Inkassounternehmen Explosion der Kosten

In einem der SZ vorliegenden Fall lag die Forderung ursprünglich bei 34,45 Euro - am Ende aber bei 880,18 Euro. Auf drei DIN-A4-Seiten wurde dem Schuldner detailliert aufgelistet, wofür die zusätzlichen Kosten angefallen sein sollen, zum Beispiel für "vorl. Zahlungsverb. GV UGV" oder für "KontoFK. 3/2006" oder für "VA mit EV Antrag", oder es handelt sich um Zinsen, die mal 5,12 Prozent, mal 13,25 Prozent und mal 6,62 Prozent betragen. "Genau das ist das Problem", sagt Buchmüller. "Der normale Mensch versteht kein Wort, kann die Rechnung daher auch nicht überprüfen, wird durch so eine Auflistung aber enorm eingeschüchtert."

Der FDP-Verbraucherschutzexperte Erik Schweickert hat das Thema bereits auf der Agenda. In einem Vier-Punkte-Papier, das er nach der Sommerpause von seiner Fraktion beschließen lassen will, betont er zwar, dass die Mehrheit der gut 700 in Deutschland tätigen Inkassounternehmen seriös arbeitet, aber längst nicht alle. Auch ihm liegen mehrere Fälle von Betroffenen vor. Daher weiß er, dass es nicht nur um Opfer von Telefon- oder Internetabzocke geht. "Auch Senioren werden systematisch durch schwarze Schafe der Inkassobranche belästigt und eingeschüchtert, nachdem man ihre Adressen durch Kaffeefahrten oder simplen Adresshandel akquiriert hat", heißt es in dem Papier. Oft würden die Verbraucher "vor der zum Teil massiven Drohkulisse" kapitulieren.

Schweickert fordert daher unter anderem, die Gebührensätze für Inkassounternehmen "auf einem angemessenen Niveau" festzuschreiben. Zudem sollen Zinsberechnung "in Bezug auf sämtliche Forderungen transparent und nachvollziehbar" dargestellt werden müssen. Dass diese Punkte geregelt werden, ist auch dem Vzbv wichtig. Vor allem aber fordern die Verbraucherschützer klare Regeln zum Inhalt von Zahlungsaufforderungen: "Das Schreiben des Inkassounternehmens muss alle Informationen enthalten, die der Verbraucher benötigt, um beurteilen zu können, ob er tatsächlich zur Zahlung verpflichtet ist", sagt Buchmüller. "Also wann genau soll er mit wem worüber und in welcher Form einen Vertrag geschlossen haben?" Für die Verbraucherschützerin ist es ein Unding, dass der gesamte Inkasso-Bereich bislang noch "ein nahezu rechtsfreier Raum" ist. "Und das, obwohl die Inkassounternehmen laut ihrem Branchenverband BDIU Forderungen im Wert von 24 Milliarden Euro halten."

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) will das Thema nun aufgreifen. "Wir prüfen verschiedene Maßnahmen, um unlautere Inkasso-Praktiken einzudämmen", sagt eine Ministeriumssprecherin.