Studie über Weihnachten Cash for Christmas

1750 Bundesbürger wurden befragt: Bargeld steht bei ihnen an der Spitze der Wünsche für Weihnachten, zum ersten Mal. Ein Trend, auch in anderen Ländern. Das sind die Ergebnisse der wohl größten Studie, die es über weihnachtliches Konsumverhalten gibt.

Von Harald Freiberger

Es ist wohl die größte Studie, die es über Weihnachten gibt: Seit 15 Jahren befragt die Unternehmensberatung Deloitte Bürger über ihr Kaufverhalten zum Fest. Diesmal waren es 18.500 Verbraucher in 18 Ländern Europas und in Südafrika, darunter 1750 Bundesbürger. Die wichtigsten (und teils sehr überraschenden) Ergebnisse:

[] Bargeld statt Buch

Ist es ein Ausdruck der Krise? Nichts wünschen sich die Bundesbürger in diesem Jahr sehnlicher als Geld. Erstmals steht bei den Deutschen der Wunsch danach an der Spitze der Weihnachtswünsche. 46 Prozent der Befragten hätten gern Bares unter dem Christbaum. Der Vorjahressieger, das klassische Buch, ist dagegen mit 41 Prozent auf den zweiten Platz zurückgefallen. Übrigens ist das ein weltweiter Trend: In 15 der 19 Länder dominiert der Geldwunsch. Im letzten Jahr war das Verhältnis noch umgekehrt: In 13 von 18 Ländern wünschten sich die Verbraucher an erster Stelle ein Buch.

[] Wunsch und Wirklichkeit

Viele Menschen dürften an Weihnachten enttäuscht sein. Denn die Studie offenbart eine große Kluft zwischen dem, was sich die Leute wünschen und dem, was sie kriegen. Gefragt, was sie denn verschenken werden, antworteten die Deutschen am häufigsten mit Buch (41 Prozent), nur 20 Prozent wollen Bargeld geben, nach dem sich die Deutschen so sehr sehnen. An zweiter Stelle bei den verschenkten Sachen kommt schon Schokolade (28 Prozent). Europaweit gibt es eine klare Trendwende: Im Vorjahr wurde in den meisten Ländern am häufigsten Parfüm verschenkt, in diesem Jahr ist es das Buch. Peter Thormann, der bei Deloitte den Konsum-Bereich leitet, vermutet auch dahinter ein Krisensymptom: "Parfüm wird eher als Luxus empfunden, der Trend geht in schlechten Zeiten zu handfesten, pragmatischen Geschenken."

[] Smartphone und Tablet

Die Aufsteiger des Jahres bei den begehrten Produkten sind Smartphones, also mobile Telefone, mit denen man auch im Internet surfen kann, und Tablets wie das Apple-iPad. Bei jedem fünften 18- bis 24-Jährigen steht ein Smartphone ganz oben auf der Wunschliste, bei jedem Dritten ein Tablet. Selbst jeder siebte 55- bis 64-Jährige hätte am liebsten ein Tablet auf dem Gabentisch. Ob sie es auch bekommen, ist wieder eine andere Frage, denn bei keinem Produkt klaffen Wunsch und Wirklichkeit so weit auseinander: Nur vier Prozent der Befragten wollen ein solches Gerät verschenken, das ist nur halb so viel wie im Vorjahr. Smartphone und Tablet werden damit sechsmal so häufig gewünscht wie gekauft.

[] Zahlen mit Handy

So begehrt die Smartphones als Geschenk sind, damit einkaufen trauen sich die Deutschen noch nicht: Nur jeder Vierte hat es schon getan, nur jeder Dritte kann es sich in Zukunft vorstellen. Damit liegen die Bundesbürger im europäischen Vergleich im hinteren Mittelfeld. "Man hat nach wie vor ein ungutes Gefühl, wenn man über das Handy bezahlt, weil man nicht weiß, wo das Geld abfließt", erklärt Peter Thormann von Deloitte.

[] Konjunktur und Gabentisch

Die Umfrage spiegelt auch die konjunkturelle Lage in Europa wider: Deutschland geht es noch vergleichsweise gut, während andere Länder zum Teil schon tief in der Krise stecken. "Deutschland gehört zu den wenigen europäischen Ländern, dessen Bevölkerung die Weihnachtsausgaben gegenüber dem vergangenen Jahr steigern will", erklärt Thormann. Dabei glaubt jeder zweite Bundesbürger nicht daran, dass die Wirtschaft derzeit in einem guten Zustand ist, er hofft nicht einmal mehr auf eine Wende zum Besseren. Besonders pessimistisch sind die Älteren. Im europäischen Vergleich ist dieser Wert aber noch verhältnismäßig gut. In Griechenland beurteilen 85 Prozent der Befragten die Lage als schlecht, in Spanien waren es 79 Prozent, in Irland 65 Prozent.

[] Budget für Geschenke

Jeder Bundesbürger will im Durchschnitt 485 Euro für Geschenke ausgeben. Das sind sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Damit gehört Deutschland zu den wenigen Ländern, in denen das Weihnachtsbudget überhaupt steigt. Europaweit werden die Ausgaben leicht fallen, am schlimmsten sieht es in Krisenländern wie Griechenland (minus 16 Prozent) oder Portugal (minus 13 Prozent) aus. Grundsätzlich sind die Deutschen an Weihnachten im Vergleich mit anderen Ländern aber knausrig. Das Budget von 485 Euro liegt deutlich unter dem Durchschnitt von 591 Euro. In manchen Staaten geben die Bürger fast doppelt so viel aus: Der Ire hat 966 Euro für Geschenke übrig, der Luxemburger 815 Euro und der Spanier 680 Euro. Deutlich weniger spendabel sind dagegen die Niederländer. Sie lassen sich die Gaben für ihre Liebsten nur durchschnittlich 287 Euro kosten.