Eizellen einfrieren Kinderglück auf Eis

Was spricht eigentlich gegen künstlich erzeugtes Leben? Nach Joachim Schummer gibt es keine theologischen oder ethischen Argumente dagegen. 

(Foto: dpa)

Kinder oder nicht? Um diese zentrale Entscheidung aufzuschieben, lassen immer mehr Frauen ihre Eizellen einfrieren. Das "Egg Freezing" erhöht die Chance auf das Wunschkind auch im höheren Alter enorm. Risikofrei ist die Methode jedoch weder für die Mutter noch das Kind.

Von Christina Berndt

Uhren, die laut ticken, können nervtötend sein. In ganz Deutschland ticken ständig solche Uhren, nicht nur an den Wänden. Kinderlose Frauen hören sie von überall. Ungefähr von ihrem 34. Geburtstag an. Da ist das Ticken noch recht leise, aber es wird mit jedem Lebensjahr zuverlässig lauter: Wenn du ein Kind willst, sagt das Ticken, musst du dich langsam beeilen.

Es gibt Frauen, die sofort die Pille absetzen, wenn sie das Ticken ihrer biologischen Uhr zum ersten Mal vernehmen. Es gibt Frauen, die das Ticken noch eine ganze Weile ertragen. Und, ja, das wird oft vergessen, es gibt auch Frauen, denen ihre biologische Uhr völlig egal ist, weil sie schon früh in ihrem Leben herausgefunden haben, dass sie niemals Mutter werden wollen.

Neuerdings aber gibt es noch eine vierte Gruppe. Man mag sie, je nach Blickwinkel, die Karrierebesessenen nennen, die Zögerlichen, die Ängstlichen, die Einsamen - oder aber die Weisen und Tatkräftigen: Diese Frauen legen ihre biologische Uhr einfach auf Eis. Sie geben ihrem Arzt ein paar Tausend Euro, ertragen eine Hormonkur und eine Bauchpunktion und lassen schließlich einige ihrer Eizellen bei minus 196 Grad Celsius in einem Stickstofftank verschwinden. So lange, bis sie sich bereit fühlen für Kinder. Und vielleicht schon zu alt sind, um auf natürlichem Weg schwanger zu werden.

Dann können die eingelagerten Eier künstlich befruchtet und zurückgegeben werden. "Egg Freezing", wie die Methode genannt wird, ist eine ziemlich pragmatische Lösung, um das nervtötende Ticken ein paar Jahre lang nicht mehr hören zu müssen.

"Plötzlich ist der Druck weg", sagt auch Christy Jones, die in den USA mit ihrer Firma "Extend Fertility" bereits seit zehn Jahren die Möglichkeit anbietet, Eizellen für später aufzuheben. In Deutschland ist das Verfahren relativ neu.

Jones wehrt sich gegen den Vorwurf, sie würde nur die Sorgen junger Frauen ausnutzen. "Egg Freezing bietet neue Lebensperspektiven", sagt die Absolventin der Harvard Business School selbstbewusst. Frauen sehnten sich nach ein bisschen zeitlichem Aufschub. Das wisse sie selbst nur zu gut. Ihre erste Kundin war sie selbst. Mit 34 Jahren.

Tatsächlich gibt so ein Röhrchen mit eisigen Eizellen vor allem gefühlte Sicherheit. Die Entscheidung für Nachwuchs muss nicht mehr sofort fallen. Man kann noch reisen, an der Karriere feilen, den richtigen Mann finden. Der fehlende Partner ist schließlich einer der häufigsten Gründe für Kinderlosigkeit. Oder man kann noch aus Krisengebieten berichten, wie jüngst eine Spiegel-Reporterin schrieb, die seit Kurzem 16 ihrer Eizellen in einer Münchner Praxis lagert. Ihr Alter: 34.

Der lange Weg zur Zeugung

mehr...