Die Minister Steinmeier und Steinbrück fordern eine neue Steuer - um die Finanzindustrie an den Kosten der Krise zu beteiligen.
Die SPD will eine milliardenschwere globale Finanzmarktsteuer einführen, um Banken, Versicherungen und Investmentfonds an den Kosten der Weltwirtschaftskrise zu beteiligen und die Spekulation einzudämmen. Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier und Finanzminister Peer Steinbrück sagten der Süddeutschen Zeitung, auch in der Wirtschaft müsse das Verursacherprinzip gelten."
Wollen die Lasten für die Krise nicht dem Steuerzahler überlassen: Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier und Finanzminister Peer Steinbrück (© Foto: dpa)
Anzeige
Die Kosten der Krise dürfen am Ende nicht allein bei kleinen und mittleren Steuerzahlern hängenbleiben", betonte Steinmeier. Steinbrück sagte, das "Komasaufen" auf den Finanzmärkten müsse beendet werden. Die Höhe der Steuerlast soll sich nach dem Wert der verkauften Papiere richten, das globale Aufkommen dieser Art Umsatzsteuer könnte im dreistelligen Milliardenbereich liegen.
Steinbrück kündigte an, die Idee auch beim bevorstehenden Treffen der Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) zur Sprache zu bringen. Das Thema einer "gerechten Lastenverteilung" zwischen Banken und Steuerzahlern gehöre auf die Tagesordnung des Gipfels in Pittsburgh.
Radikaler Kurswechsel
Zudem müssten alle G-20-Staaten die Einführung einer Finanzmarktsteuer mitmachen, da sonst die Banken einfach ihre Aktivitäten vom einen ins andere Land verlegen könnten. Allerdings ist fraglich, ob Steinbrück auf die Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zählen kann. Sollte das nicht der Fall sein, dürfte die SPD ihren Vorschlag zum Thema im laufenden Bundestagswahlkampf machen.
Mit ihrem Vorschlag vollzieht die SPD im Verhalten gegenüber Spekulanten einen radikalen Kurswechsel. Steinmeiers und Steinbrücks Konzept orientiert sich am Modell der sogenannten Tobin-Steuer, deren Einführung vor allem Globalisierungskritiker seit Jahrzehnten fordern. Union und SPD hatten die Idee dagegen regelmäßig als untauglich zurückgewiesen. Urheber des Gedankens ist der amerikanische Ökonom und Nobelpreisträger James Tobin, der 1972 die Einführung einer Umsatzsteuer auf Devisengeschäfte vorgeschlagen hatte, um "Sand ins Getriebe" der Finanzmärkte zu streuen. Steinmeier und Steinbrück wollen dieses Konzept nun auf praktisch alle Finanzprodukte von Aktien über Devisen und Anleihen bis hin zu hochriskanten Zockerpapieren ausdehnen.
Um durch die Steuer nicht auch volkswirtschaftlich sinnvolle Finanzgeschäfte über Gebühr zu belasten, wollen die SPD-Minister den Steuersatz auf 0,05 Prozent begrenzen. Da jeden Tag weltweit Finanzprodukte in kaum noch vorstellbaren Größenordnungen gehandelt werden, ergäben sich nach Berechnungen des renommierten Wifo-Instituts in Wien dennoch jährliche Einnahmen in Höhe von bis zu einem Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Für Deutschland rechnen Steinmeier und Steinbrück entsprechend mit zehn bis 20 Milliarden Euro. "Das würde die Bürgerinnen und Bürger massiv entlasten", erklärten sie.
Sollten die G-20-Partner die Idee ablehnen, will die SPD zunächst eine Börsenumsatzsteuer allein in Deutschland einführen. Sie hätte allerdings im Vergleich zur globalen Transaktionssteuer erhebliche Nachteile: So könnten Banken ins Ausland abwandern, auch lägen die Einnahmen eher bei zwei bis drei Milliarden Euro. Zudem würden gerade die Geschäfte, die die jüngste Krise ausgelöst hatten, von der Steuer nicht erfasst.
- Thema
- Tobinsteuer RSS
- Tobin-Steuer Die SPD will an die Börse 11.02.2009
- Devisenumsatzsteuer James Tobin und das große Missverständnis 21.09.2001
- Mitbegründer Sven Giegold "Attac war ein Prophet" 22.01.2010
- G 20: Strafsteuer für Banken Einfach ausgebremst 08.11.2009
- G-20-Gipfel EU-Kommissar unterstützt Börsensteuer 23.09.2009
- Finanzbranche Spekulanten-Steuer - jetzt auch mit Merkels Segen 11.09.2009
- Angriff auf die Spekulanten Die SPD - und eine große Illusion 11.09.2009
(SZ vom 11.09.2009/hgn)
Afrika droht neue humanitäre Katastrophe
...ist der Gedanke vielleicht garnicht so dumm.
Irgendwie muessen die wektweiten Budgetdefizite der Regierungen ja bezahlt werden und in den Schwellenlaendern muessen eher frueher als spaeter soziale Sicherungssysteme aufgebaut werden. Wovon soll man das denn bezahlen? Hoehere Einkommensteuern und/oder Sozialabgaben vielleicht? Irgendwer muss ja das erfroderliche Wirtschaftswachstum ausloesen und es wohl nicht zu erwarten das man in England, USA oder sonstwo das neue deutsche Auto mit einer neuen Hypothek finanzieren wird. Sicherlich gibt es noch eine Menge Einsparmoeglichkeiten, aber irgendwann moechte ich dann fuer meine Steuern auch etwas bekommen und nicht nur auf der Stasse von einem Schlagloch zum naechsten rappeln...
Eine Finanzmarktsteuer wuerde ausserdem zuerst einmal diejenigen treffen die etwas haben. Das betrifft dann die Banken, die grossen Fonds und indirekt natuerlich auch mich. Wir sollten aber uach nicht vergessen, das in den letzten Jahrzehnten die Besteuerung von Kapital und Kapitalertraegen im Vergleich zur Besteuerung des Faktors Arbeit relativ gesunken ist.
Schmarn!
National bring es nichts und international... die G20 unter einen Hut zu bringen würde sicher Stoff für nen neuen "Bully" Film geben. Und dann sind ja noch die Länder außerhalb der G20...
Die Idee ist geklaut und Wahlkampfmanöver!
Gysi hat diese Steuer bereits 2008 im Bundestag in seiner Rede für die Linke gefordert.
Mit dieser Meldung jetzt auf Stimmenfang zu gehen ist armselig, da diese Steuer niemals durch den Bundestag geht, wo die meisten Parteien eh alle durch die Deutsche Bank und Allianz gesponsert werden.
Die Idee ist so gut, wie sie auch überfällig ist. Anbei sollten Managerboni auch mit einem hohen Steuersatz belegt werden, oder ihre steuerliche Absetzbarkeit sollte überdacht werden. (Könnte man z.B. nächste Woche für den Wahlkampf nutzen, SPD.)
Weitere Themen, über die sich die CDU/CSU totschweigen wird, um weder das bürgerliche Lager gegen sich aufzubringen, noch die gehobenen Schichten anzutasten.
@Demokrat - ich fürchte, weil die populärsten Entscheidungen dem Entscheider kurz vor der Wahl am Meisten helfen.
Paging