Start-up Friendsurance Freunde helfen Freunden

Mit ein bisschen Hilfe von Freunden soll der Selbstbehalt ganz einfach ganz niedrig werden. Das Start-up Friendsurance propagiert ein Geschäftsmodell, das Versicherungen billiger machen soll. Junge Leute sind ganz angetan, Verbraucherschützer raten aber zur Vorsicht.

Von Lea Deuber, Köln

Vor Jahrhunderten war die Versicherung eine einfache Sache. Mit den Feuergilden entstanden kleine Kollektive, bei denen jedes Mitglied Geld oder Sachleistungen einbrachte. Kam es zu einem Brand, wurde dem betroffenen Mitglied damit geholfen. Heute tummeln sich Versicherer mit versicherungsmathematischen Modellen auf dem Markt, von denen einem ganz schwindelig wird.

Tim Kunde will das ändern. Er ist Geschäftsführer der Alecto GmbH, die seit vier Jahren mit der Marke Friendsurance als Versicherungsmakler aktiv ist. Die Grundidee: Kunden bilden mit ihren Freunden Gruppen, die Teile ihrer Prämie in einen Topf einzahlen. Daraus werden Selbstbehalte bei Schäden bezahlt. Gibt es keine Schäden, erhalten sie Geld zurück.

Die Idee des Berliner Start-ups hat gerade zwei neue Investoren überzeugt: die Beteiligungsfirmen Vantage Fund und Horizons Ventures. Horizons gehört dem Investor Li Ka-Shing aus Hongkong. Er gilt als einer der reichsten Menschen Asiens und hat bereits in eine Reihe von Internetunternehmen investiert, darunter Facebook, Spotify und Skype.

Viele brauchen ihre Versicherung kaum

Auch wenn die Idee von Friendsurance auf den ersten Blick leicht verständlich klingt, steckt dahinter ein komplexes System. Dabei nutzt der Makler Policen mit einer hohen Selbstbeteiligung, die entsprechend billig sind. Dafür muss der Kunde bei einem Schaden eben einen großen Teil selbst tragen.

Das Besondere: Im Schadensfall zahlt nicht der Versicherte allein den Selbstbehalt, sondern eine ganze Gruppe. Beispiel: Ein Kunde schließt über Friendsurance eine Versicherung mit einer Prämie von 100 Euro ab. 60 Euro fließen an den Hauptversicherer für die Police mit hohem Selbstbehalt, 40 Euro an Friendsurance. Der Makler leitet einen Teil der 40 Euro an einen Spezialversicherer weiter.

Die Versicherten können sich in Gruppen bis zu 13 Personen zusammenfinden. Friendsurance unterstützt die Suche nach Gruppenmitgliedern. Jeder Interessent schließt zuerst den Versicherungsvertrag ab. Dann kann er über die Community auf der Internetseite des Maklers seine Gruppe bilden. Entweder lädt man Freunde ein, die noch keine Kunden bei Friendsurance sind. Schließen sie ebenfalls eine Versicherung über das Unternehmen ab, dürfen sie mit in die Gruppe.