Als Bankangestellter hat er dem Fiskus Kontoinformationen verraten und sich so zum Ankläger gemacht - ein Doppelleben, das seinen Preis hat, auch im Inselparadies Mauritius.
Er lebt weit weg von seinen Feinden jetzt. "Gehen wir spazieren on the beach", sagt Rudolf Elmer in der Sprache der Expatriierten, er will zeigen, wie schön seine Welt ist.
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Sonne, weißer Strand und Meer: Mauritius. (© Foto: dpa)
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Er ist ein kleiner Mann von 52 Jahren, mit rundem, vollem Gesicht, doch von seinen Sorgen zeugen drei Furchen, die sich von der Nase strahlenförmig über die Stirn ziehen. Sein Auto rumpelt über die Baumwurzeln im Sand.
Hier am Meer weht abends ein Wind, der nicht in Böen kommt, sondern als steter Strom warmer Luft, wie ein Föhn. Die Worte verfliegen schnell, hier beginnt er zu reden. "Ich bin Opfer und Täter, ich bin Vater. Und ich bin whistleblower", einer, der alarmiert.
Jahrzehntelang hat Elmer für Banken gearbeitet, meistens für das Schweizer Geldhaus Julius Bär. Er sagt, er sei zum "Handlanger der Unmoral" geworden damals, und die Beweise dafür zeigt er jetzt aller Welt.
Er hat Kontodaten an Steuerbehörden verteilt, neuerdings zeigt er sie auch auf der amerikanischen Website "wikileaks". Seine Feinde, und davon hat er viele, nennen ihn einen Verräter, er selbst sieht sich als ethischen Dissidenten.
Es hat immer wieder Menschen gegeben, die Konten von Steuerhinterziehern oder Geldwäschern verraten haben. Zuletzt war es Heinrich Kieber aus Liechtenstein, der sie an die Deutschen verkaufte.
Nie aber hat sich einer so exponiert wie Elmer, nie hat einer so viel veröffentlicht und so viele Zumutungen auf sich genommen. Elmer hat seine Karriere ruiniert, und er fürchtet sich sehr.
Vom Revisor zum Weltmann
Er ist einer dieser Menschen, wie man sie oft im Inneren von Betrieben findet. Keine auffällige Persönlichkeit, aber zuverlässig und fleißig. Elmer hat sich immer danach gesehnt, eigene Entscheidungen zu treffen.
Als ihm die Züricher Bank Julius Bär im Jahr 1994 anbot, in die Filiale auf den Cayman Inseln zu wechseln, da wusste er nicht, wo das war, aber es klang gut. Dort in der Karibik wurde er zum Chef-Logistiker der Niederlassung, und er war stolz auf seinen Aufstieg: "Vom Revisor, der in Zürich die Bücher prüft, hinaus in die Welt, wo man nach harter Arbeit im Wasser liegen und die Fische ansehen konnte."
Beim Festival Pirates Week im Herbst stand er mit Frau und Tochter am Hafen. Auf einer spanischen Galeone liefen die Seeräuber in George Town ein, im Pulverdampf ihrer Kanonen. Es war wie im 18. Jahrhundert, als Kapitän Blackbeard unter schwarzer Flagge durch die Karibik segelte. Zur Show gehört es heute, dass der Gouverneur den Ganoven den Schlüssel zum Rathaus überreicht.
Als Elmer das sah, erkannte er, "dass sich in den letzten 200 Jahren nichts verändert hat, außer dass Blackbeards Team nun aus Juristen und Bankern besteht, und ich war einer davon". Die Caymans, das Liechtenstein der Karibik, ist ein Paradies für Steuerbetrüger und -hinterzieher. Es gibt keine Steuern und kaum Rechtshilfe, weswegen die Inseln mit weniger als 50.000 Bewohnern zum fünftgrößten Finanzplatz der Welt geworden sind. Die Banken vergraben Schätze, die andere nicht finden sollen.
Lesen Sie weiter: Warum Rudolf Elmer das Bankhaus Bär verlassen musste.
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Video gibt's hier;
http://www.sf.tv/sf1/rundschau/index.php?docid=20080402
Besonderes Augenmerk möchte ich noch empfehlen auf den Elmer Versuch, jüdische Bankkunden separat zu erpressen, indem er mitteilte, dass deren Bankdaten insbesondere der NPD zugespielt werden würden. Das kann von meiner Seite völlig unkommentiert bleiben.
Als letztes sei erwähnt, dass Elmer nach dem Interview per Email - unterschrieben mit Bankhaus Bär - dem Reporter wörtlich androhte "we will kill you".
Alles live im o.a. Video nachzuhören und -sehen.
den Herrn Elmer herum ein wenig darzustellen. Zu den Ausführungen zu Herrn Elmer gibt es nicht sehr viel mehr zu sagen, hier spricht sogar dieser Artikel Bände, sofern jemand geneigt ist, für 1-2 Minuten die gefärbte Brille abzunehmen.
Man möge sich doch im Grunde nur ganz wenige Fragen vorlegen:
- wäre Herr Elmer auch zum Ritter der Ent-steuernden "Halunken" geworden, wenn er von Bär Geld gesehen hätte und nicht - schändlich - erwischt worden wäre?
- wäre Herr Elmer wirklich so "verfolgt" und "bedroht" worden, wenn Bär sich erpressbar gefühlt hätte und sich, ergo, hätte erpressen lassen?
Allein aus der Reaktion von Bär ergibt sich doch der Rest der "Story" des Elmer.
Noch ein fachlicher Fehler im Artikel: eine Staatsanwaltschaft kann nicht von einem Steuerrekurskommissionär zurückge"rufen" werden. Das wäre den Schweizern viel zu dumm - dafür gibts -Ermittlungsrichter.
... muß man vor solchen Leuten haben.
Wenn einem seine Luxuslimousine gestohlen wird und nicht versichert war, setzt er einen Finderlohn aus. Wer ihm nun einen Typ gibt, wo sein Vehikel zu finden ist, kassiert diese Prämie. Ich glaube, ein ganz normaler Vorgang.
Wenn einer "schmutziges" Geld oder Schwarzgeld ins Ausland bringt, hat er dies zumindest zum Teil (Steuer) dem anständigen Bürger (Steuerzahler) gestohlen.
Wer nun einen Hinweis gibt, wo das gestohlenen Geld lagert, hat m.E. Anspruch auf "Finderlohn" und es nicht verdient verfolgt zu werden.
Solche Leute verkaufen keine Hehlerware, wie im Zusammenhang mit der Lichtenstein-Affäre immer behauptet wurde, sondern verdienen unseren Respekt und unsere Hochachtung.
Es ist eine Schande das ganze. Das durch harte Arbeit verdientes Geld wandert zu diesen Steuerparadisen. Die Schweiz ist jahrzehntenlang die Mülltonne der Welt für schmutiges Geld gewesen. So stolz sollten sie nicht auf Ihr System sein. In den Kayman Inseln findet man ein 80% der Hedgefonds der Welt, die zum größem Teil Schuld an dieser Finanzkrise sind. Viele Versicherung stecken auch ihr schmutizges Geld dort. Die ersten die dort siedelten, waren die Kolumbianische Kartels, die ihr schmutiges Geld in den 70en und 80en dort säubern wollten. Wenn solche Steuerparadise nicht gäbe, hätten wir viele Finanzkrise nicht erlebt, und das Geld unsere Wirtschaft wäre weiter in unsere wirtschaftliche Kreisläufe und Konsum gewandert. Einige Studien belegen, dass ohne so etwas hätten wir keine Arbeitslosigkeit. Wir müssen eine Lösung für diese Steuerparadise finden. Vielleicht sollten wir die Steuern der Unternehmer wie der ehemalige Wirtschaftsberatet von Clinton vorschlägt auf 0 setzen, und alles über Einkommen und Mwstr. holen. Vielleicht würde so etwas unsere Wirtschaft gut tun und ein Ende zur Spekulation der Hedgefonds setzen. Es ist Zeit, dass die Politik reagiert.
Der "arme" Herr Elmer ist zum Denunzianten geworden, weil seine Karriere nicht den gewünschten Verlauf genommen hat. Wenn er die Umstände seiner Berufstätigkeit wirklich nicht ertragen konnte, hätte er auch ohne Denunziantentum kündigen können. Und seine Ruhe und einen neuen Job hätte er auch kängst gefunden.