Reden wir über Geld: Blumenbach "Ich bekomme bessere Bücher, aber nicht mehr Honorar"

SZ: Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade Ihren Vater um Rat fragen können?

Blumenbach: Als ich Krimis übersetzt habe, bin ich mal in einen Waffenladen gegangen. Waffenfetischisten sind sehr auskunftsfreudig, gerade weil sie in der Gesellschaft nicht sehr angesehen sind. Ich lernte also diesen Waffenliebhaber kennen und später baten mich andere Übersetzer um dessen Telefonnummer. Plötzlich hatte ich einen heißen Tipp für alle, die mit irgendwelchen Schusswaffen in Krimis nichts anfangen konnten.

SZ: Hatten Sie einmal Schwierigkeiten, als es um Fachwissen ging?

Blumenbach: Ich musste für ein Buch wissen, welche Farbe das Gesundheitsattest einer deutschen Prostituierten hat, der sogenannte Bockschein. Ich rief bei der Berliner Polizei an. Aber die waren skeptisch und wollten mir nicht glauben, dass ich Übersetzer bin.

SZ: Dank "Unendlicher Spaß" sind Sie auch außerhalb des Kulturbetriebs bekannt. Bekommen Sie mehr Aufträge?

Blumenbach: Im Gegenteil: Ich bekomme weniger, aber dafür höherwertige Literatur angeboten.

SZ: Und natürlich auch mehr Geld?

Blumenbach: Nein. Ich bekomme bessere Bücher, aber nicht mehr Honorar. Das Problem ist, dass die Hochliteratur ein bisschen besser bezahlt ist als Genreliteratur, aber ich brauche mehr Zeit für die Übersetzung. Das heißt: Ich bekomme am Ende viel weniger Geld raus.

SZ: Was tun Sie dagegen?

Blumenbach: Es geht soweit, dass ich mich bei einem Verlag um einen Auftrag bemühte. Ich wollte so eine richtige Sommerschmonzette, einen Liebesroman.

SZ: Und, haben Sie den bekommen?

Blumenbach: Ja. Ich habe dem Verlag gesagt, dass ich etwas übersetzen muss, mit dem ich Geld verdiene: Bitte, bitte Unterhaltungsliteratur - in der Hoffnung, dass es schnell geht.

SZ: Es traut sich keiner, Ihnen leichte Literatur zum Übersetzen anzubieten?

Blumenbach: Genau, mir eilt dieser Ruf von vielen Hochliteratur-Übersetzern voraus. Ein Kollege sagte mal, er habe sich in die Armut hoch übersetzt. Diesen Aphorismus ausführend sagte er, ihm würde keine normale Erzählliteratur mehr angeboten, die flutscht, beim Lesen und beim Übersetzen.

SZ: Ein Kompliment, das arm macht.

Blumenbach: Ganz recht. Ein Jahr lang war ich die Petersilie oben auf dem Kulturbetriebsnudelsalat. Das ist keine Koketterie: Diesen Herbst wird ja eine neue Sau durchs Dorf gejagt.

SZ: Wobei Sie Glück hatten: Mit dem Erfolg des Buches war ja nicht zu rechnen. Was haben Sie gedacht, wie viele Exemplare davon verkauft werden?

Blumenbach: Auf keinen Fall die verkauften 70.000, ich hatte mit 5000 bis 10.000 gerechnet. Für den Verlag Kiepenheuer & Witsch ist Wallace ein kulturelles Aushängeschild. Geld verdient der Verlag mit Büchern, die im Laden an der Kasse liegen. Bei ,,Unendlicher Spaß'' muss ein Kultbuch-Faktor eingesetzt haben, der aus den USA zu uns rübergeschwappt ist. Ich saß gerade mal ein halbes Jahr an der Übersetzung und wurde schon interviewt. Und so zynisch es klingen mag: Auch der Selbstmord von Wallace hat die Auflage wohl gesteigert.

SZ: Warum haben Sie diesen Klopper überhaupt angenommen? Sie konnten doch nicht ahnen, dass es sich so gut verkaufen würde und schon gar nicht, dass Sie damit Geld verdienen würden.

Blumenbach: Ich wusste, ich würde wohl nie mehr ein so tolles Buch kriegen. Platt gesagt: Ich brauche Gegner, keine Opfer. Es gibt in den USA kein anderes Buch der neunziger Jahre, das so bedeutend ist wie "Unendlicher Spaß".

SZ: Wie viel haben Sie unter dem Strich mit dem Roman verdient?

Blumenbach: Der Verlag war sehr nobel und hat mir eine Erfolgsbeteiligung ab dem ersten verkauften Exemplar gegeben, 70.000 wurden bisher verkauft.

SZ: Sie sind in einer privilegierten Situation, von der die meisten ihrer Übersetzer-Kollegen nur träumen können.

Blumenbach: Das ist wahr, aber es gibt Klagen bis hin zum Bundesgerichtshof: Wir müssen deutlicher am Erfolg einer Übersetzung beteiligt werden.

SZ: Sie selbst machen noch Lesungen. Was bringt das?

Blumenbach: Schon einiges. Aber auch inklusive Preise und Tantiemen bin ich beim "Unendlichen Spaß" noch nicht in der Gewinnzone: Ich habe jetzt fünf Sechstel meiner Ausgaben während der Übersetzungszeit wieder reingeholt.

SZ: Die hohen Kosten in der Schweiz machen Ihnen das Leben nicht leichter. Wären Sie doch in Berlin geblieben.

Blumenbach: Ich bin wegen meiner Frau in die Schweiz gezogen. Ich lebe sehr gerne hier und überlege, Schweizer zu werden. Das kostet aber je nach Kanton zwischen 500 und 3000 Franken.

SZ: Welche Vorteile hätten Sie?

Blumenbach: Nicht viel, aber ich möchte gerne dort wählen, wo ich lebe.

SZ: Auch wenn's 3000 Franken kostet?

Blumenbach: Ach, dann überlege ich mir das noch mal.