SZ: Was ist das Beste, das man mit Geld machen kann?
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Cretu: Sich schneller Wünsche erfüllen.
SZ: Welche?
Cretu: Ich bin nicht größenwahnsinnig und will eine Villa in Florida und hier und da, fünf Ferraris vor der Haustür - das ist alles oberflächlicher Unsinn! Ist das der Wunsch, macht das krank. Ich will eigentlich nur meine Ruhe, und die kostet halt auch Geld. Optimale Infrastruktur gibt es nicht umsonst. Ich bin sogar zu faul, um Rabatte zu verhandeln, obwohl ich vom Balkan komme, wo die Händler nur so herumschwirren.
SZ: Also ist der Besitz von Geld doch etwas Angenehmes.
Cretu: Ich würde sagen, etwas Nützliches, nur habe ich immer Ärger damit. Allein der Unterhalt meines Hauses macht mich fertig. Ich will gar keine anderen Besitztümer. Besitz ist Last. Und Geld ist gefährlich.
SZ: Warum gefährlich?
Cretu: Geld verführt zu Habgier und siegt meistens über die Menschlichkeit.
SZ: Sie haben in Rumänien, Deutschland und Spanien gelebt. Gehen die Nationen unterschiedlich mit Geld um?
Cretu: In Rumänien hatte damals keiner Geld. Heute fahren sogar Maybachs durch Bukarest, wie ich gelesen habe. Ich weiß nicht, wie gehen denn die Deutschen mit Geld um?
SZ: Den Deutschen wird nachgesagt, sie seien sehr neidisch.
Cretu: Das mag wohl stimmen. Ich maße mir darüber aber kein Urteil an, schließlich lebe ich seit über 20 Jahren im Ausland, und deutsche Gene besitze ich auch nicht. Dennoch scheint Understatement in Deutschland Pflicht zu sein. Aber nicht aus humanitären Gründen, sondern weil man nicht will, dass es einem der andere übel nimmt.
SZ: Ist das Bescheidenheit aus falschen Gründen?
Cretu: Nein, aus Angst.
SZ: Sind Sie reich?
Cretu: Mir geht es gut. Ich hab reichlich verdient. Aber weniger ist manchmal mehr.
SZ: Warum?
Cretu: Es ist viel schwerer, Kindern den gesunden Umgang mit Geld zu vermitteln. Alles muss doch am Ende im Verhältnis stehen. Ich habe beiden am ersten Schultag gesagt: Ich möchte nicht, dass ihr mit dem prahlt, was der Papa hat.
SZ: Sie haben gemeinsam mit Ihrer Ex-Frau Sandra Zwillinge. Hat sie eine ähnliche Einstellung zum Geld wie Sie?
Cretu: Nein. Sandra liebt es, Geld auszugeben.
SZ: Sie beide wohnen auf Ibiza. Wie oft laufen Sie sich über den Weg?
Cretu: So gut wie nie. Ich gehe nicht oft aus dem Haus.
SZ: Haben Sie einmal in Ihrer Karriere den Moment erlebt, an dem Sie sagen konnten: Jetzt könnte ich aufhören.
Cretu: Ja, ich hätte schon mit 28 Jahren aufhören können.
SZ: Warum haben Sie es nicht getan?
Cretu: Ich liebe Musik, nicht das Geld.
SZ: Wenn es Ihnen nicht ums Geld geht, warum stellen Sie Ihre Musik nicht kostenlos ins Internet?
Cretu: Das ist gegen jede marktwirtschaftliche Überlegung.
SZ: Na und?
Cretu: Wenn ich etwas leiste, will ich auch einen Preis dafür. Sonst ist es Diebstahl. Sie gehen ja auch nicht in den Supermarkt und nehmen sich drei Joghurts, weil Sie sagen: Na, die haben eh genug Joghurts. Nein, das ist Raub! Das ist wie CDs klauen im Plattenladen.
SZ: Trotzdem sind Musik-Downloads im Internet billiger.
Cretu: Richtig, aber die Musik wird drastisch an Qualität verlieren.
SZ: Warum?
Cretu: Weil mittlerweile jeder Musik macht und ins Netz stellt. Musik ist meine Religion, da tut das einfach weh. Und was mich wirklich ärgert: Musik hat ihren Stellenwert verloren. Vor 20 Jahren haben sich die Menschen mit Künstlern noch wirklich identifiziert. Heute ist Musik wie Klopapier - es ist beliebiger und austauschbarer geworden.
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(SZ vom 28.11.2008/mel)
....es ist zwar nicht wirklich wichtig aber: Der Produzent heißt Phil Spector. Nicht Specter.
Beste Grüße
wawerka
Herr Cretu ist selbst ausgewiesener Experte in Sachen "Klopapier-Musik", und das nicht erst heute. ich sach nur "Maria Magdalena". Würg.
Ich hab grossen Respekt vor dem Schaffen des Herrn Cretu, sein Sound ist einzigartig. Ausserdem fand ich immer toll dass ein "Geek" wie er mit einer so huebschen Frau zusammen war. Sandra war ein schlaues Madel das gewusst hat: Der ruhige Macher im Hintergrund ist einem bloeden dauerlabernden Lackaffen vorzuziehen :-D
Cretu macht sein Ding und hat seine Nische gefunden, das ist bewundernswert. Nur das Rauchen sollte er sich abgewoehnen...hehe...