Nach Zahlen des DKFZ verkniffen sich 2009 fast 70 Prozent der Raucher Zigaretten in der eigenen Wohnung, wenn sie dort mit einem bis zu fünf Jahre alten Kind lebten. 2007 waren es nur 54 Prozent.

Der Effekt von Rauchverboten ist inzwischen gut belegt. Jasper Been hatte zuvor gezeigt, dass die Klinikbesuche von Kindern mit Asthma nach Erlass der Regel um zehn Prozent zurückgegangen sind. Bei einer Bremer Studie erlitten erwachsene Passivraucher 26 Prozent weniger gefährliche Herzinfarkte. Internationale Studien berichten von 16 Prozent weniger Schlaganfällen und 24 Prozent weniger Atemwegsleiden.