Reden wir über Geld "Ich bin eben der Paradiesvogel"

SZ: Wären Sie lieber von Anfang an unter weniger Reichen und Schönen aufgewachsen?

Hubertus von Hohenlohe nach einem erfolgreich überstandenen Super-G-Rennen bei der Ski-WM im italienischen Sestriere im Jahr 2003. Der für Mexiko startende Paradiesvogel trägt ein Trikot des italienischen Fußball-Klubs Juventur Turin.

(Foto: Foto: dpa)

Hohenlohe: Nein. Aber von Marbella nach Vorarlberg war einfach ein zu harter Bruch. Es muss harmonischer gehen als erst in dieser Scheinwelt von Schönheit und Überfluss aufzuwachsen und dann von einem Tag auf den anderen völlig auf sich allein gestellt zu sein. Ich dachte: Was alles im Leben passieren kann. Du musst schauen, dass du auf die gute Seite des Lebens fällst. Irgendwie.

SZ: Wie entkamen Sie dem Internat?

Hohenlohe: Eine Tante holte mich raus. Die lebte mit sieben Kindern in der Steiermark und dachte, auf ein achtes kommt es auch nicht mehr an. Das war zwar nicht Marbella, aber ganz okay.

SZ: Warum haben Sie nicht Ihren Eltern gesagt, dass Sie aus dem Internat wollen?

Hohenlohe: Hab ich, aber ich war elf und mein Vater war da ziemlich unzugänglich. Und meine Mutter hatte nicht viel zu melden, weil wir nach der Scheidung dem Vater zugesprochen waren.

SZ: Warum traten Sie später nicht die Nachfolge Ihres Vaters an und übernahmen das Hotel in Marbella?

Hohenlohe: Mein Vater hatte eher meinen Bruder dafür vorgesehen, aber daraus wurde auch nichts. Generell brauchen große Persönlichkeiten wie mein Vater viel Raum. Es ist schwer, neben ihnen zu wachsen. Ich habe deshalb etwas eigenes gesucht. Pop, Fotografie, Skifahren.

SZ: Das ist doch mehr eine Show. Sie fahren seit 30 Jahren internationale Skirennen, immer der Weltspitze hinterher, in ein paar Wochen wieder bei Olympia. Sie dürfen überhaupt nur teilnehmen, weil Sie im Sonnenstaat Mexiko einen Skiverband gründeten.

Hohenlohe: Normalerweise verliere ich zehn Sekunden auf die anderen Teilnehmer. Bei einer Strecke von drei, vier Kilometern finde ich das ganz in Ordnung.

SZ: Aber Sie werden immer Letzter.

Hohenlohe: Ich werde fast nie Letzter! Ich bin schließlich nicht der einzige Exot. Ein Freund von mir startet für Aserbaidschan. Eine Zeitlang waren wir eine richtig bunte Truppe. Aber das wird jetzt weniger.

SZ: Warum?

Hohenlohe: Der Weltskiverband versucht, uns die Teilnahme so schwer wie möglich zu machen. Die hätten das gerne als exklusive Veranstaltung. Keine Typen mit verrückten Kostümen wie ich.

SZ: Spötter hängten an der Piste ein Transparent auf: "Lieber Prinz, wir bitten Dich, komm nach Haus bei Tageslicht!"

Hohenlohe: Ich verstehe das. Österreich ist skiverrückt, alle möchten teilnehmen. Und da kommt so ein kleiner Arsch und macht es einfach. Man muss das mit Humor sehen. Das Leben ist ein Spiel.

SZ: Verdienen Sie eigentlich auch Geld oder geben Sie es nur aus? Die richtig fetten Sponsoringverträge bekommen doch nur Spitzenläufer.

Hohenlohe: Ich bin eben der Paradiesvogel, der Lustige und komme deshalb immer überall im Fernsehen und sonst vor. Daher zahlen Firmen mir auch mal 30.000 Euro pro Saison.

SZ: Und das ist Ihr einziger Verdienst?

Hohenlohe: Nein. Ich mache ja viele verschiedene Dinge, schon seit frühester Jugend. Ich bekomme Tantiemen für die Songs, die ich geschrieben habe. Ich verkaufe meine Fotos, die gehen sehr gut.

SZ: Und das hat Ihren ganzen Lebensstil finanziert?

Hohenlohe: Ich habe das Geld meines Vaters nie gebraucht, falls Sie das meinen. Er ist ja 2003 gestorben, auch sein Erbe habe ich noch nicht angefasst. Ich könnte gar nicht: Das Geld ist eingefroren, weil die spanischen Behörden sich nicht einigen können, wie viel Erbschaftssteuer dafür fällig wird. Aber natürlich wusste ich, dass immer genug Geld da gewesen wäre, wenn ich welches gebraucht hätte. Das gibt einem die Möglichkeit, mehr zu riskieren. Das ist der größte Vorteil daran, eine vermögende Familie zu haben.