Merkel in Not: Sie will weiter Steuersenkungen - doch die Staatsschulden überschreiten 2011 die Zwei-Billionen-Euro-Grenze.
Die Wirtschafts- und Finanzkrise wird die Verschuldung von Bund, Ländern und Gemeinden in den kommenden Jahren dramatisch in die Höhe treiben. Selbst wenn das Bruttoinlandsprodukt bereits im nächsten Jahr wieder steigen sollte, wird der Gesamtstaat 2010, spätestens 2011 die Schwelle von zwei Billionen Euro Schulden überschreiten. Damit kommen auf die öffentlichen Haushalte drastisch höhere Zinslasten zu. Der Spielraum für andere zusätzliche Ausgaben oder auch für Steuer- und Abgabensenkungen wird entsprechend kleiner.
Die Bewältigung der Krise wird teuer, auf Bund, Ländern und Gemeinden kommen deutlich höhere Schulden zu. (© Foto: dpa)
Anzeige
Ende vergangenen Jahres beliefen sich die Verbindlichkeiten von Bund, Ländern und Kommunen auf gut 1,6 Billionen Euro. Wie aus einer Aufstellung der Unions-Bundestagsfraktion hervorgeht, kommen jedoch bis 2013 allein auf den Bund neue Schulden in Höhe von insgesamt fast 500 Milliarden Euro zu. Das ist zwölf Mal so viel wie bisher geplant war. Größte Posten sind Steuerausfälle im Volumen von gut 120 Milliarden sowie Mehrausgaben für die Arbeitslosigkeit im Umfang von rund 95 Milliarden Euro.
Massiver Kreditbedarf
Zudem gehen die Haushälter von CDU und CSU davon aus, dass der Staat die angeschlagenen deutschen Banken mit insgesamt 100 Milliarden Euro wird stützen müssen. Allein für das laufende Jahr rechnen die Experten mit einem Kreditbedarf von 154 Milliarden Euro. Im geltenden Finanzplan, der vor Ausbruch der Wirtschaftskrise aufgestellt worden war, war noch von gerade einmal sechs Milliarden Euro die Rede gewesen.
Die Berechnungen der Unions-Haushälter erscheinen umso dramatischer, als sie auf optimistischen Annahmen beruhen. So wird zugrundegelegt, dass die Wirtschaft nach einem Absturz um sechs Prozent in diesem Jahr bereits 2010 wieder um 0,5 Prozent und in den Folgejahren sogar um jeweils 1,9 Prozent wachsen wird. Erweist sich dieses Positiv-Szenario als falsch, werden die Haushaltslöcher noch größer ausfallen. Zumindest die Haushaltspolitiker der Union halten die Steuersenkungsversprechen der eigenen Parteiführung deshalb für eine Irreführung der Wähler. "Wer so etwas verspricht, muss ziemlich verwegen sein", sagte ein CDU-Landesfinanzminister.
Merkel möchte Debatte beenden
Ungeachtet dessen beharrte die CDU-Spitze am Montag auf dem Plan, für die nächste Legislaturperiode Steuersenkungen zu versprechen. Allerdings wollte die CDU-Vorsitzende Angela Merkel den Eindruck vermeiden, mit völlig unglaubwürdigen Zusagen in den Wahlkampf einzusteigen.
Nach Berichten von Teilnehmern betonte Merkel in der Präsidiumssitzung sehr entschieden, dass sie für die nächste Legislaturperiode Steuersenkungen als Teil eines Gesamtpakets mit Schuldentilgung und Investitionen versprechen werde. In diesem Zusammenhang verlangte sie eindringlich, die derzeitige Debatte zu beenden. Zugleich aber sagte Merkel auch, man habe nicht vor, "den Menschen das Blaue vom Himmel zu versprechen". Damit wiederholte sie Äußerungen vom Wochenende, als sie im Fernsehen erklärt hatte, niemand wisse genau zu sagen, wann die Wirtschaft wieder Wachstum erreiche und die künftige Regierung damit Spielraum für die Umsetzung der Pläne erhalte.
Nachdem diese Linie auf Nachfrage Merkels bestätigt wurde, sollten nach Informationen der SZ am Montagnachmittag auch jene Präsidiumsmitglieder darauf eingeschworen werden, die nicht anwesend waren, sich in den letzten Tagen aber rege an der Debatte beteiligt hatten, darunter Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble.
Alt-Banker Ludwig Poullain über seine Erfahrungen mit der Politik und dem Whisky, dem Ende der WestLB und der europäischen Gemeinschaftswährung, die er für schädlich hält. Ein Interview Jetzt lesen ...
- Kritik an Steinbrück-Plänen SPD streitet über Bad Banks 11.05.2009
- Union Gegenwind für Merkels Steuerpläne 11.05.2009
- Konjunkturprognose Guttenberg prophezeit gigantisches Minus 28.04.2009
- Konjunktur Das Minus-Wunderland 23.04.2009
(SZ vom 12.05.2009/mel)
Facebook-Börsengang
Man reibt sich verwundert die Augen. Warum müssen Länder und Kommunen für Steuerausfälle entschädigt werden, die doch angeblich nur vorübergehend eintreten und doch angeblich Steuermehreinnahmen generieren sollen? Wenn durch die Steuergeschenke für Besserverdienende doch die Wirtschaft so gepusht wird, dass danach die Steuereinnahmen nur so sprudeln und die Steuersenkung ausgleicht, braucht doch kein Bundesland Angst vor der Pleite zu haben. Oder doch?
Wenn unser aller Kanzlerin, der Finanzminister und die Bundes-Leichtmatrosen von der FDP wegen solcher Bedenken nachgiebig reagieren (und noch höhere Schulden machen wollen) glauben sie also selbst nicht diesen Quatsch. Besserverdienende müssen halt für ihr Wahlverhalten belohnt werden. Die anderen Wähler sind sowieso dämlich, denkt man sich wahrscheinlich. Für Normalverdiener fallen ja auch ein paar Krümel ab. Letztere werden aber, in den nächsten Jahren und Jahrzehnten, den ganzen Schlamassel ausbaden, d. h., mit Zins und Zinseszins bezahlen müssen. O.-Ton Westerwelle (mit schlauer Stimme): Die Schulden von heute sind die Steuern von morgen!.
Was mir an der ganzen Debatte zu wenig bedacht wird, ist die Tatsache, dass offenbar die Politik es billigend in Kauf nimmt, dass der "Rettungsschirm" etc. eine Vereinnahmungsorgie ohne gleichen zu werden droht. An keiner Stelle wird ernstlich an eine Rückzahlung gedacht, wenn man einmal von vereinzelten Banken absieht. Und das sind die, deren Gage drastisch reduziert wurde. Und das sind beileibe nicht alle Bittsteller. Auch die Journalisten halten sich bei dieser Recherche auffällig zurück.
... aus dem vielleicht noch größer werdenden Schlamassel rauskommen sollen . Dafür werfen sich jetzt alle Parteien auf ein Ziel : ihre claims behalten und möglichst um ein oder zwei Punkte vergrößern . Das scheint - schlimmer als sonst üblich - nur so zu gehen , dass sie das ganze "Wahlvolk" für grenzdebil halten , siehe Wahl"Programme" , "Forderungen" , "Versprechen" . Lügen kann man das eigentlich schon nicht mehr nennen : die Zirkusleute wissen , dass "wir" wissen ...
Wäre an der Zeit , auch mal drüber nachzudenken , ob nicht diese Art von "Demokratie" "abgewrackt" werden sollte ...
vor der Tür und da will man auch den letzten Doofen, der durchs Isartor kommt, noch fangen...
...warum sind die Menschen dieses Landes so verblödet, dass sie genauso wie Frau M., der es nur um Machterhalt um jeden Preis geht, jeglichen Realitätsbezug verloren haben?
Steuersenkungen??? Wer in der jetzigen Situation mit solchen Phrasen Stimmen fängt, gehört vor ein Gericht oder in die Klapse und nicht in ein Parlament, aber da die Bevölkerungsmehrheit nun einmal dumm ist und mit Hilfe der Medien weiter dumm gehalten wird, ist bereits heute schon bekannt, wie diese "Wahl" ausgehen wird!
...und wenn der GAU kommt - und er wird kommen - dann hat die Majorität wieder einmal "von nichts gewusst"...
Wer schreit denn ständig nach dem lieben Staat. Die Gewerkschaften und seit neustem die unfähigen überbezahlten Manager. Frau Merkel hatte ja im Anfang der Krise gebremst, was völlig richtig war. Die Schreier sassen ja in der SPD und den Gewerkschaften. Klar und einige die halt ihre Fehlentscheidungen als Manager und Konzerneigentümer vom Staat finanzieren lassen wollten. Dass das mit Conti nicht gut gehen würde wussten alle. Aber nach dem Staat schreien konnten alle. Da wird dann schon mal die nicht geliebte Belegschaft auf die Strasse geschickt und ein paar Krokodilstränen vergossen. Wenn man wirklich etwas machen will, dann muss man den Mut haben, die Betriebe in den Konkurs gehen lassen. Dominoeffekt hin oder her, das weiss ein kein Mensch, ob das eintritt. Das Geld wäre in der Zukunft besser angelegt. Aber wir kappen uns das Geld in der Zukunft und geben es für eine Ungewisse Rettung aus. Frau Merkel hat sich dem lange widersetzt, was ihr aber nur Kritik einbrachte.
Paging