Mutmaßliche Anlagebetrüger S&K Der Dienst

Madison Avenue in New York oder Tempelhofer Ufer in Berlin-Kreuzberg? So ganz klar ist es nicht, von wo aus der Branchendienst Goldman, Morgenstern & Partners, oder schlicht Gomopa wie von den Machern bieder abgekürzt, operiert. Offiziell sitzt Gomopa in Manhattan, zwei, drei Blocks vom Central Park entfernt. Ruft man allerdings bei Gomopa in New York an, meldet sich eine Telefonistin, die sagt, es sei niemand zu sprechen. Stattdessen hört man sie in einer Papierliste rascheln, dann diktiert sie die E-Mail-Adresse des Unternehmens.

Klaus Maurischat, der Chef von Gomopa, ist wohl meistens in der Berliner Niederlassung am Tempelhofer Ufer zu finden. Seine Webseite ruht aber auf ausländischen Servern. Seit Sommer 2012 schreibt Gomopa intensiv über den maladen Zustand von S&K. Rückblickend stellen sich viele Informationen als richtig heraus. Doch im Hintergrund leisten sich Gomopa und S&K einen erbitterten Streit. Der Vorwurf von Köller und Schäfer: Maurischat habe versucht, sie zu erpressen. Negative Berichterstattung, bis S&K Schutzgeld bezahlt, das ist der Vorwurf, den Köller und Schäfer in mehreren E-Mails erheben, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen.

Am 19.Oktober 2012, einem Freitag, überwies S&K vom Firmenkonto bei der Raiffeisen-Volksbank Miltenberg 200.000 Euro an Klaus Maurischat. Wenige Stunden vorher schrieb Jonas Köller in einer Mail an seinen Anwalt Igor Petri: "Heute werden wir eine Teil-Zahlung des ,Schutzgeldes' an Klaus Maurischat vornehmen, und zwar in Höhe 200.000,- Euro" und dann weiter: "Die 200.000,- Euro werden natürlich deklariert als Anzahlung für Geschäftsanteile oder Ähnliches, denn er ist ja kein kompletter Vollidiot und lässt sich den Betrag mit dem Vermerk ,Schutzgeld' überweisen." Als Verwendungszweck gaben Schäfer und Köller schließlich "Beratung Dienstleistung" an.

Klaus Maurischat räumt die Zahlung ein, sagt aber, dass es sich lediglich um Schadensersatz gehandelt habe. "Ich handelte zu diesem Zeitpunkt auch für Herrn Wolfgang Zimmermann, einen Berater, der von S&K engagiert worden war, um die Administratoren der S&K gegenüber kritischen Internet-Blogs aufzuspüren." Zimmermann habe sein Honorar nicht erhalten und sei von Schäfer tätlich angegriffen worden. "Um diese Angelegenheit zu beenden, erklärte ich mich bereit, als eine Art Mediator zu fungieren." 125.000 Euro will er an Zimmermann weitergeleitet haben, 45.000 Euro für Rechtsanwalts- und Gerichtskosten. Die übrigen 30.000 Euro habe Gomopa "als Ausgleich für die erlittenen Rufschädigungen einbehalten".

Hätte danach nicht Ruhe sein müssen?

Am folgenden Montag nach der Überweisung schrieb Maurischat eine E-Mail an Stephan Schäfer: "Also, Teilhabervertrag unterschrieben zu mir und entsprechend handeln. Dann morgen unser abgesteckter positiv Artikel und die beiden o.a. Artikel sind auch weg", weiter heißt es in der E-Mail: "Meinetwegen schmeiße ich sämtliche Artikel auch sofort und heute raus, wenn mir der unterschriebene und in der Anlage befindliche Teilhabervertrag vorliegt und wir das zum Bestandteil unserer Vereinbarung machen!" Und schließlich: "Jetzt du wieder! Gruß Klaus".

Redet man so mit jemandem, der einem noch vor drei Tagen Schadensersatz überwiesen hat?

Im Anhang der Mail befindet sich tatsächlich ein Teilhabervertrag, datiert ist das Abkommen auf den 22. Oktober 2012. Insgesamt zwei Millionen Euro soll S&K auf ein "noch näher zu benennendes Konto der Goldmann Morgenstern & Partners Consulting LLC" einzahlen. Bei Vertragsabschluss sollten 250 000 Euro fließen, danach 14 Monate lang Tranchen à 125 000 Euro. Bemerkenswert an dem Entwurf der Beteiligungserklärung ist, dass der Vertrag von Stephan Köller unterschrieben werden soll. Ein Namendreher.

Maurischat sagt, er hätte einen Einstieg von S&K nur akzeptiert, wenn sich die Immobilienfirma vorher von einem von ihm ausgewählten Wirtschaftsprüfer hätte begutachten lassen wollen. In der vorliegenden "Beteiligungserklärung" mit dem Namendreher steht davon allerdings nichts. Stattdessen findet sich diese Klausel: "Goldman Morgenstern & Partners Consulting LLC wird nach Eingang der ersten Zahlung sämtliche S&K betreffenden Artikel vom Netz nehmen und neue Artikel über S&K nicht veröffentlichen, ohne diese mit S&K einvernehmlich abzusprechen."

Betreibt Gomopa also Mafia-Journalismus? Maurischat wehrt entschieden ab. Nein, das sei nicht möglich.

Nun denn, in einer E-Mail an S&K-Mann Schäfer erteilt ihm Maurischat einen Ratschlag, wie er Teilhaber bei Gomopa werden könnte: "Das würde ich an deiner Stelle anonym machen und einen US RA (Rechtsanwalt, d. Red.) einsetzen ... Weiß kein Mensch wem dann GoMoPa gehört .... Und du beherrschst den Markt."