Irland-Staatsanleihen Die Profiteure der Rettung

Bankchefs in ganz Europa dürften erleichtert sein: Wer Irland hilft, hilft auch den großen Kreditinstituten. Deutschland und Großbritannien sind die größten Gläubiger des Inselstaates.

Von Harald Freiberger

Eigentlich hätten Bankaktien am Montag steigen müssen, das taten sie aber nicht - egal ob Deutsche oder Commerzbank, französische oder spanische Großbanken. Dabei sind die Kreditinstitute die größten Profiteure der Rettung Irlands: Die Milliardenbeträge, die EU und IWF auf die Insel schleusen, verhindern, dass irische Staatsanleihen oder Kredite an irische Schuldner ausfallen. Dass die Börse trotzdem nicht jubelte, erklärt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, damit, dass die Rettung Irlands erwartet worden war. Bankaktien hatten in der Vorwoche schon zugelegt.

Die irischen Staatsanleihen deutscher Banken in Millionen.

In den Frankfurter Bankentürmen dürfte die Erleichterung am Montag trotzdem groß gewesen sein. Schließlich sind die Deutschen zusammen mit den Briten die größten Gläubiger Irlands. Nach Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hatten sie Ende Juni rund 103 Milliarden Euro in Irland verliehen.

Dazu zählt das Geld, das deutsche Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften in irischen Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen angelegt oder als Kredite an Unternehmen und Privatleute ausgegeben haben. Britische Gläubiger haben ihren Nachbarn mit 110 Milliarden Euro nur unwesentlich mehr Geld geliehen.

Was das Engagement der einzelnen deutschen Banken in Irland betrifft, gibt es keine vollständigen Zahlen. Bekannt ist nur die Summe, die sie in irischen Staatsanleihen angelegt haben. Die größten deutschen Kreditinstitute nannten sie bei dem Stresstest, den sie im Juli absolvieren mussten. Demnach hat die Hypo Real Estate mit 10,28 Milliarden Euro mit Abstand am meisten Geld beim irischen Staat investiert. Es folgen LBBW, DZ Bank, Deutsche Bank und Postbank mit 300 bis 400 Millionen Euro. Bei der Commerzbank sind es weniger als 100 Millionen Euro.

Unabhängig davon bezifferte die Deutsche Bank am Montag ihre Verbindlichkeiten gegenüber dem Staat Irland und irischen Banken Ende Oktober auf netto weniger als 400 Millionen Euro. Insgesamt kommen die elf größten deutschen Kreditinstitute auf ein Gesamtengagement von 12,6 Milliarden Euro in irischen Staatsanleihen. Der Unterschied zu der BIZ-Zahl von 103 Milliarden Euro ergibt sich daraus, dass diese auch Versicherungen, Fondsgesellschaften, Unternehmensanleihen und Kredite umfasst.

Die dreistelligen Millionenbeträge, die die meisten deutschen Banken in irischen Staatsanleihen angelegt haben, sind nicht das Problem. "Eine Insolvenz eines einzelnen Staats würden sie vielleicht noch aushalten", sagt Konrad Becker, Analyst bei Merck Finck. Die große Gefahr aber sei, dass mit jeder weiteren Staatspleite das gesamte System weiter geschwächt würde, und das Ganze sei mehr als die Summe seiner Teile.

"Wenn das gesamte System nicht stabilisiert wird, wären die Banken als erste betroffen", sagt der Analyst. Und weil der Bankensektor für die reale Wirtschaft so wichtig sei, würde die Krise sofort auf diese übergreifen. Deshalb könne man die Rettung Irlands nicht von der Rettung des europäischen Bankensystems trennen.

"Die EU hat nur Zeit gekauft"

Dekabank-Chefvolkswirt Kater sieht in der Rettung Irlands die "konsequente Fortsetzung" des bisherigen Umgangs mit der Finanzkrise. "Politik und Notenbanken geht es darum, die reale Wirtschaft von den Fehlfunktionen im Finanzsektor abzuschirmen", sagt er. Die Hilfen für Staaten sei eine logische Folge der Hilfen für die Banken, da die Banken eines Landes nur so stark sein könnten wie das Land selbst.

Dieser Modus war nach Katers Ansicht bis jetzt erfolgreich. Das zeige der Blick auf die Industrieproduktion, den wichtigsten Indikator für die reale Wirtschaft: In der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre fiel sie über vier Jahre, in der aktuellen Krise stieg sie nach drei Quartalen wieder.

Die Irland-Krise ist für den Ökonomen nichts Neues, sondern eine Verlängerung des Alten. Der irische Staat habe die Verbindlichkeiten der Banken übernommen, jetzt träten die Belastungen zutage. "Mit dem eingeschlagenen Weg jetzt aufzuhören, das wäre, wie wenn ein Athlet mit dem Training aufhören würde, wenn er das Halbfinale erreicht hat", sagt Kater.

Analyst Becker betont, mit der Rettung Irlands habe die EU "nur Zeit gekauft". Dahinter lauerten große Probleme: Kann der Rettungsschirm alle Belastungen abdecken, können die Länder ihre Schulden je zurückzahlen, was passiert künftig mit den Gläubigern von Staatsanleihen? Auch deshalb habe die Börse am Montag so skeptisch reagiert.