Vatikanbank Gottes neue Geldgeber

Sie schweigt wie ein Grab: Das Geschäftsmodell der Vatikanbank war bislang ganz auf Diskretion ausgelegt. Doch der Papst fordert ein neues Werteverständnis der Wirtschaft - und dazu passt nur Transparenz.

Von Stefan Ulrich, Rom

Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon", sagt Jesus. Ettore Gotti Tedeschi meint dagegen auf die Frage, wie viel Zeit er Gott und wie viel dem Geld widme: "Hundert Prozent dem einen, und hundert Prozent dem anderen."

Das mag nicht ganz im Sinn des Herrn sein, qualifiziert den 64-jährigen Italiener aber ungemein für seinen neuen Job. Ein Kardinalsgremium hat ihn gerade zum Aufsichtsratschef des "Instituts für die religiösen Werke" (IOR) erhoben. Hinter dem frommen Namen verbirgt sich die Bank des Papstes. Sie unterliegt keiner externen Bankenaufsicht, veröffentlicht keine Bilanzen, schweigt wie ein Grab und wird traditionell von dunklen Gerüchten begleitet.

Nun soll Gotti Tedeschi für mehr Transparenz sorgen. Dafür spricht, dass die Kardinäle fast den gesamten Aufsichtsrat neu besetzen, Vize wird der Deutsche Ronaldo Hermann Schmitz. Über die Gründe des Umbruchs schweigt die Kurie. In Finanzkreisen beim Vatikan heißt es aber, Benedikt XVI. habe in seiner Enzyklika "Caritas in Veritate" ein neues Werteverständnis der Wirtschaft gefordert. Dazu gehöre Transparenz. "Da muss man in den eigenen Reihen ein gutes Beispiel geben."

In den roten Zahlen

Offenbar will der Papst mit einer frischen Führung auch auf die weltweite Krise reagieren. Diese hat die Vatikanbank zwar weniger als andere getroffen, aber geschadet hat sie ihr auch. Der gesamte Vatikan wirtschaftet derzeit in den roten Zahlen. Das mögen Motive gewesen sein, den bisherigen IOR-Aufsichtsratschef Angelo Caloia vorzeitig auszutauschen.

Das Wall Street Journal zitiert einen Vatikanvertreter: "Das ist ein heikler Posten. Wir erwarten einen tiefen Wandel." Gotti Tedeschi, der neue Mann, könnte ein Vorzeigebanker Gottes werden. Der Vater von fünf Kindern arbeitete zuletzt als Italien-Chef der spanischen Großbank Santander.

Daneben unterrichtete er Finanzethik an der Katholischen Universität Mailand und schrieb Artikel für die Papstzeitung Osservatore Romano. Der dem Opus Dei verbundene Volkswirt bekennt sich zu einer moralisch unterfütterten Marktwirtschaft und missbilligt den Turbokapitalismus. Auch an Benedikts Sozialenzyklika soll er mitgewirkt haben. Unlängst schlug er vor, dem Papst den Wirtschaftsnobelpreis zu verleihen.

Fünf Milliarden Euro Anlagevermögen

Nun wird Gotti Tedeschi sein Mailänder Büro mit dem düsteren Nikolaus-Turm im Vatikan vertauschen müssen. Dort wachen die Vatikan-Banker über etwa fünf Milliarden Euro Anlagevermögen. Zu ihren Kunden zählen Vatikanmitarbeiter, Diözesen, Klöster, kirchliche Stiftungen und wer weiß noch wer. Ende der siebziger Jahre geriet das IOR unter seinem damaligen Chef, Casimir Marcinkus, in die Schlagzeilen.

Der Erzbischof betrieb waghalsige Geschäfte mit den Bankern Roberto Calvi und Michele Sindona. Angeblich soll die Mafia mitgemischt haben. Am Ende wurde Calvi erhängt unter einer Brücke gefunden, Sindona starb im Gefängnis an vergiftetem Kaffee. Der wegen Betrugs gesuchte Marcinkus floh vor der italienischen Justiz hinter die Mauern des Vatikans.

Für die Privatbank des Papstes gab es danach viel aufzuräumen. Nun, in Zeiten der Vertreibung aus den Steuerparadiesen, will auch die Kurie ihren Reformwillen demonstrieren. In Vatikankreisen weist man jedoch darauf hin, dass die Geheimhaltung ein Wettbewerbsvorteil sei für die Vatikanbank: "Sie wird sich weiter abschotten und bestimmt keiner italienischen oder europäischen Bankenaufsicht beugen."