DNA-Analyse Wieso Bettwanzen resistent sind

Bettwanzen sind enervierend - und inzwischen resistent gegen Insektizide.

(Foto: dpa)
  • In den USA klagen Hoteliers vermehrt über Bettwanzen.
  • Die Tierchen lassen sich nicht mehr mit gewöhnlichen Insektiziden vernichten.
  • Forscher haben das Erbgut der Tiere untersucht und drei Mechanismen gefunden, mit denen sich die Wanzen gegen Gift verteidigen.
Von Mathias Tertilt

Ein süßlicher Geruch im Hotelzimmer ist der Vorbote allen Übels. Was da duftet, ist nicht das Hotelspray, es sind Bettwanzen. 60 Jahre lang gab es nur wenig Probleme mit den Tierchen, doch damit scheint jetzt Schluss. Die Blutsauger sind wieder zurück, sie hinterlassen Juckreiz und Hautauschläge als Urlaubserinnerungen.

Lange Zeit half der intensive Einsatz von Insektiziden gegen die Krabbeltierchen. Jetzt zeigt sich: Die Wanzen sind resistent gegenüber herkömmlichen Giften. Überall auf der Welt warten Bettwanzen (Cimex Lectularius) darauf, Urlaubern nachts Blut abzusaugen. "Mittlerweile hat es kritische Zustände erreicht. Alle großen Städte in Amerika haben Probleme damit", sagt Insektologe Ameya Gondhalekar von der Purdue University in Indiana. Doch wie konnten sich die Tiere an die Giftstoffe gewöhnen? Wissenschaftler haben nun das Erbgut der Tiere untersucht und drei erstaunliche Mechanismen gefunden. Ihre Ergebnisse haben sie im Fachmagazin Nature Communications veröffentlicht.

USA Bettwanzen trotzen Insektiziden

Das Bettwanzen-Problem der USA vergrößert sich: Die Tiere werden gegen die gängigsten Mittel resistent.

Mechanismus eins: Proteine an der Außenhaut der Wanzen verhindern, dass Giftstoffe in ihren Körper eindringen. Sollte das nicht ausreichen, greift Mechanismus zwei. Womöglich, so vermuten die Forscher, helfen bestimmte Proteine, das Blut der Tiere zu entgiften. Und schließlich wirkt Mechanismus drei: Damit häufig eingesetzte Gifte, sogenannte Pyrethroide, nicht das Nervensystem der Tiere angreifen, haben die Wanzen neue Kanäle in ihren Nervenzellen entwickelt, die nicht mehr auf den Wirkstoff reagieren.

Zufällig DNA-Raub

Überrascht hat die Forscher, dass viele Gene der Bettwanzen ursprünglich von Insekten-Bakterien stammen. Die Zellen haben im Laufe der Zeit das fremde Bakterienerbgut zufällig gekapert. Damit können die Wanzen ungewohnte Substanzen verdauen. "Es ist einmalig, dass dieser Gentransfer hunderte Male passiert und dann auch noch ein funktionales Gen dabei herumkommt", sagt Joshua Benoit von der University of Cincinnati. Die fremden Gene könnten erklären, warum die Tiere heute gegen Gift resistent sind.

Die Wissenschaftler hoffen nun, dass zum Beispiel die Gene und Proteine für die Außenhaut der Tiere als Ansatz für neue Insektizide dienen. Die Entwicklung könnte allerdings noch dauern.

Unbemerkter Biss

Die Analyse der DNA hat noch weitere Einsichten geliefert. Wenn die nachtaktiven Tiere Menschen beißen, geschieht das meist unbemerkt. Die Gene zeigen, dass die Tiere einen komplexen chemischen Cocktail an Enzymen und Proteinen produzieren. Der Mix gelangt dann mit dem Wanzenspeichel in die Bisswunde und verhindert sowohl die Blutgerinnung als auch Entzündungsreaktionen. So bleibt die Bettwanze bei ihrer Blutmahlzeit unbemerkt. Erst am Morgen spüren die meisten Menschen starke Juckreize, die bis zu einer Woche anhalten können.

Hygiene Jedes Haus ein Reich voller Kleinstlebewesen

Käfer laben sich an abgeschnittenen Fingernägeln, Läuse an Topfpflanzen: Spinnen, Insekten und Mikroben passen sich dem Haushalt an. Manche lassen sich kaum mehr bekämpfen.

Solange neue Wanzenmittel auf sich warten lassen, sind Temperaturen von über 50 Grad eine effektive Methode, um die Tiere und ihre Eier zu töten. Wer im Urlaub von Wanzen geplagt wurde, sollte seine Koffer genau anschauen. Die Tiere überleben lange Zeit ohne Nahrung und gelangen über Kleidung und Gepäck in die heimische Wohnung.