Negativ-Zins Mit diesen Daten bezahlen Sie für Kreditgeschenke

Bizarre Rabattschlacht: Kreditnehmer bekommen bei einigen Anbietern Geld - bezahlen aber trotzdem teuer dafür.

(Foto: Imago Stock&People)

Es klingt verlockend: Kunden kassieren Zinsen für einen Kredit, den sie aufnehmen. Doch im Gegenzug müssen sie fast alles von sich preisgeben.

Von Daniel Pöhler, Finanztip

Normalerweise bezahlt man Zinsen, wenn man einen Kredit aufnimmt. Dass man für eine Kreditaufnahme Zinsen bekommt, ist hingegen eher ungewöhnlich. Aber genau das ist das Ergebnis einer bizarren Rabattschlacht der Vergleichsportale Check24, Finanzcheck und Smava. Es geht um Kredite über genau 1000 Euro, die die Kunden nur zum Teil zurückzahlen sollen. Der Kreditzins ist negativ (minus 5 Prozent) oder anders ausgedrückt: Die Kunden bekommen Geld geschenkt.

Doch kein Unternehmen hat etwas zu verschenken. Entweder der Kunde zahlt in Euro und Cent - oder mit seinen persönlichen Daten. Das ist ein Grundprinzip der digitalen Wirtschaft. So können Nutzer zum Beispiel Google und Facebook kostenlos nutzen. Im Gegenzug müssen sie sich datenmäßig nackt machen, um zielgerichtete Reklame zu ermöglichen. Hingegen bezahlen Kunden etwa bei Apple mehr Geld und können im Gegenzug dann etwas mehr Privatsphäre erwarten.

Für die Aktionskredite von Check24, Finanzcheck und Smava müssen Kunden komplett blankziehen. Um einen Kredit mit negativen Zinsen zu bekommen, haben die Interessenten anzugeben, wie viel sie verdienen, ob sie verheiratet sind und wie viele Kinder im Haushalt leben. Außerdem wollen die Portale wissen, ob ein Eigenheim vorhanden oder wie hoch die Warmmiete ist - und ob ein Auto oder Motorrad vor der Tür steht.

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Vergleichsportale schauen ins Bankkonto und melden den Kredit der Schufa

Als wären das nicht schon genug sensible Daten, sollen Nutzer in manchen Fällen auch noch Kontonummer und Passwort für das Onlinebanking eingeben. Das erinnert an die Betrugsmasche "Phishing", und es kann einem dabei echt mulmig werden. Tatsächlich dürfen die Portale über digitale Schnittstellen völlig legal die Kontobewegungen der Nutzer auslesen. Mit dem sogenannten Kontoblick prüft das Vergleichsportal, ob die Angaben, etwa zum Gehalt, stimmen.

Für einen "richtigen" Kredit kann das schon angemessen sein, weil die Bank ja abschätzen muss, ob der Interessent kreditwürdig ist und die Raten begleichen kann. Man sollte sich aber gut überlegen, ob es sich lohnt, all diese Daten für eine Art Spaßkredit mit einem kleinen Geldgeschenk preiszugeben.

Der Verbraucher-Ratgeber Finanztip hält nichts davon. Zumal auch ein Mini-Kredit an Auskunfteien wie die Schufa gemeldet wird. Der Schufa-Score kann entscheidend dafür sein, ob jemand eine Wohnung bekommt oder einen Handyvertrag abschließen darf. Wie der Wert berechnet wird, hält die Schufa geheim. Deshalb lässt sich nur spekulieren, wie sich ein Aktionskredit darauf auswirkt. Denkbar sind zwei gegensätzliche Möglichkeiten, sagt Dirk Eilinghoff, Banken-Experte bei Finanztip.

Zum einen könnte es sein, dass der Schufa-Algorithmus recht schlau ist und den Mini-Kredit so interpretiert: Der Kunde hat dank guter Bonität den Aktionskredit bekommen und braucht ihn gar nicht wirklich. Also lassen wir den Schufa-Score so, wie er ist oder werten ihn sogar auf.

Zum anderen ist es denkbar, dass der Algorithmus eher dumm ist und die Kreditaufnahme so bewertet: Der Kunde hat Geldsorgen, und deshalb werten wir seinen Schufa-Score ab. Alle, die nicht um ihre Schufa-Bewertung pokern wollen, lassen also besser die Finger von den Aktionskrediten der Vergleichsportale.

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