In einem Münchner Atelier lernen Seminarteilnehmer, wie sie langweilige Räume in Kunstwerke verwandeln können.
Ein wenig spöttisch blickt Monsieur Coysevox jeden an, der ihm gegenübertritt. Als wolle er gleich sagen: "Mal sehen, ob Du so talentiert bist wie ich." Doch die Begegnung mit dem Bildhauer im Eingangsbereich des Atelier Benad in München ist Fiktion. Der Besucher steht vor einem Gemälde. Antoine Coysevox, der im 17.Jahrhundert lebte und zum Beispiel Statuen für den Pariser Tuileriengarten und den Schlosspark von Versailles schuf, wirkt so plastisch, weil das Bild in Trompe-l'oeil-Technik gemalt wurde.
Wer mit dem Pinsel eine kahle Wand in ein Himmelsgewölbe verwandeln will, sollte den Einsatz von Farben beherrschen. Mit der richtigen Technik lassen sich auch Scheinoberflächen zeichnen: So wird aus einfachem Beton eine Oberfläche aus Marmor oder Schlangenleder. (© Foto: Alessandra Schellnegger)
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Rund um das Porträt sitzen ungefähr zehn Menschen, die mit dem Pinsel weiße Farbe auf ihr Malpapier tupfen. Sie arbeiten an einem Säulen-Kapitell - eines der typischen Motive des Trompe-l'oeil-Stils, der im Barock und in der Renaissance en vogue war. In dem Münchner Atelier lernen die Seminarteilnehmer zum Beispiel, wie sie langweilige Fassaden und Flure zu Hinguckern machen, wie sie mit Farben Emotionen ausdrücken - oder wie sie sich das Meer in die eigenen vier Wände holen können.
Himmel und Meer
Abgesehen von leiser klassischer Musik im Hintergrund ist es mucksmäuschenstill im Raum. "Schon Goethe sagte ja 'Bilde, Künstler, rede nicht!'", bemerkt Martin Benad lächelnd. Die Konzentration auf das Kunstwerk ist nur die eine Seite. Benad findet auch, dass ein Künstler zu gegebener Zeit sehr wohl den Mund aufmachen sollte. In seinen Seminaren vermittelt er daher den Teilnehmern, wie sie sich als Künstler gut verkaufen können, und unterstützt sie dabei, Präsentationsmappen anzufertigen, die Kostproben für jeden Geschmack und verschiedene Budgets bieten.
Der Pädagoge und Kunstmaler gibt zusammen mit seiner Frau Ursula, die Textil- und Wandgestaltung studiert hat, schon seit 14 Jahren Kurse für Illusionsmalerei. Vor drei Jahren gründeten Ursula und Martin Benad ihre Akademie für Farbgestaltung und Wandmalerei.
Auf einer Tür im Atelier wogt es unter einem blauen Himmel mit ein paar Schönwetterwolken, rote Girlanden steigen im Wind auf, am Strand prangen prächtige Muscheln. "Die Farbe Blau erzeugt Weite, Rot räumliche Nähe", erklärt Ursula Benad, die das Bild gemalt hat. "Mit solchen Motiven kann man Sympathie und gute Stimmung erzeugen, sie sind zum Beispiel gut für Kinderzimmer geeignet." Himmel und Meer heißt das Einsteiger-Seminar der Akademie für großformatige Wandmalerei zu diesem Spezialthema, ein anderer Kurs bietet theoretisches und praktisches Wissen zur Farbgestaltung in Innenräumen, ein weiterer beschäftigt sich mit toskanischen Landschaften.
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