50 Jahre Stiftung Warentest Die Ober-Checker

50 Jahre Stiftung Warentest: Die erste Ausgabe der Zeitschrift "Der Test" vom April 1966.

(Foto: dpa)

Stabmixer, Schlauchboote, Schokolade: Die Stiftung Warentest überprüft seit Jahrzehnten die Qualität von Produkten und Dienstleistungen. Manchmal lagen die Experten allerdings ziemlich daneben. Zehn Tops und Flops.

Von Titus Arnu, Laura Hertreiter und Julia Rothhaas

Vor 50 Jahren, am 4. Dezember 1964, wurde die Stiftung Warentest gegründet. Mehr als 92 000 Produkte hat die Organisation bisher geprüft - und lag dabei auch manchmal daneben. In den Achtzigern stießen die Tester etwa auf ein neuartiges Gerät, einen sogenannten Heimcomputer. Verbraucher müssten sich damit nicht belasten, meinten die Experten - das Gerät würde sich nie durchsetzen. Die zehn wichtigsten Tops und Flops.

Mangelhafte Skibindungen

Im November 1969 wurde ein Test von Skibindungen veröffentlicht, dabei schnitten drei Bindungen des Herstellers Marker mit "nicht zufriedenstellend" ab. Das Unternehmen klagte gegen die Untersuchungsergebnisse bis vor dem Bundesgerichtshof und unterlag schließlich nach einem langen Rechtsstreit - ein wichtiges Urteil. Denn die Richter betonten die "volkswirtschaftlich sinnvolle und nützliche Funktion" der Stiftung. Und das Testergebnis zeigte Wirkung: Bei einer Folgeuntersuchung im Winter 1973 bekamen Ski und Bindungen durchweg bessere Noten.

Unsichere Häcksler

Ein wegweisendes Ergebnis brachte der Test von Komposthäckslern im Jahr 1985. 18 von 20 Geräten wurden als "mangelhaft" bewertet, weil die Tester Sicherheitsmängel feststellten. So liefen die rotierenden Messer auch nach dem Ausschalten weiter, Äste schlugen beim Einlegen hin und her. Daraufhin forderte Warentest stärkere Sicherheitsvorkehrungen für die Verbraucher. Ein Hersteller klagte gegen das Testurteil, seine Sicherheitsanforderungen entsprächen der geltenden DIN-Norm. Der Bundesgerichtshof entschied im Jahr 1987 im Sinne der Stiftung: Die Anforderungen der Tester dürften über die DIN-Normen hinausgehen, hieß es, sie seien "geradezu verpflichtet", auch die DIN-Vorgaben kritisch zu prüfen.

Zweifelhafte Versicherungen

Als Finanztest im Januar 1996 zum ersten Mal Qualitätsurteile für Lebensversicherungen vergab, war der Aufschrei groß. Jede vierte von 70 Versicherungen war "mangelhaft", weil die Tester feststellten, dass sich viele Lebensversicherer offensichtlich mehr um ihre eigenen Erträge als um die der Kunden kümmerten. "Eine Kapitallebensversicherung ist als Geldanlage oft nicht die erste Wahl", lautete schon damals das Fazit. Viele Medien berichteten, die Branche war nicht erfreut. Ein Versicherer klagte, scheiterte aber vor Gericht.

Falsche Rente

Einer der größten Flops in der Geschichte der Stiftung Warentest war eine Untersuchung zur Riester-Rente. Kurz nachdem sie August 2002 bei einer Pressekonferenzvorgestellt wurde, klingelte schon das Telefon im Hause Warentest. Ein wichtiger Mensch einer wichtigen Versicherung behauptete, Warentest habe sich verrechnet. Also: nachrechnen. Was dann kam, nennt Warentest-Pressesprecherin Heike van Laak heute den "Schock". Tatsächlich sei ein Fehler passiert, der Verwaltungsanteil bei den Riester-Fondssparplänen war versehentlich doppelt berechnet worden. Keiner hatte den Fehler bemerkt. " Wir haben uns dann sofort entschuldigt, das Finanztest-Heft vom Kiosk zurückgezogen, die korrigierten Tabellen ins Internet gestellt und in der folgenden Ausgabe von Finanztest noch einmal veröffentlicht", fasst van Laak die Korrekturmaßnahmen zusammen. Die Opposition im Bundestag habe damals angemerkt, dass "die Riester-Rente so kompliziert ist, dass nicht einmal die Stiftung Warentest sie versteht".

Schädliche Gesichtscreme

Mangelhaft - als Schulnote ist das die Versagernote fünf. Als Schauspielerin Uschi Glas diese Bewertung im Jahr 2004 für ihre mit dem eigenen Gesicht beworbene "Uschi Glas Hautnah Face Cream" kassierte, war die Reaktion heftig. Die Herstellerfirma der Creme, 4S-Marketing GmbH, verklagte die Stiftung Warentest auf Unterlassung und Schadensersatz, verlor vor dem Berliner Landgericht, legte Berufung ein, verlor noch einmal. Sieben von 29 Testerinnen hatten über Rötungen, Pusteln oder Hautschuppen berichtet, vier weitere Probandinnen hatten der Creme eine mangelhafte Verträglichkeit bescheinigt. Nach dem Gerichtsurteil zum Warentest brachen die Verkaufszahlen der Creme ein, die Produktserie wurde eingestellt, der Hersteller ging pleite. Und Uschi Glas? Besteht bis heute darauf, dass ihre Creme einwandfrei war. Der Bild sagte sie: "Warentest hat meine Produkte gekillt."

Gefährliches Olivenöl

Jedes dritte kalt gepresste Olivenöl im deutschen Handel ist mangelhaft - das war das erschreckende Ergebnis einer Untersuchung im Jahr 2005 . Nach einem Test von 26 Ölen vergaben die Prüfer nur fünfmal die Note "gut". Die meisten Produkte hätten geschmacklich enttäuscht. Bei sieben von ihnen wurden zudem verbotene Wärmebehandlungen nachgewiesen. In zwei Ölen wurden sogar krebserregende Weichmacher (Diethylhexylphthalat) gefunden. In Tierversuchen erzeugte die Substanz Krebs, außerdem greift sie ins Hormonsystem ein und beeinträchtigt die Fortpflanzungsfähigkeit.

Unsichere WM-Stadien

Als "Heer der Besserwisser und Wichtigtuer" kanzelte Franz Beckenbauer, Präsident des WM-Organisationskomitees, die Stiftung Warentest im Januar 2006 ab, nachdem eine Überprüfung der Stadien im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft gravierende Mängel aufdeckte. Zu schmale Treppen, lange Fluchtwege, Stolperfallen und unüberwindbare Gräben gehörten zu den Baumängeln, die unter anderem in Berlin, Gelsenkirchen, Kaiserslautern und Leipzig auffielen. In Leipzig war der Fluchtweg auf den Rasen versperrt, sodass die Besucher erst auf eine 90 Zentimeter hohe Mauer hätten steigen müssen, um dann drei Meter in die Tiefe zu springen. Die Stadionbetreiber beklagten die angeblich schlampige Arbeit der Tester. Dennoch wurden anschließend viele Mängel behoben.

Giftiges Holzspielzeug

Für viele Eltern ist es fast eine Glaubensfrage, die oft in lange Diskussionen um Geburtstagsgeschenke mit Verwandten führt: Statt üblem Plastikschrott darf nur weich geschmirgeltes Holz ins Kinderzimmer. Große Verunsicherung gab es also im November 2010, als eine Untersuchung von 30 Holzspielsachen für Kinder bis drei Jahre zeigte, dass in jedem zweiten Produkt giftige oder gesundheitsschädliche Stoffe steckten - im Lack, im Sperrholz und in Schnüren. Die Tester hatten unter anderem Stoffe gefunden, die Krebs erzeugen, Allergien auslösen, das Erbgut und die spätere Fortpflanzungsfähigkeit schädigen können.

Umstrittene Schokolade

Ein Flop war der Test von 26 Vollmilch-Nuss-Schokoladen im Jahr 2013. Die Prüfer hatten der Ritter-Sport-Tafel die Note "mangelhaft" gegeben. Begründung: Die Schokolade enthalte das Aroma Piperonal, das künstlich hergestellt worden sei. Der Hersteller erreichte eine einstweilige Verfügung gegen diese Behauptung. Es kam zu einem aufwendigen juristischen Schokoladen-Streit zwischen der Stiftung Warentest und Ritter Sport. Am Ende verlor die Stiftung, weil der Test "unfair" abgelaufen sei - ein schwerer Imageschaden. Hubertus Primus, Vorstand der Organisation, räumte ein: "Die Stiftung Warentest hat im Testbericht nicht präzise und ausführlich genug dargelegt, wie sie zur Beurteilung der Deklaration gekommen ist."