SZ: Politiker wollen durch Staatshilfen weitere Turbulenzen vermeiden.
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Hummler: Das ist der falsche Weg. Durch die Übernahme der Risiken aus dem Bankensektor und der Industrie bringen sich Staaten in eine verderbliche Position. Auch sie sind nicht unendlich risikofähig.
SZ: Nun machen viele Staaten Druck auf die Schweiz. Nehmen Sie unversteuertes Bargeld in Koffern an?
Hummler: Ja, sicher. Ob der Kunde das Geld in Deutschland versteuert hat, interessiert mich nicht. Ich würde aber nachfragen, wie er das Geld verdient hat, um auszuschließen, dass es aus dunklen Quellen stammt.
SZ: Wie sicher wäre das Kapital vor dem deutschen Fiskus?
Hummler: Wesentlich unsicherer als noch vor zwei Monaten. Bislang war die Schweiz Garant dafür, dass sauberes ausländisches Kapital unbesehen vom Steuerstatus sicher aufbewahrt wird. Dieser Nimbus ist angekratzt.
SZ: Warum geht ein Jurist und Offizier wie Sie in die Finanzwirtschaft?
Hummler: Ich begann bei der Schweizerischen Bankgesellschaft, der früheren UBS. Als jüngster Analyst schrieb ich einen Bericht zu einer US-Ölfirma, in dem ich deutlich machte, dass die Firma bald Pleite geht. Statt Anerkennung erhielt ich den wütenden Anruf eines Direktors der Bank. Man habe kurz zuvor eine Anleihe der Ölfirma am Markt platziert.
SZ: Sie verloren den Job?
Hummler: Nein, alsbald ging die Ölfirma Pleite (lacht lauthals). Dieses Ereignis machte mir klar, dass man mit gesundem Menschenverstand und einfacher Mathematik im Finanzsektor sehr viel herausfinden kann, wo andere nur nachplappern.
SZ: Warum wird gesunder Menschenverstand eher gepredigt als gelebt?
Hummler: Es ist so viel angenehmer, dem allgemeinen Trend zu folgen. Ich stelle in den meisten Gremien diese Bequemlichkeit und Feigheit fest.
SZ: Wie bekämpft man diese Feigheit?
Hummler: Es muss das Risiko bestehen, dass der Verantwortliche persönlich alles verlieren kann. Dann hat er ein existenzielles Interesse daran, genau nachzudenken. Eine solche Haftungsstruktur macht auch Vorstandsgespräche inhaltlich relevanter und kontrolliert die Gier.
SZ: Wie misst man Gier?
Hummler: Gier drückt sich meist in einem hohen Verschuldungsgrad des Unternehmens aus. Das ist meine Kritik an der Finanzwirtschaft. Es gibt niemanden in den Gremien, der für genügend Kapitalreserven und Eigenkapital sorgt. Alle streben stattdessen eine maximale Eigenkapitalrendite an.
SZ: Betrifft das nur die Banken?
Hummler: In der gesamten Wirtschaft herrscht diese angespannte Situation. Produktionsprozesse sind bis auf die letzte Minute ausgereizt, es gibt keine Lagerhaltung. Beim kleinsten Fehler steht alles still. Doch die Vorstellung, dass alles immer perfekt funktioniert, ist weltgeschichtlich absurd. Ich habe meine Zweifel, dass die kapitalistische Unternehmung zu Ende gedacht ist.
SZ: Was schlagen Sie vor?
Hummler: Wir brauchen eine Instanz, die das längerfristige Interesse des Unternehmens wahrnimmt.
SZ: Diese Instanz gibt es doch in Form der Aufsichtsräte.
Hummler: Nein, die tun es nicht, ebenso wenig Arbeitnehmer und Finanzanalysten. Es gibt keinen, der genügend Eigenkapital sicherstellt. Also brauchen wir eine gesetzliche Regelung, die Obergrenzen für Verschuldung vorschreibt.
Im dritten Teil: "Ich habe kein Interesse, das zu denken, was andere denken."
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Als Anarchist bin ich natürich beleidigt. Außer der herr Hummler verdient sein geld, um damit alternative projekte zu finanzieren, die den Bürger frei zur Selbstverantwortung machen. Dann würde ich das hinnehmen.
der mann denkt elitär und versteckt es nicht. das macht ihn menschlicher als man es bei dem bild, das besonders zur zeit von seinem berufsstand gezeichnet wird, erwarten dürfte. er tut dies auch nicht erst seit gestern; wer "konrad hummler" googelt, findet u.a. artikel aus den jahren 2003 und 2005 - überschrieben mit der "bankieranarchist". das spricht für konstanz und integrität. diese drücken sich auch in seinen 9 thesen aus, die bei avenir suisse zu finden sind. sicher kein über-mensch, der herr dr. hummler, aber sicher einer, bei dem die "erfolge" des g20 in einem anderen licht erscheinen und von dem sich nicht nur ein "ordinary" herr steinbrück eine scheibe abschneiden kann - zur differenzierung von steuerhinterziehung und steuerbetrug verweise ich auf den kommentar von herrn dr. hummler vom 1. märz in der nzz.
...ist wie der Name Schwarzgeld schon sagt kein sauberes Geld. Hallo Herr Hummler, wer solches Geld annimmt wird zum Hehler, da die Allgemeinheit betrogen wird. Ergo, Sie denken genauso wie die anderen (Banker)!!!
Der Mann tut gut, nicht weil er Banker ist, sondern das Leben versteht. Neben den ganzen verantwortungslosen Schleimabsonderern wirkt er wirklich wie ein in sich ruhender Anarchist.
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