Die griechische Regierung will umgehend "noch nie dagewesene" Schritte bekanntgeben, um die Staatsfinanzen zu sanieren. Die Helfer-Troika hat sie bereits überzeugt: Vertreter von EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds wollen nach Athen zurückkehren. Doch viele im Land zittern vor den neuen, drastischen Einschnitten.
Die griechische Regierung will ein Zeichen setzen und ihren Sparwillen demonstrieren. Noch am Mittwoch hat sie vor, neue Einschnitte bekanntzugeben. Die neuen Schritte stünden im Zusammenhang mit den Verhandlungen mit der Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU-Kommission, sagte ein Regierungssprecher.
Video
Eurokrise – Troika soll nach Athen zurückkehren (© Reuters)
Anzeige
Zuvor hatte Griechenland die Experten offenbar erfolgreich von seinen ernsthaften Sparbemühungen überzeugt und kann sich wieder Hoffnung auf die nächsten Notkredite machen. Zweieinhalb Wochen nach dem Abbruch der Troika-Mission in Athen bescheinigten die Troika-Experten Finanzminister Evangelos Venizelos am späten Dienstagabend in einer Telefonkonferenz "gute Fortschritte". Es werde nun erwartet, dass die unterbrochene Überprüfung der griechischen Konsolidierungsmaßnahmen "früh in der kommenden Woche in Athen wieder aufgenommen wird", hieß es in einer Erklärung der EU-Kommission.
Vertreter von EU, IWF und EZB würden in der kommenden Woche in Athen zurückerwartet, erklärte das griechische Finanzministerium. Venizelos kündigte an, er werde am Wochenende nach New York reisen, um auch den IWF über die Entschossenheit der griechischen Regierung zu informieren. Aus Kreisen des Ministeriums verlautete zudem, man sei zuversichtlich, dass die nächste Tranche aus dem Hilfspaket überwiesen werde. "Wir sind einer Einigung nahe."
Erst wenn die Troika der Regierung bescheinigt, dass das Konsolidierungsprogramm vollständig umgesetzt wird, kann die nächste Tranche an Notkrediten von acht Milliarden Euro an Athen überwiesen werden. Ohne diese Hilfe wäre Griechenland im Oktober pleite.
Fitch rechnet mit Pleite Griechenlands
Die Ratingagentur Fitch rechnet fest mit einer Pleite Griechenlands. Dennoch sei zu erwarten, dass der hochverschuldete Staat in der Eurozone bleibe, schrieb David Riley. Er ist bei Fitch für die Bonitätseinstufung von Staaten zuständig.
Portugals Ministerpräsident Pedro Passos Coelho warnte vor den Folgen einer griechischen Staatspleite für sein Land: "Wir sind am Rande einer Situation großer Unsicherheit, um nicht zu sagen eines möglichen Zahlungsausfalls eines Staates, sagte er dem Fernsehsender RTP. "Das könnte desaströse Konsequenzen für Portugal haben, vor allem für die Finanzierung der Banken und die Wirtschaft", sagte Coelho. Es wäre unverantwortlich, würde sich die portugiesische Regierung nicht auf den Fall einer Pleite Griechenlands vorbereiten. Portugal war nach Griechenland und Irland das dritte Euro-Land, das Hilfen von EU und IWF in Anspruchen nehmen musste.
Eine erste Telefonkonferenz mit dem griechischen Finanzminister Venizelos war am Montag noch ergebnislos auf Dienstag vertagt worden. Eigentlich sollte die nächste Kredittranche, die noch zum ersten Rettungspaket im Gesamtvolumen von 110 Milliarden Euro gehört, schon im September ausgezahlt werden. Nach dem Abbruch der Troika-Mission hatten die Euro-Finanzminister die Entscheidung über die Freigabe aber auf Oktober verschoben.
Ein Grund für das positive Votum der Troika könnte der Beschluss der griechischen Regierung sein, die Finanzierungslücke durch eine neue Grundsteuer zu füllen und diese per Stromrechnung einzuziehen. Allerdings hatte der IWF-Vertreter für Griechenland, Bob Traa, Ministerpräsident Giorgos Papandreou auch zur Beschleunigung der Strukturreformen gedrängt und mehr Tempo bei der Reform des Öffentlichen Dienstes angemahnt.
Zehntausende Entlassungen befürchtet
Die neuen Kürzungen, die Papandreous Kabinett nun beschließen will, wurden in griechischen Medien als "noch nie dagewesen" bezeichnet. Die griechischen Gewerkschaften befürchten, dass dabei Zehntausende Staatsbedienstete entlassen und Gehälter sowie Renten massiv gekürzt werden könnten. Zusätzlich könnten neue indirekte Steuern für Tabak und Spirituosen erhoben werden. Erwartet wird auch, dass das Heizen teurer wird, weil der Preis für Heizöl an den für Diesel angeglichen werden könnte. Außerdem soll die Immobilien-Sondersteuer eingeführt werden - jeder Haus- oder Wohnungsbesitzer soll je nach Wert der Immobilie zwischen 0,5 und 16 Euro pro Quadratmeter bezahlen.
Athen will den aufgeblähten Staatsapparat drastisch verkleinern. Die Zahl der Staatsbediensteten solle sich im Vergleich zu 2009 um 50.000 sofort und bis 2015 um weitere 100.000 verringern, schätzt die Presse in Athen. 117 staatlich unterstützte Betriebe sollen sobald wie möglich schließen. Im Staatssektor arbeiten nach offiziellen Angaben mehr als 700.000 Bedienstete, hinzu kommen rund 200.000 Mitarbeiter in staatlich subventionierten Unternehmen wie dem Fernsehen oder der Elektrizitätsversorgung. Die Gewerkschaften haben bereits Streiks für den 6. Oktober angekündigt.
- Athen und die drohende Staatspleite Griechen hoffen auf Ende der Zitterpartie 20.09.2011
- Reformen der griechischen Regierung In den Wind gesprochen 19.09.2011
- Rettungsbemühungen in der Eurokrise Ein Anruf, der über Griechenlands Zukunft entscheidet 19.09.2011
- Schuldenkrise in Griechenland Parlament in Athen billigt Sonder-Immobiliensteuer 28.09.2011
- Schuldenkrise Giorgos Papandreou Zuversicht beflügelt Dax 27.09.2011
- Attacken auf Politiker in Griechenland Auf sie mit Joghurt und Gebrüll! 27.09.2011
- Euro-Väter Arthuis und Waigel zur Euro-Krise "Der Stabilitätspakt ist ein Lügenpakt geworden" 27.09.2011
(dapd/dpa/Reuters/olkl/jab/moe)
Eurovision Song Contest
mehr fällt einem zu Griechenland nicht mehr ein. Es ist doch lachhaft die beschließen Maßnahmen im Wochentakt und das seid 2 Jahren und nichts davon wird umgesetzt.
Nein Resteuropa wird in einer art und weise verarscht, das einem dazu nichts anderes mehr einfällt.
Jetzt kommt noch so ein Schauspieler ins Rampenlicht der berluskoni macht es genau so wie die Griechen, nur hier hat es ernsthafte Folgen für uns alle, weil die Machtinhaber hierzulande fortdauernd und vorsätzlich gegen Ihren Amtseid verstoßen, erbärmlich, denn eine Oposition findet leider nicht statt.
Wenn es nicht bitterernst wäre und die EU-Steuerzahler nördlich der Alpen nicht bereits Milliarden bezahlt haben und noch zahlen werden, wäre das Griechische Drama zum todlachen.
Wenn Politiker wider jeden besseren Wissens und wider jede bisherige Erfahrung weiterhin das Gegeteil von dem tun, was jedermann und -frau mit gesundem Menschenverstand tun wüde, gibt es nur eine Erklärung: Machterhaltung und Individualinteressen zementieren - immer schön auf Kosten der Steuerzahler, welchen langsam dämmern sollte, welcher Krüppel die europäische Demokratie geworden ist!
Wie schlecht es den Mogelgriechen geht, sehen Sie hier!
Ein Bericht von Report Mainz:
http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=8621480/1womeua/index.html
Fast alle Maßnahmen Athens – bis hin zu der neuen Immobiliensteuer – gehen schlicht den Weg des geringsten Widerstandes. Sie fordern den Bürgern neue Opfer ab, ohne ihnen als Gegenleistung dafür die Hoffnung auf einen besseren Staat zu geben. Und das alles, weil die Regierung zu feige ist, gegen die alte Klientelwirtschaft vorzugehen. Schuld ist das marode korrupte System in das wir munter weiter unsere hunderte Milliarden pumpen. In Griechenland wird sich nichts, aber auch gar nichts ändern, sagen übrigens auch 9 von 10 Griechen. Die lachen sich über uns kaputt – erlebt kürzlich im Urlaub dort!
Einzige Lösung: Griechenland raus aus dem Euro und eine Euro-Reorganisation durch die Stabilitätsländer unter Beachtung von Lissabon-Vertrag bzw. No-Bail-Out-Klausel. Nur so kann ein Zeichen der Stabilität gesetzt werden, nur so können die Märkte beruhigt werden.
Der griechische Staat steht in der Schuld seiner Kreditgeber. Er stehe aber noch tiefer in der Schuld seiner Bürger. Und das sollte auch die Geldgeber interessieren. „Denn wenn die Bürger desertieren, dann können sie ihre Forderungen erst recht in den Wind schreiben.“
Zitat:
Athen (Reuters) - Griechenland muss seinem Finanzminister zufolge weiter sparen.
"Wir brauchen weitere Maßnahmen", erklärte Evangelos Venizelos am Mittwoch vor Abgeordneten des Parlaments im Vorfeld einer Kabinettssitzung. Es wird erwartet, dass die zusätzlichen Sparmaßnahmen nach der Sitzung bekanntgegeben werden. Sie stehen in Zusammenhang mit den laufenden Verhandlungen mit der Troika aus EU, EZB und IWF. Ohne die Kontrollen der Troika wären die Finanzen des Landes entgleist, sagte Venizelos. Falls die Troika dem hoch verschuldeten Land Fortschritte beim Sparprogramm attestiert, kann Griechenland auf die Auszahlung der nächsten Hilfstranche hoffen.
Zitat Ende:
No comment!
Paging