Das Treffen der Finanzelite beim Internationalen Währungsfonds in Washington brachte keine Lösung, sondern manifestierte die globale Uneinigkeit. Besonders Deutsche und Amerikaner haben stark unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die Schuldenkrise in Staaten wie Griechenland gelöst werden soll. Und trotzdem: Auf ihre Art haben beide Seiten recht.
Der September 2011 fühlt sich zunehmend an wie der September 2008. Vor drei Jahren war es die Investmentbank Lehman Brothers, die das Weltfinanzsystem an den Rand des Kollapses brachte. Heute droht Griechenland den Rest der Welt anzustecken. Zwischen damals und heute gibt es Unterschiede, aber die beruhigen nicht. Aus der Krise der Banken ist eine der Staatsfinanzen geworden. Und die ist ungleich schwerer zu bekämpfen.
Bild vergrößern
Die Griechen sind in der Euro-Zone derzeit das größte Sorgenkind und Opfer der Schuldenkrise. (© dpa)
Anzeige
Erstens sind der Politik wichtige Instrumente abhanden gekommen, zweitens ist die internationale Solidarität der Jahre 2008 und 2009 verschwunden. Die Notenbanken haben massiv Geld gedruckt und die Zinsen gesenkt. Niedriger als auf null aber können sie nicht sinken. Die Staatshaushalte wurden mit neuen Schulden belastet, sodass neue Konjunkturprogramme ökonomisch nicht mehr verantwortbar oder politisch nicht mehr durchsetzbar sind.
Das Treffen der Weltfinanzelite beim Internationalen Währungsfonds in Washington brachte keine Lösungen, sondern manifestierte die globale Uneinigkeit. An einem Ende des Spektrums fanden sich die Amerikaner, am anderen die Deutschen. US-Finanzminister Geithner drängte die Europäer, die Krise schnell und mit sehr viel Geld zuzuschütten. Dazu gehört die Idee, den Euro-Rettungsschirm EFSF mit einer Banklizenz auszustatten und ihm so unbegrenzten Zugang zum Geld der Europäischen Zentralbank zu geben. Für die Deutschen, zumindest für die Deutsche Bundesbank, ist das unakzeptabel. Diese Umwandlung von Staatsanleihen in kaufkräftiges Geld widerspräche allem, wofür die Bundesbank seit fast sechzig Jahren steht, sie verstieße gegen den EZB-Vertrag und würde bedeuten, dass Risiken ohne parlamentarische Kontrolle von einem Euro-Land ins nächste verschoben werden.
Amerikaner und Deutsche scheinen, was das Geld betrifft, auf verschiedenen Sternen zu leben. Die Amerikaner sagen: Das Problem ist die Vertrauenskrise an den Finanzmärkten und die kann nur mit "ganzer Feuerkraft" bekämpft werden, sprich: durch Gelddrucken. Die Deutschen erwidern: Das Problem sind die Staatsschulden, und die kann man nur durch Sparen, nicht durch mehr Geld bekämpfen. Man könne einen Alkoholiker nicht dadurch heilen, dass man ihm Alkohol gibt, sagte Wolfgang Schäuble. Manch ein Deutscher fügt dann noch hinzu, mit ihrer Kritik an Deutschland wollten die Amerikaner nur von ihren eigenen Schuldenproblemen ablenken.
Das mag stimmen, es zu wissen, hilft aber nicht viel. Beide Seiten haben auf ihre Art recht, die Deutschen mittel- und langfristig, die Amerikaner kurzfristig. Eine globale Panik kann so verheerende Folgen haben, dass alle ordnungspolitischen Probleme fast irrelevant erscheinen. Es stimmt ja, dass die Europäer in der Schuldenkrise meist "behind the curve" waren, wie die Amerikaner sagen: Sie haben immer gerade so viel für Griechenland getan, wie nötig war, um eine Eskalation der Krise zu verhindern. Die Rechnung und das Risiko stiegen dabei immer weiter. Es stimmt aber auch, dass für die Gelddruckerei irgendwann ein Preis fällig werden wird, dessen Höhe noch niemand kennt.
Der Widerspruch zwischen den kurzfristigen Imperativen der Finanzmärkte und den mittel- und langfristigen Erfordernissen einer soliden Finanz- und Geldpolitik lassen sich auf Dauer nur durch mehr europäische Integration lösen. Solange es die nicht gibt, laufen die Europäer Gefahr, "behind the curve" zu bleiben. Der Europa-Kritik der USA haben sich in Washington jedenfalls auch mehrere Schwellenländer angeschlossen. Sie fürchten eine neue Rezession. Der Druck scheint jetzt Wirkung zu zeitigen. Die Europäer werden daher irgendetwas tun, um notfalls die Finanzmärkte beeindrucken zu können. Schäuble sprach in Washington davon, man könne den Rettungsfonds ja "hebeln". Was genau darunter zu verstehen sei, sagte er nicht.
- Schuldenkrise in Europa Zehn bittere Jahre für Griechenland 24.09.2011
- Schuldenkrise in Europa Schwindelgefahr im Geld-Karussell 23.09.2011
- NS-Kriegsverbrecher Walter Rauff Vom Gas-Mörder zum mittelständischen Unternehmer 25.09.2011
- Papst auf Deutschlandreise Berlin bereitet sich auf Papst vor 14.09.2011
- Islam-Kritiker betreiben Internet-Pranger Unworte und Untaten 30.07.2011
- Deutscher Alltag Mehr lesen als sprechen 11.06.2011
- Sieben Politik-Veteranen im Streitgespräch "Bürger, wehrt euch!" 01.04.2011
(SZ vom 26.09.2011/moe)
Verkehrssünderdatei in Flensburg
Zitat "Schäuble sprach in Washington davon, man könne den Rettungsfonds ja "hebeln". Was genau darunter zu verstehen sei, sagte er nicht."
Was genau, Herr Piper, verstehen Sie denn darunter?
Geld zu drucken hilft also kurzfristig?
Das ist aber faktisch die Politik der USA seit Reagan. Bricht eine Krise aus, dann werden schnell die Zinsen auf "expansiv" gesetzt, alle machen Schulden und die Krise (die es ja angeblich nach der neoklassischen Theorie gar nicht mehr geben darf) wird niedergebügelt. Und so kommt durch immer mehr Schulden immer mehr Geld in Umlauf. Und in der nächsten Krise gibts einfach noch mehr Geld.
Wenn aber der Punkt erreicht ist, dass die Schuldner merken, dass sie auch bei niedrigen Zinsen ihre Schulden nicht mehr bezahlen können, dann ist dieses System am Ende. Und das scheint in den USA nun der Fall zu sein und in den PIIG Staaten (Spanien nehme ich aus, da sind die Schulden des Staates gar nicht so hoch) ebenfalls.
Deshalb ist das Konzept der USA "weiter wie bisher immer" entweder zum Scheitern verurteilt oder ein Versuch die Probleme durch hohe Inflation zu "lösen".
Beides ist für uns als Gläubigernation schlecht. Aber um das einzusehen müsste Herr Piper erst einmal den ganzen Irrtümern, denen er die letzten Jahre erlegen war, abschwören. Und das schafft er moralisch oder intellektuell eben nicht.
"....lassen sich auf Dauer nur durch mehr europäische Integration lösen...."
der euro wird gegen die wand spekuliert und wer das nötige startkapital und verbindungen hat, der lässt sich vom euro die nase vergolden.
wie diese hirn- und nutzlose gier mit integration gelöst werden kann muss hier erst noch erklärt werden.
Weiss man von jeder Erbengemeinschaft und auch von der EU, wo es für die Neu-Staaten nur darum geht, viel zu erben.
Es wäre gut, wenn Politiker auch etwas von der Natur des Menschen verstünden, von Angst, Gier und Geilheit.
gehen die Amis einen Dreck an. Sie dürfen sich natürlich dazu äußern, aber das wars auch. Wer nicht zahlt, der darf sich nicht über die Musik beschweren.
Paging