Die Autorin Heike Faller über ihr Leben als Spekulantin, Investmentreisen und heiße Tipps zu kasachischen Papierfabriken.
Jahrelang machte Heike Faller, was viele mit ihrem Geld tun: nichts. Ihr Erspartes dämmerte auf dem Konto. Lag einfach da. Bis zwei Sparkassenberater ihr hohe Gewinne mit Gold bescherten. Das brachte die 38-jährige Zeit-Journalistin auf eine Idee: Ein Jahr die Arbeit sein lassen und als Spekulantin leben. So geschah es - obwohl die Finanzkrise dazwischenkam. Ein Gespräch über Moral, den Reiz des Spekulierens und Begegnungen mit einer Welt, die viele Deutsche nicht verstehen.
"Ich war schon ziemlich angefixt": Heike Faller. (© Foto: Michael Biedowicz)
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SZ: Frau Faller, reden wir über Geld. Bevor die Finanzkrise ausbrach, jagten viele Anleger einfach blind dem Geld hinterher. Sie auch?
Heike Faller: Den Boom Anfang des Jahrtausends habe ich total verpasst. Jahre später hörte ich dann, dass Gold eine interessante Anlage sei. Lange Zeit hatte keiner mehr in Gold investiert, das fand ich faszinierend. Ich riskierte alles und investierte vor sieben Jahren 40.000 Euro in Gold und andere Edelmetalle.
SZ: Was ist daraus geworden?
Faller: Es schwankt um die 70.000, irgendwann waren es sogar über 80.000.
SZ: 100 Prozent Rendite! Klar, dass Sie die Gier packte.
Faller: Ja, ich war schon ziemlich angefixt. Im Frühjahr 2008 ließ ich mich für ein Jahr beurlauben. Und versuchte in dieser Zeit, 10.000 Euro zu verdoppeln.
SZ: Wie sah Ihr Alltag als Vollzeit-Spekulantin aus?
Faller: Ich habe mir ein Erdgeschoss-Büro in Berlin gemietet und von dort aus meine Transaktionen getätigt. Spekulieren ist ein Multitasking-Job. Man muss ständig auf dem Laufenden sein, immer Zeitung lesen, vor allem als Anfängerin - da ist man den Märkten voll ausgeliefert.
SZ: Sie haben viele Finanzexperten getroffen. Was ist Ihnen an diesen Menschen aufgefallen?
Faller: Die meisten leben nach dem Warren-Buffett-Ethos: nichts Überflüssiges konsumieren. Ich war mal mit zwei Fondsmanagern im Irak unterwegs. Die flogen Economy und teilten sich ein Zimmer zum Übernachten. Auch George Soros, mein großer Held, hat in seinem Konferenzzimmer nur alte Möbel aus den siebziger Jahren stehen. Einen Anlagetipp hat er mir leider nicht gegeben. Als ich ihn fragte, was er davon halte, weiter in Gold zu gehen, sagte sein Assistent: "George macht keine Anlageberatung!"
SZ: Viele Banker zelebrierten zuletzt genau das Gegenteil von Soros: Sie stellten ihren Reichtum offen zur Schau.
Faller: Diese 30-jährigen sogenannten Golden Boys unterscheiden sich stark von den Investoren, die auf die langfristige Wertentwicklung achten. Sie wollen halt sehr schnell sehr viel Geld machen.
SZ: Warum regieren in der Geldwelt eigentlich nur Männer?
Faller: Es stimmt schon, bis auf die Vizepräsidentin von Lehman Brothers in Europa habe ich nur Männer getroffen. Ich denke, das Motiv des Beutemachens zieht eher weniger Frauen an.
SZ: Fanden Sie diese Macho-Attitüde nicht schrecklich?
Faller: Zu meiner eigenen Überraschung beschlich mich hier und da sogar eine gewisse Bewunderung für den Unternehmergeist dieser Männer. Ich wohne ja in Berlin, und da ist diese Künstler- und Hartz-IV-Mentalität, dieses ständige Jammern, auch nicht so sexy. Ich lernte eine Sorte Mensch kennen, die ich so nicht kannte.
SZ: Menschen, denen Geld das Wichtigste ist im Leben.
Faller: Ich hatte nie das Gefühl, dass sie gierig sind. Sie leben einfach selbstverantwortlich und riskieren fast täglich ihre eigene Pleite.
SZ: Und jetzt treffen Sie lieber Fondsmanager als Avantgarde-Künstler.
Faller: Das hat sich wieder gelegt. Ich bin dann doch nicht so ein Beute-Macho wie ich dachte.
SZ: Wie haben Sie denn investiert?
Faller: Am Anfang spekulierte ich auf einen steigenden Goldpreis, ging also long in Gold. Wie das schon klingt - einfach großartig.
SZ: Dabei ist die Sprache der Geldwelt doch vor allem eines: unverständlich.
Faller: Stimmt, aber für mich klang diese schillernde Fachsprache so, als würden sich dahinter die tollsten Geheimnisse verbergen. Ich habe mich in die Börsensprache verliebt. Die Vorstellung, mich mit anderen Spekulanten auszutauschen: Ich bin short in Öl und long in Dollar, und du? Schon allein das hat mir gefallen. Ich hatte das aus den Büchern von Kostolany, mit denen ich angefangen habe. Kostolany ist ein toller Stilist, es macht Spaß, seine Bücher zu lesen und daraus zu lernen.
SZ: Was denn zum Beispiel?
Faller: Ich habe mich nie an Chartanalysen gehalten, sondern versucht, antizyklisch zu investieren.
SZ: Schon wieder so ein Fachwort.
Faller: Toll, oder? Es ist ganz einfach: Man investiert, bevor es die Mehrheit der Anleger tut. Ich vertraue meinem Eigensinn mehr als der Masse. Wenn zum Beispiel alle anderen sagen: China läuft super, dann steige ich garantiert nicht ein.
SZ: Die Finanzkrise hat den meisten Kleinanlegern massive Verluste beschert. Wo waren Sie eigentlich, als die Investmentbank Lehman pleiteging?
Faller: Ich saß im Wartezimmer meines Zahnarztes und blätterte in der Financial Times. Neben mir telefonierte ein Typ, der plötzlich in meine Richtung sagte: "Lehman ist pleite." Die lachsfarbene Zeitung, die mir seit einem halben Jahr immer aus irgendeiner Tasche guckte, wurde von Männern im Allgemeinen so gedeutet, dass sie mich, halb flirtend, um einen Aktientipp bitten konnten. Ich musste sie meistens enttäuschen.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie sehr Heike Fallers Depot unter der Lehman-Pleite litt - und wo sie demnächst investieren will.
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Faller: "Ich riskierte alles und investierte vor sieben Jahren 40.000 Euro in Gold und andere Edelmetalle.
SZ: Was ist daraus geworden?
Faller: Es schwankt um die 70.000, irgendwann waren es sogar über 80.000.
SZ: 100 Prozent Rendite! Klar, dass Sie die Gier packte."
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Man beachte den Zeitraum von sieben Jahren. Ich finde das Interview ist nicht repräsentativ, da der Dame die gewisse Professionalität fehlt. Wer übrigens richtig viel Geld machen will, muss sich in das wirtschaftliche Geschehen stärker einbringen, als nur Zeitungen zu lesen.
@ fassungslos: sie fühlen sich angesprochen ? Ihr Problem. Sie meinen, mich mit Ihrem Kommentar ansprechen zu können ? Da müssen Sie noch üben, vielleicht packen sie ein wenig Substanz hinenin? Feilen Sie noch ein wenig an Ihre eigenen Syntax, es könnte helfen, nach einer Weile.
Zitat:" @Nicknorris. Der Mehrwert den der Investor oder der Spekulant bringt ist Kapital... hast wohl nicht ganz aufgepasst als du "Das Kapital" gelesen hast"?
Almost, Sachsen-Paule, beim Investor liegst Du richtig, beim Spekulanten falsch. Einer der großen Fehleinschätzungen Schröders war: Die durch die SPD-Steuerpolitik stark anschwellenden Unternehmergewinne führen zu Investitionen und danach zu neuen Arbeitsplätzen.
Statt dessen trugen die Unternehmer ihre Zusatzgewinne ins Weltcasino und haben gezockt (spekuliert). Das führte zu HartzIV und zur Finanz- und Wirtschaftskrise.
Ich bleibe dabei, ich sehe Berufsspekulanten als Schmarotzer am Volkskörper.
Woher stammt dieses Postulat, nach dem Geld keinen Wert hätte? Vermischen Sie meinen Beitrag mit anderen? Ich kann mir darauf keinen Reim machen.
Aber: der Unterschied zwischen dem Wert an sich (auch einem zugewiessenen Wert) und einer Wertsteigerung ist Ihnen schon Bewußt? Geld ist quasi nichts anderes als ein "Messinstrument" für Wert. Ein abstraktes und per Definition zugewiesenes Instrument überdies. Einen Mehrwert an etwas was nicht Geld ist kann Geld nicht erschaffen. Das geht durch Arbeit (im weitesten Sinne, also durch jede Form physikalischer Arbeit) oder durch Innovation. Das müsste allerdings Bestandteil des ersten Semesters VWL an Ihrer Fakultät gewesen sein. Erinnern Sie sich nicht mehr?
"Der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln ist aber nicht direkt auf die Spekulanten zurückzuführen, sondern auf die irrationalen Reaktionen des Marktes also der Leute die Tatsächlich mit dem Gut gehandelt habe."
Hier ist genau das Gegenteil richtig. Andernfalls müsste es Ihnen gelingen große Volatilitäten in Märkten im wesentlichen alleine durch Angebot und Nachfrage zu begründen. Viel Spaß, über die Kenntnisse für den entsprechenden mathematischen Nachweis verfügen Sie ja sicherlich.
"...als seine Bibel nimmt und ein einfaches und klar definiertes Feindbild braucht,..."
Weder das eine, noch das andere trifft auf mich zu. Meine humanistische Bildung umfasst weit mehr wie "Das Kapital" und Feindbilder sind überall ungeeignet wo es sequentieller Veränderungen in bestehenden Systemen bedarf. Können Sie das durch Ihre Ideologiebrille hindurch begreifen?
Sie diskutieren, wie üblich am Thema vorbei. Von einem Arbeiter und Bauernparadies ist indes nicht die Rede, es geht um die Erschaffung realer Werte.
Übrigens: nahe am Thema Verstand - Sind sie nicht in der Lage einfache Syntax Dritter angemessen zu abstrahieren oder liegen die Probleme, die Sie mit dem Verständnis anderer Beiträge haben, eher im Bereich Ihrer Urteilsheuristiken?
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